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Intermessen in Düsseldorf eröffnet

Handel

Foodmessen auf Erfolgskurs

Vom 24. bis zum 27. September finden im Zweijahresrhythmus in Düsseldorf wieder die drei großen Foodmessen InterMopro, InterCool und InterMeat statt. Die Kürzel stehen für die Branchentreffen im Bereich des Molkerei-, Tiefkühl- und Fleischmarktes. Insgesamt werden 961 Aussteller und rund 30.000 Fachbesucher aus aller Welt erwartet.

Rund um das Fleisch
Mit 363 Ausstellern aus 15 Ländern weist die InterMeat den größten Ausstellungsumfag aus. Die größten ausländischen Beteiligungen stammen aus Belgien, den Niederlanden, Österreich und Italien. Gemeinschaftsbeteiligungen sind aus Frankreich und Österreich dabei und generell alles was Rang und Namen in der Branche hat: Abraham Schinken, Böklunder Plumrose, Südfleisch oder Vion. Abgerundet wird die Produktenausstellung durch Firmen im Bereich Technik und Verpackung.

Boom am Schweinemarkt
Für das erste Halbjahr 2006 prognostiziert die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) einen Boom von mehr als einer Million Schweineschlachtungen mehr als im Vorjahr. Bis Ende des Jahres werde ein Plus von 1,3 Millionen Tieren erreicht. Die Erzeugung erzielte in Deutschland ebenso einen neuen Rekord mit einem Produktionszuwachs von rund 2,5 Prozent, was zu einem Produktionsrekord von 4,6 Millionen Tonnen führt. Der Export hat um 13 Prozent auf über 600.000 Tonnen zugelegt, wobei der russische Markt wieder beliefert werden kann. Insgesamt sind so die Preise für Schweinefleisch auf einem Fünf-Jahreshoch angelangt, was sich für den Rest des Jahres aber wieder relativieren werde. Die Schönwetterperiode im Juli, die Schweinepest in Nordrhein-Westfalen und die guten Absatzchancen im Ausland waren für die hohen Preise verantwortlich. Jetzt kühlt der überhitzte Markt wieder etwas ab.
Der Wettbewerber Brasilien wird durch den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche im Welthandel zurückstecken müssen, so dass der Export sein Halbjahresergebnis bis Ende 2006 auf 1,2 Millionen Tonnen verdoppeln kann.
Auf dem Rindfleischmarkt verläuft die Entwicklung ruhiger. Zwar ist das Jungbullenangebot zur Zeit kleiner als in den Vorwochen, aber das hat keine Auswirkungen auf die Erzeugerpreise. Insgesamt zeigen sich die Preise bei Rindern unheitlich.
Unabhängig von den aktuellen Entwicklungen hat die ZMP vor kurzem ihre „Warenstromanalyse Fleisch“ vorgestellt. 2004 standen in Deutschland rund 6 Millionen Tonnen Fleisch zur Verfügung. Davon wurden 49 Prozent zu Wurst, Schinken und Fertiggerichten verarbeitet. Der Rest wurde als Frisch- oder Tiefkühlfleisch vermarktet – ein Drittel ging dabei in das Ausland.
Der wichtigste Vermarktungskanal bleibt der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) mit einem Anteil von 64 Prozent. Die Gemeinschaftsverpflegung nimmt etwa 21 Prozent des Fleisches auf. Metzger verkaufen noch rund 12 Prozent der Ware und über die Direktvermarktung finden noch drei Prozent den Weg zum Verbraucher.

Fleisch unter Druck
„Es gibt eine Gleichgewichtsänderung im Fleischmarkt bedingt durch die großen Fusionen. Wird dies das Preisniveau erheblich beeinflussen?“ Das fragte im August ein Teilnehmer des 1. Round-Table-Gespräches der EU-Fleischbranche in Brüssel. Convenience Produkte werden den Handelsalltag stärker prägen, wobei für „Kochevents“ mit Gästen an den Wochenenden das Fleisch aus den Fachgeschäften bevorzugt werde.
Die Konzentration im Handel, die Rationalisierung, Fleisch im Hard-Discount und die steigende Nachfrage nach Convenience werden Druck auf alle primären und weiteren Fleischproduzenten erhöhen. Fleisch wird zum „Schnelldreher“ im Handel.
Dabei sind die Handelsstrukturen in Europa noch sehr uneinheitlich. Deutschland bietet über 400 qm Verkaufsfläche pro 1.000 Einwohner. In Großbritannien sind es unter 250 qm. Deutschland bietet auch die größte Ladenfläche im Discountbereich: Etwa 70 qm für 1.000 Einwohner, während England gerade einmal 20 qm Harddiscount aufweist. Den höchsten Anteil an kleinen Geschäften bieten Italien mit über über 300 qm und Belgien mit etwa 250 qm.
1998 wurden in der EU25 nach Angaben des Belgian Meat Office 16.474 Millionen Tonnen Frischfleisch verkauft. 2004 waren es 16,940 Mio t und 2010 werden es 17,080 Mio t sein. Bis 2004 stieg der Verkauf mit 0,5 Prozent immerhin etwas an, wird aber mit einem Wachstum von 0,1 Prozent bis 2015 eher stagnieren. Rückläufige Tendenzen gab es iin Deutschland im Zeitraum 1998 bis 2004 und wird sich ein wenig erholen für den Zeitraum 2004 bis 2015 mit + 0,2 Prozent. Das Belgische Fleisch-Büro prophezeit anhand der Zahlen einen weitergehenden Preiskrieg und Differenierungstendenzen auf dem Fleischsektor.

