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Haben die Briten den Brexit im Regal?

Handel

Brexit treibt noch keine Preise

Vielleicht greifen der Brexit noch nicht in die Taschen der Briten. Die Entscheidung ist ja auch erst vor kurzem gefallen. Der Lebensmittelhandel jedenfalls spürt noch keine negativen Auswirkungen und wuchs in den letzten drei Monaten um 0,3 Prozent. Dabei fielen die Einkäufe aus Sonderangeboten mit 37,7 Prozent sogar auf ein Sechs-Jahres-Tief meldet der britische Marktforscher Kantar Worldpanel.

Die Briten haben den Sommer genutzt und dem Sektor Kühlkonfekt ein Umsatzplus von 23 Prozent beschert. Auch gekühlte Getränke legten auf der Insel um zehn Prozent zu. Der Tiefkühlspezialist Iceland hat mit einem „7-Tage-Deal“-Angebot sogar neue 129.000 Käufer in seine Läden locken können.

Weniger Angebote, bedeutet aber nicht, dass die Briten tiefer in die Tasche hätten greifen müssen. Eigenmarken sind der Renner und haben diesen ein Plus von neun Prozent, bei Premienprodukten sogar um zwei Prozent beschert. Kantar Worldpanel betont,. Dass der Brexit die Preise nicht nach oben getrieben hat und die Preissituation im Lebensmittelmarkt eher Inflationsbremsend wirke. Der Inflationswert lag in den drei Monaten bis zum 14. August bei – 1,3 Prozent.

Ursache ist das Umsatzplus der Discounter Aldi und Lidl. Aldi hat zum Vorjahresvergleich um satte 10,4 und Lidl sogar um den Rekordwert 12,2 Prozent zugelegt. Die britischen Ketten wie Tesco, Sainsbury haben rund 0,5 Prozent verloren, Asda sogar 5,5 Prozent. Morrison musste ebenfalls 1,8 Prozent Umsatzverlust hinnehmen.

Die Briten haben in den drei Monaten bis zum 14. August 25,036 Millionen Pfund für Lebensmittel ausgegeben.

Chinesen sehen Wachstumschancen

Nach einer Analyse von Barclays von Anfang August wird das allerdings nicht so bleiben. Weil die Waren aus der EU teurer werden, kommen mehr einheimische und ausländische Waren aus Asien und Afrika in die Regale. Die Händler müssen ihr Rohstoffmanagement umstellen. Schon heute sind 40 Prozent Obst und Gemüse importiert. Ware aus Spanien und Italien wird durch andere Ware ersetzt. Die Kühltransportbranche prognostiziert daher neues Lieferpotenzial aus Asien und Afrika nach London. Die Branche trifft sich im nächsten Monat in Bremen und wirbt beim Frühbucherrabatt mit dem Code-Wort „Brexit“. Neue Kühllieferketten nach London könnten auch neue Kühlkettenwege in die EU bedeuten.

Roland Krieg

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