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Keine Rezession in Sicht

Handel

„Partystimmung“ flacht ab

In den zurückliegenden Wochen gab es zahlreiche Prognosen über eine mögliche Eintrübung der deutschen Konjunktur. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat allerdings für sein aktuelles Konsumbarometer auch eine europazentrierte Gegenreaktion ausgemacht. Die „Konjunkturparty“ ist zwar vorbei, aber es besteht kein Grund für „Alarmismus“. Der ifo-Geschäftsklimaindex ging zwar zum siebten Mal in Folge zurück, aber nur um 0,1 Prozent. Die Geschäftsleute schätzen die Lage besser als im Vormonat ein (+ 0,3 Punkte), sind aber auch leicht skeptisch über die Zukunft (- 0,3 Prozent).

Die Auftragseingänge im Mai verzeichneten ein Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vormonat und sprechen als vorlaufender Konjunkturindikator gegen einen bevorstehenden Abschwung. Weiterhin ist der Export Treiber der deutschen Konjunktur. Hier zeichnet sich die Bedeutung des europäischen Binnenmarktes ab. Innerhalb der EU wuchs der deutsche Export um 2,4 Prozent, innerhalb der Eurozone sogar aum 6,5 Prozent gegenüber dem Vormonat April. Entschärft ist die Weltlage aber trotz Friedensvertrag zwischen Jean-Claude Juncker und Donald Trump nicht.

Die Inflationsrate liegt zwar nahe der von der Europäischen Zentralbank genannten Zielmarke von 2,0 Prozent, aber diese wurde durch die Verteuerung der Energiepreise erzielt. Auf Jahressicht stiegen diese in Deutschland im Juli um 6,6 Prozent, in der Eurozone gar um 9,4 Prozent. Ohne Energiepreisentwicklung liegt die Inflationsrate bei 1,4 Prozent.

Für den August steigt das HDE-Konsumbarometer um 1,5 Punkte und gleicht das Juli-Tief wieder aus. Trotz leicht positiver gesamtwirtschaftlicher Entwicklung zeige sich die Stimmungsaufhellung bei den Verbrauchern überraschend. Wichtigster Punkt ist die wieder gestiegene Anschaffungsneigung. Im Vormonat hatten sich die Konsumenten von den negativen Meldungen anstecken lassen. Die Wiederbelebung kann auch mit der Urlaubszeit zusammenhängen, in der die Bundesbürger deutlich mehr konsumieren wollen. Gleichzeitig wird auch mehr gespart, was normalerweise eine gegenläufige Bewegung ist. Das resultiere aus der ansteigenden Einkommenserwartung. Die Bürger teilen das zusätzliche Geld auf Konsum und Sparbuch auf.

In der gesamten ersten Jahreshälfte haben sich die Konsumenten nahezu unbeeindruckt von internationalen Unsicherheiten und drohenden Handelskonflikten gezeigt. Der Einbruch im Juli folgte den Konjunkturerwartungen der Wirtschaftsinstitute. Der August läutet die Erholung von der „alarmistischen Stimmung“ ein. Der konjunkturelle Höhepunkt scheint zwar überschritten, aber ein Abschwung zeichnet sich nicht ab. Der private Konsum steigt, wenn auch nur verhalten.

Roland Krieg

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