Qualitäten sind gefragt
Die aktuelle Gammelfleischsituation ist noch zu frisch, um bereits Auswirkungen auf den Handel zu verzeichnen. Markenfleischprogramme und besondere Qualitäten könnten aber als „Gewinner“ hervorgehen.
So bietet die Radio Frequency Identification (RFID) nicht nur die Möglichkeit der Warensteuerung. Der Kauf eines Produktes löst im Idealfall seine Nachlieferung aus. Die RFID-Methode kann auch für die Qualitätsverwaltung genutzt werden. „Wiederkehrende Aktivitäten zur Umsetzung von Hyginemaßnahmen können geplant und ihre Durchführung dokumentiert werden“, heißt es in dem Handbuch eines Softwareherstellers. Darüber hinaus können Verfahrensanweisungen allen Benutzern zugänglich gemacht werden, um beispielsweise die Lagerung zu dokumentieren. Im Rahmen des Bestandmanagements könnten Artikel ab einem bestimmten Zeitpunkt gesperrt werden, wenn etwa das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist: „Ab diesem Zeitpunkt stehen die Artikel der Produktion oder dem Verkauf nicht mehr zur Verfügung“.
Seit 80 Jahren gibt es den steirischen Feinkost-Spezialisten Schirnhofer. Der mittlerweile auch in Deutschland aktive Fleischlieferant arbeitet seit Oktober 2005 Gentechnikfrei. Zehn Prozent der Schirnhofer Rinder werden sowieso schon auf Biobetrieben gehalten, der Rest jedoch wird nun durch die agrovet GmbH auf gentechnikfreiheit zertifiziert. Greenpeace Österreich trägt die Werbekampagnen mit. Seit Januar 2006 ist auch das Schweinefutter gentechnikfrei. Herr Roth am Schirnhofer Stand in der Halle 4 kann sich zurücklehnen. Wer so produziert und werbeaktiv ist, der nimmt den Gammelfleischskandal gelassen. Zu Herd-und-Hof.de sagte er, dass Firmennamen viel schneller veröffentlicht werden sollten. Dann bleiben diejenigen Firmen im Handel übrig, die sich nichts vorzuwerfen haben. In dem Zusammenhang bezechnet er das vom Bundesrat am vergangenen Freitag beschlossene Verbraucherinformationsgesetz als unzureichend.

Convenience im Vormarsch
Der Gewürz-Spezialist Avo aus Belm in Niedersachsen profitiert auch noch nach der WM. Der Fußballsommer ist praktisch nur ein allgemeiner Konsumanstoß gewesen und kreierte einen Trend, den die Würzfirma auch auf der InterMeat vorstellt: Convenience und Life-Style. 42 Prozent aller Deutschen bezeichnen sich als ernährungsbewußt. Daher bietet Avo leichte Asia-Zubereitungen, fettreduzierte Wurstwaren, teilweise aus dem Bioanbau und Alternativen für die Wellness-Küche an. Während schon mal abgepacktes Fleisch in Marinaden im Kühlregal liegt, gibt es Avo noch ein wenig Gemüse hinzu und handgerollte Rouladen. Verschiedene Würzsaucen schmücken Schweinegeschnetzeltes, Puten- oder Hähnchenbrust. Es gibt verschiedene Fleischstücke mit Gemüse- und oder Fruchtstücke, oder mit Glasnudeln oder Reis. Dazu immer einen Würzdipp: Für die Menschen, die sich keine Zeit mehr für das Kochen nehmen wollen oder können.

Roland Krieg

Die Warenstromanalyse Fleisch kann unter www.zmp.de bestellt werden

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