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200 kg Obst und Gemüse pro Kopf

Handel

Beliebte Warengruppe in Deutschland

>Weltweit werden rund 800 Millionen Tonnen Gemüse und 500 Millionen Tonnen Obst produziert. Die beeindruckenden Zahlen wurden heute Mittag zur Eröffnung der Branchenmesse Fruit Logistica in den Berliner Messehallen präsentiert. Allerdings gelangen nur 10 Prozent des Gemüse und vier Prozent des Obstes in den internationalen Handel. Obst und Gemüse sind Frischwaren.

Importgebiet EU
Die bedeutendste Importregion für Obst und Gemüse ist vor Nordamerika und Japan die Europäische Union. Durch Frostschäden und Trockenheit in den neuen Mitgliedsländern fiel die Eigenproduktion um etwa fünf Prozent schwächer aus, erzielte aber immer noch 35 Millionen Tonnen Obst und 61 Millionen Tonnen Gemüse. 2,8 Millionen Tonnen Exporten stehen 8,2 Millionen Importe gegenüber.
In Deutschland erwirtschafteten 2.600 Betriebe nach Schätzungen der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) etwa 17,2 Milliarden Euro Umsatz. Obst und Gemüse mit Wirtschaftskraft.

Verbrauch
Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat im Auftrag vom ZMP und der Centralen Marketing-Gesellschaft für deutsche Agrarprodukte (CMA) die Käufe und Ausgaben der privaten Haushalte für 2005 ermittelt. Danach kauft jeder Haushalt 90,78 kg Frischobst zu einem Durchschnittspreis der wichtigsten Sorten von 1,36 Euro/kg. Der Preis hatte sich zum Vorjahr nicht verändert, die Menge aber um 1,03 kg pro Kopf und Jahr erhöht. Hinzu kommen 64,27 kg Gemüse zu einem Durchschnittskilopreis von 1,58 Euro. Im Vorjahr waren es 65,78 kg für einen Durchschnittspreis von 1,58 Euro je Kilo.
Äpfel bleiben mit 21,88 Kilo pro Haushalt weiterhin die beliebteste Frucht, gefolgt von Bananen (16,48 kg) und Apfelsinen (9,33 kg). Addiert man verarbeitetes Obst und Gemüse hinzu, dann verzehren die Deutschen über 200 kg pro Jahr und Kopf. 22 Prozent der Lebensmittelausgaben werden für Obst und Gemüse ausgegeben.
Nachdem die diesjährige Fruit Logistica und der Verbrauch an Obst und Gemüse von Rekord zu Rekord eilen, plant die Messe GmbH für 2007 einen ersten Auslandsauftritt in Bangkok.

Osteuropa
Die ZMP hielt bereits im November das erste Forum für den Obst- und Gemüsemarkt in Osteuropa ab. Dr. Wilhelm Ellinger fasste auch heute noch einmal einige Leitlinien zusammen: Gerade mit Zitrusfrüchten, Aprikosen aber auch bei Birnen können die neuen Mitgliedsländer nicht konkurrieren. Ihre Domäne liegt bei den Beerenfrüchten, Äpfeln und Sauerkirschen. Nach der Erweiterung konnten die neuen Länder wegen einer starken Ernte in der alten EU ihren Absatz dorthin nicht erhöhen. Das lag aber auch daran, dass nach Überwindung der Währungskrise in Russland dieser Markt attraktiver gewesen ist. Obst und Gemüse in den neuen Ländern wandert stärker in die Verarbeitung als im Westen üblich. Am Beispiel Polen beschrieb Dr. Ellinger noch einmal den Spannungsbogen der neuen Wirtschaften: Die Kostenvorteile in der Produktion werden meist durch das zersplitterte Angebot und mangelnde Infrastruktur und Logistik wieder aufgebraucht.

Qualitätsoffensive
Auf der Grünen Woche sagte die Brandenburger Verbraucherzentrale, dass Konsumenten über Obst und Gemüse mehr irritiert sind, als über die Gammelfleischskandale. Das läge daran, dass bei Fleisch die Verbraucher unterschieden könnten, dass es nur vereinzelte Firmen sind. Bei Obst und Gemüse hingegen gerät schnell die gesamte Warengruppe unter Generalverdacht.
Befragt, was die Branche dagegen unternehmen möchte, antwortete Günter Schweinsberg, Geschäftsführer des Fruchthandelsmagazins gegenüber Herd-und-Hof.de: Obst und Gemüse werden allermeist unzubereitet verzehrt. Deshalb sei der Verbraucher gegenüber dieser Warengruppe sensibler eingestellt. Zudem sind so viele unterschiedliche kleine Unternehmen am Markt, dass eine Unterscheidung wie beim Fleisch innerhalb der Distributionskette schwerer ist. Ein Gemüsehändler sammelt die Ware von 30 bis 40 Betrieben ein. Generell sei die Branche daran interessiert, sich dieser Herausforderung zu stellen, was aber nur sehr schwer zu realisieren sein. Mit Warenrückverfolgbarkeitssystemen und Klassifizierungen wie dem Q+S - System sei man auf dem richtigen Wege.

Roland Krieg

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