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Kartoffeln wollen Ruhe

Handel

Keimhemmung mit Chlorpropham und MitoBar

Mit Früh- und Spätkartoffeln können die Erdknollen über einen langen Zeitraum hinweg geerntet werden. Sie eignen sich auch hervorragend zum Einkellern, um sie das ganze Jahr über ständig verfügbar zu haben - einige Regeln vorausgesetzt.
Dabei kommt es auf die Sorte an, ob es eine „hitzige“ oder „ruhige“ Kartoffel ist. Nach der Ernte können Kartoffeln leicht zwischen fünf und neun Wochen gelagert werden, denn das entspricht der sortenabhängigen natürlichen Keimruhe. „Hitzige“ Sorten können aber bereits während eines heißen Sommers auskeimen.

Lagerung von Kartoffeln
Kartoffeln gehören zu den lebenden Organen mit einer biotischen Aktivität der 2. Ordnung. Sie sind die stärkereichen Sprossknollen unterirdischer Triebe, die als Stolone bezeichnet werden. Sie dienen der Mutterpflanze Solanum tuberosum als Nährstoffspeicher - weswegen in ihnen eine ganze Menge los sein kann. In der Regel überwiegen die Respirationsprozesse, wie Abgabe von CO2, Wasserdampf, Ethylen und Wärme. Durch mangelhafte Lüftung kann sich das CO2 im Lagerraum ansammeln und mangels Sauerstoff zu Gärung und Fäulnis führen. Vermieden werden müssen zudem Lichteinflüsse, die wachstumsfördernde Enzyme aktivieren und dann die Keimung einleiten. Damit beginnt bereits der Qualitätsverlust, denn die Enzyme verbrauchen Nährstoffe. Je höher die Lagertemperatur ist, desto schneller keimen die Knollen. Das Minimum der Knollenatmung liegt bereits bei 3 bis 5 Grad Celsius. Also: Kartoffeln kühl. dunkel und luftig lagern.
Sollen die Kartoffeln allerdings deutlich über die natürliche Keimruhe hinaus gelagert werden, dann müssen Keimhemmungsmittel eingesetzt werden. Zudem fördert eine Kühllagerung die Verzuckerung der Kartoffeln. Das ist bei der Veredlung der Knolle weniger wünschenswert, da es die Acrylamidbildung fördert. Experten erwarten daher eine zunehmende Verwendung von Keimhemmungsmitteln.

Chlorpropham und MitoBar
Korbinian Dunkel liefert das ganze Jahr über Speisekartoffeln und braucht daher neben einer sorgfältigen Anbauplanung auch eine ausgeklügelte Lagerplanung. Im dlz agrarmagazin berichtete er, dass er je nach Keimfreudigkeit der Sorte und nach voraussichtlicher Lagerdauer, die Knollen mit flüssigen Keimhemmungsmitteln besprüht. In ein getrenntes Lager kommen die Kartoffeln, die je nach Marktlage flexibel angeboten werden sollen. Hier verwendet er ein Nebelgerät mit niedrigster Dosierung und wiederholt den Vorgang je nach Bedarf.
Pflanzenschutzmittel verlieren nach zehn Jahren ihre Gültigkeit und müssen nach neuesten wissenschaftlichen Expertisen erneut zugelassen werden. Bis 2001 war Chlorpropham der Wirkstoff der Wahl. Bis dahin konnten auch private Haushalte das Mittel einsetzen, hatten aber Schwierigkeiten, es gleichmäßig auf die Knollen zu pudern, weswegen sich das Mittel punktuell in den privaten Kellern in manchen Kartoffeln anreicherte. Das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat Chlorpropham daher nur noch für den gewerblichen Bereich neu zugelassen.
Im ökologischen Landbau ist das Pflanzenstärkungsmittel MitoBar erlaubt, das auf ätherischen Ölen basiert. 4,9 Prozent davon sind Pfefferminzöl. Dr. Wolfdieter Kürzinger vom Institut für Acker- und Pflanzenbau der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern rät, etwa 100 ml MitoBar je Tonne Knolle unverdünnt auszusprühen. Dabei darf kein Heiznebelgerät verwendet werden und anhaftende Erde mindert die Wirkung ebenso. Primär verhindert MitoBar die Verdunstung des Wassers und verhindert die Keimung rund drei Monate lang. Das ist etwas weniger als mit chemischen Mitteln. Die bewirken eine Keimruhe von bis zu sechs Monaten.
Der Wirkstoff Chlorpropham wirk bis in das in das Innere der Knollen ein und ist damit auch in geschälten oder frittierten Kartoffeln nachweisbar. Die erlaubte Höchstmenge liegt bei 5 mg/kg Kartoffel.
In der Schweiz wird noch Carvon im Ökolandbau eingesetzt, dass auch auf ätherischen Ölen basiert. Ein Bestandteil davon ist jedoch Kümmel und riecht ziemlich stark. Deswegen wird es nicht so gerne eingesetzt.

VLE

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