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Klima-Classico in Madrid

Handel

Das „Jetzt“ schlägt das „Morgen“

Heute auf ein Stück Schokolade verzichten und dafür morgen zwei bekommen. Oder das letzte Stück Aufessen und den Verzicht auf Morgen verschieben? Eine Zwickmühle, die so klassisch ist, wie der „Classico“ zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona. Lag es am Ausweichort Madrid, das die Weltklimakonferenz Nummer 25 klassisch mit einem Minimalkompromiss gescheitert ist?

Es lässt sich sogar ökonomisch belegen: Fischer jagen den letzten Fisch, der noch irgendein Einkommen verspricht, weil es keine alternativen Einkommensmöglichkeiten gibt. Es fehlt nicht nur vielen Menschen und Regierungen die Vorstellung einer alternativen grünen Wirtschaft, in den letzten Jahren hat sich politischer Populismus ausgebreitet, der auf das „Jetzt“ setzt. Der Wissenschaft des Klimawandels muss die Wissenschaft des gesellschaftlichen Handels folgen. Wer ist in den Industrieländern wann und aus welchen Gründen bereit,  seinen ökologischen Fußabdruck für Menschen zu halbieren, die morgen ihre Inseln verlassen müssen? Wenn Dürren wie 2018 in Europa einmal wirklich zu einer Lebensmittelknappheit führen, ist es zu spät. Wer hat also in Madrid versagt?

Artikel 6

Im Fokus stand der Artikel 6 des Pariser Klimaschutzabkommens mit dem die Vertragspartner die Zusammenarbeit darlegen sollen, wie sie die Klimaziele erreichen. So könnten Industrieländer sich positiv anrechnen, wenn sie Entwicklungsländern bei der Einsparung von Treibhausgasen helfen. Auch der internationale Handel mit Emissionszertifikaten sollte geklärt werden. Nach zwei Verlängerungen allerdings ging der Klimagipfel am Sonntagvormittag nur mit Absichtserklärungen zu Ende. Es fehlte sogar die klare Zusage für Finanzierungen gegen den Klimawandel.

Mit den USA und Brasilien waren die Schuldigen bald benannt. Für die USA war das nach Ankündigung des Präsidenten Donald Trump die letzte Teilnahme, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro will sich nicht in seine Regenwaldpolitik dazwischenreden lassen.

Einzig die EU glänzte mit ihrem Green Deal, den sie parallel in Brüssel und Madrid vorgestellt hat.

Reaktionen

Diese Klimaschutzkonferenz war ein Angriff auf das Herz des Pariser Abkommens“, kommentierte Greenpeace noch am Sonntag. Der Gipfel sei an „der zynischen Gier der fossilen Industrie“ gescheitert. Die Umweltorganisation kündigte „wachsende Proteste der Zivilgesellschaft“ an.

„Die Schere zwischen der Dringlichkeit des Themas und den Verhandlungsabschlüssen könnte kaum größer sein“, sagte Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte zwar auf die Dringlichkeit zu Beginn hingewiesen, aber neben Brasilien und den USA haben sich auch Australien und Saudi-Arabien gegen ernsthafte Beschlüsse gestellt.

Sven Harmeling von Care hofft auf die deutlich verbesserten Klimapläne, die im nächsten Jahr in Glasgow vorgelegt werden sollen.

WWF-Klimapolitiker Michael Schäfer setzt auf den EU-China-Gipfel im September in Leipzig. Dann treffen der größte und der drittgrößte „Klimaverschmutzer der Welt zusammen“ und müssten endlich ernst mit dem Klimaschutz machen.

Roland Krieg

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