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Jenseits des Geschmacks

Handel

Bio gleich fairer Handel?

>"Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen - insbesondere der Länder des Südens - leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung." Das ist die Definition des Dachverbandes der Handelsgesellschaften, die sich der Fairness verschrieben haben. Wer Bioprodukte kauft, kann aber auf Waren treffen, die von Kindern hergestellt sind, den Bauern keine gerechten Löhne garantieren oder auf Firmen, die Arbeitern den Zugang zur Weiterbildung versperren.

Bio ist nicht automatisch fair
Mit einem neuen Projekt möchte Naturland den negativen Auswirkungen "des sich internationalisierenden Biomarktes" begegnen, formulierte Hans Hohenester aus dem Präsidium des Anbauverbandes Naturland auf einer Konferenz der Nürnberger BioFach. "Nicht alle Bioprodukte sind sozialverträglich produziert." Dabei geht es nicht um die Hauptdomäne des fairen Handels, den Entwicklungsländern, sondern angesichts der Kürzungen der zweiten Säule in der Agrarpolitik auch um den ländlichen Raum in Deutschland. Und ganz konkret um manche Beschäftigung für Saisonarbeitskräfte im Obst- und Gemüsebau.
Für Heinrich Schwabenbauer, Milcherzeuger aus Bayern, bedeutet ein fairer Handel, dass seine Arbeit und seine Aufwendungen für die Landschaftspflege über den Milchpreis entlohnt werden. Für Verbraucher gibt es Qualitäten auf verschiedenen Ebenen: Mit sozialer Gerechtigkeit könne sich die Branche weiter profilieren, sagte Tom Speck, Geschäftsführer der gepa Fairer Handel, die sich seit 30 Jahren um diesen Bereich bemüht. Oft gelte bereits die Produktionsweise des ökologischen Landbaus schon als Zeichen für Qualität. Aber man müsse auch hinter das Siegel schauen, meinte Siegfried Stocker, Deutschlands größter Biobäcker aus München. Verbraucher wünschen verschiedene Akzentuierungen: Die einen wollen die Umwelt schützen, die anderen mehr eine artgerechte Tierhaltung in den Vordergrund stellen. Dann gäbe es ach Verbraucher, die soziale Aspekte entsprechend würdigen würden. So ein Label könnte den Städtern die Landwirtschaft wieder näher bringen: "Verbraucher kennen nicht den Aufwand zur Erhaltung regionaler Wirtschaftskreisläufe."

Neue Kriterien für ein neues Siegel?
Die formulierten Standards sind sicher keine Neuerfindungen. Aber in der Regel werden Produkte daraufhin nicht zertifiziert, begründete Hohenester den Start des Naturland-Projektes. Es gehe dabei nicht um ein neues Siegel, sondern um eine Erweiterung bestehender Etiketten. Demnach soll eine zukünftige Fair-Zertifizierung heimischer Produkte folgendes beinhalten:
- Soziale Verantwortung
- Langfristige Handelsbeziehungen
- Faire Erzeugerpreise
- Regionaler Rohstoffbezug (mindestens 80 Prozent)
- Gemeinsame Qualitätssicherung
- Förderung von Projekten
Vor zwei Jahren noch wurde auf der Herbsttagung des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ein weiteres Siegel abgelehnt. Auch auf der BioFach ist das Projekt nicht unstrittig. Wenn der Konsument vor einem Regal mit einem Produkt mit verschiedenen Siegeln steht, die entweder die Umwelt oder die Tiere schützen, ein politisches Projekt unterstützt oder faire Preise für die Erzeuger verspricht, dann könnte der Konsument auf Grund der Informationsflut kapitulieren und auf das Entscheidungskriterium zurückgreifen, welches ihm die realste Erfahrung bringt: den Preis. Allerdings gab es am Ende der Diskussion auch einen realen Mehrwert für den Verbraucher, kauft er Ware zu fairen Erzeugerpreise: "Er bekommt das Produkt auch im nächsten Jahr noch."

Roland Krieg

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