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Innovation in den Genen

Handel

Innovation Award 2006

>Zum ersten Mal wurde auf der Fruit Logistica der Innovationspreis verliehen. Verbraucher sind neugierig, man muss ihm nur etwas anbieten. Das allerdings ist nicht so einfach, denn 72,6 Prozent der Produktinnovationen fallen durch, sagte Michael Lausenmayer vom Marktforschungsinstitut Information Research GmbH. Dabei gibt es Traumziele: 17,9 Prozent Marktanteile bei 2,3facher Preisstellung, wie es im vergangenen Jahr ein Haushaltsreiniger geschafft hat. Das Gute-Bauch-Gefühl für eine Produktneuheit sei zwar weiterhin wichtig, aber vermehrt nähert sich die Branche mit wissenschaftlichen Daten ihren Erfolgs- und Misserfolgsmustern. Daraus zu lernen lohnt sich, denn "Innovationen sind auch Wachstumstreiber in Zeiten der Kaufzurückhaltung", so Lausenmayer. Solche Produkte erwirtschaften höhere Preise, doch muss der Händler vorbereitet sein: Discounter brauchen heute nur noch durchschnittlich 13 Wochen, bis sie ein erfolgreiches Produkt listen. Wer Mängel in seiner Distributionskette hat, wird den Durchbruch nicht erlangen. Der Marktforscher sieht im Lebensmittelbereich Potenziale bei Convenience, kleineren Portionen für Unterwegs und im Gesundheitsbereich.

Innovation durch Forschung
Bei der niederländischen Rijks Zwaan, einer der zehn größten Gemüsezüchter der Welt "steckt die Innovation in den Genen", erläuterte Jan Doldersam. Sie züchten 25 verschiedene Gemüse und vermarkten bereits 750 verschiedene Sorten. Der Erfolg stamme von einem "Runden Tisch". Da bringen Verbraucher ihre Geschmacksbeurteilungen ein, Produzenten ihre Erfahrungen bei der Verarbeitung und Händler ihre Erkenntnisse bei der Warenpräsentation. Die Ergebnisse werden dann züchterisch umgesetzt.
Diesen Weg bezeichnete Dr. Ian Ferguson von der neuseeländischen HortResearch, dem größten Obstzüchter der Welt, als "Market Pull". Der Markt verlangt besonders rote Äpfel, eine bestimmte Textur des Fruchtfleisches oder sekundäre Pflanzenstoffe. Dann können die Forscher die Gene des Apfels durchsuchen und diejenigen aufspüren, die für diese Merkmale verantwortlich sind und fördern. Auf der anderen Seite gibt es aus der Forschung heraus aber auch den "Science Push". Damit beschrieb Dr. Ferguson die "nutritional genomics". Jede Diät hat auf den Menschen auf der Basis seiner genetischen Exposition unterschiedliche Auswirkungen. Er sieht diesen Ansatz als pharmakologische Option, Erkrankungen zu mindern und zu vermeiden, die durch Ernährung verursacht werden.

Was will der Verbraucher?
Thomas Gutberlet von tegut gab hingegen zu Bedenken, dass Verbraucher Innovationen bei Lebensmittel skeptischer gegenüber stehen sind als bei Autos. Da würden sie Neuerungen geradezu wünschen. Lebensmittel spiegelten mehr Tradition und Qualität wieder. Allerdings haben die meisten Verbraucher schon gar keine Vorstellungen mehr, wie Lebensmittel produziert werden. Sie sehen Äpfel immer noch an großgewachsenen Bäumen auf einer Streuobstwiese hängen. In Wahrheit wachsen die meisten Äpfel an buschartigen "Sträuchern" in dichter Reihe. Innovationen müssten ganz anderes gestaltet werden, wie er am Beispiel des Raclette aufzeigte: Nirgends sonst verzehren Verbraucher so viel Käse in so kurzer Zeit. Da könnte sich die Branche etwas mehr einfallen lassen. Im Bereich der Gentechnik wird soviel geforscht und investiert - dabei wollen die Verbraucher diese Produkte gar nicht haben. Daher sieht Gutberlet Absatzchancen für die Bauern aus den gentechnikfreien Zonen.

The winner is...
So vielfältig die zehn für den Innovationspreis nominierten Produkte waren, so vielfältig wurde über Produkterneuerungen diskutiert. Bei den Wettbewerbern reichten die Vorschläge von der Verpackung über Verarbeitungsgeräte, Produktinformationen bis hin zum Produkt selbst.
Auf Platz 3 landete die deutsche BetaSweet-Karotte von der Firma Transimpex. Sie hat auf natürlichem Züchtungsweg eine Karotte hervorgebracht, die einen 40 Prozent höheren Beta-Carotin-Gehalt als andere Karottensorten aufweist. Das verleiht ihr die violette Farbe.
Auf Platz 2 landete das Etikett der neuseeländischen Ripesense Ltd. Das Etikett reagiert nicht auf Temperatur oder Zeit, sondern auf von Birnen abgegebenen Aromastoffen. Verschiedene Farben zeigen dem Verbraucher den von ihm gewünschten Reifegrad an.
Und der erste Preisträger des Innovations Award 2006 ist der Salanova der holländischen Rijks Zwaan. Sie haben verschiedene Salatsorten gezüchtet, die gleichmäßigere Blattgrößen aufweisen als herkömmliche Salate. Zudem haben diese Salate bis zu viermal mehr Blätter und eignen sich besonders im Service-Bereich für Sandwiches. Besonders einfach ist die Verarbeitung. Mit einem einzigen Schnitt wird der Strunk entfernt und alle mundgerechten Blätter liegen im Kreis vor dem Koch. Es entfällt das Auseinandernehmen und es bleibt viel weniger Abfall übrig. Die roten und grünen Blattsalate, Multikopfsalate und roten Eichblattsalate gibt es seit März 2004 im Handel.

Zwei weitere nominierte Produktneuheiten hatte Herd-und-Hof.de in den vergangenen Monaten bereits zielsicher vorgestellt: Das Etikett von Eosta und den Umweltfrosch bei Chiquita.

Roland Krieg

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