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Klima wandelt auch ohne Trump

Handel

OECD: „Keine Ausrede, nichts zu tun“

Das Ende des G7-Gipfels im sizilianischen Taormina wird in den Medien überwiegend als Desaster empfunden. Doch in Wirklichkeit hat sich US-Präsident Donald Trump mit seiner skurrilen Politik weiter isoliert. Erst in dieser Woche will er eine Entscheidung treffen, ob die USA zum Pariser Klimaabkommen stehen. Die Washington Post kritisiert, dass Trump der erste Präsident ist, der im Rahmen einer mehrtätigen Auslandsreise keine einzige Pressekonferenz abhielt. Die Zeitung vermerkt auch, dass die sechs anderen Politikchefs informell durch die engen Straßen Taorminas von einem Termin zum anderen wandelten – während Trump den Weg nachträglich und einsam im Golfwagen zurücklegte.

Wachstum und Klimawandel

Die Bundesregierung hatte vor dem G7-Treffen bereits keine Hoffnung auf eine Einigung beim Klima gehabt: „Aber dass die Diskussion im G7-Bereich stattfindet, glaube ich, ist extrem wichtig“, hieß es aus Regierungskreisen. Das haben die sechs anderen Staaten auch ausdrücklich im Abschlussdokument deklariert. Klima und Energie sollen so transformiert werden, dass die ökonomischen Möglichkeiten für Wachstum und Arbeitsplätze genutzt werden. Ausdrücklich wurde aufgeschrieben, dass die USA in diesem Punkt noch keine Politik gefunden habe, dem Konsens beizutreten.

Dabei hat die OECD kurz vorher auf dem 8. Petersberger Klimadialog die Studie zum Thema im Auftrag der G20-Länder in Berlin vorgestellt. Vergangene Woche sagte Generalsekretär Angel Gurría: „Weit entfernt ein Dämpfer für die Weltwirtschaft zu sein, kann die Vermeidung und Anpassung an den Klimawandel positive Effekte hervorrufen. Es gibt keine ökonomische Ausrede, nichts gegen den Klimawandel zu tun. Die Notwendigkeit zu handeln ist hoch.“ [1]

Die OECD-Studie besagt, dass Infrastruktur der Schlüssel für die G20-Länder, aber auch chronisch unterfinanziert ist. Anstrengungen die Temperaturerhöhung nach Plänen des Pariser Klimaabkommens auf unter zwei Grad Celsius zu halten, koste bis 2030 jährlich rund 6,9 Billionen US-Dollar. Das wären lediglich zehn Prozent mehr als der Ausbau nach Vorgaben des Wachstumspfades mit fossilen Energiequellen. Dazu dürfen jedoch noch die eingesparten Kosten für fossile Energien in Höhe von 1,7 Billionen US-Dollar im Jahr gezählt werden. Selbst in Ländern mit einem Nettoexport an fossilen Energien sei eine Dividende aus der Umwandlung in eine kohlendioxidarme Wirtschaft zu erzielen.

Der Leidensdruck fehlt

In den USA fehlt offenbar auch nach Wiederaufbau von New Orleans nach dem Hurrikan Katrina noch der ökonomische Leidensdruck. Obwohl die Zunahme an Trockenheit und Wirbelstürmen mit ihren immensen Kosten alles andere als kleine Rechnungen stellen.

Zum G7-Treffen werden regelmäßig Gäste anderer Regierungen eingeladen. In Taormina waren es Vertreter aus Niger, Nigeria, Tunesien, aber auch aus Äthiopien und Kenia. Die beiden letzten Länder können angesichts der Hungersnot am Horn von Afrika über die Lasten des Klimawandels berichten.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt war in der vergangenen Woche auf Besuch in den USA und traf mit dem neuen Landwirtschaftsminister Sonny Perdue zusammen. Klimafolgen und Sicherung der Welternährung standen ganz oben auf der Gesprächsagenda. Schmidt sagte am Sonntag: „Es erfüllt mich mit großer Sorge, wenn die Weltklimapolitik durch innenpolitische Fehlinterpretationen in den USA gefährdet wird. Verlierer einer Entscheidung Trumps, aus dem Pariser Abkommen auszusteigen, ist unsere Ernährungsproduktion, also die Landwirtschaft. Wie kaum eine andere Branche ist die Landwirtschaft überall auf der Welt von den Auswirkungen des Klimawandels direkt betroffen. Keiner meiner US-amerikanischen Gesprächspartner hat mir dieser Tage widersprochen in der Annahme, dass es keinen einzigen Bauern geben werde, der nicht unter den Folgen des Klimawandels leidet. Wir müssen gemeinsam mit allen Partnern die kluge Politik, die wir begonnen haben, fortsetzen.“

Keine Abschwächung des Weltklimavertrages

Sinkende Grundwasserspiegel und Bodenerosion haben auch China unter den Klimavertrag gezwungen. Das die G6-Länder Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada und das Vereinte Königreich so deutlich Position gegen Trump bezogen haben, bewertet Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, positiv: „Donald Trump ist auf sechs Regierungschefs gestoßen, die allesamt ihre Entschlossenheit zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens bekräftigt haben. Es gibt auch keine Abschwächung oder Neuinterpretation der Verpflichtungen im Abkommen.“ Mit oder ohne Trump wird Paris umgesetzt. Mit Blick auf den G20-Gipfel in Hamburg, könnten sich die USA weiter isolieren, denn da sitzt auch China mit am Tisch. Germanwatch setzt darauf, dass die Wirtschaftlichkeits-Debatte nun auch in den USA zunehmend auf Fakten statt auf Mythen basierend geführt werde.

Lesestoff:

[1] OECD-Bericht: http://www.oecd.org/environment/investing-in-climate-investing-in-growth-9789264273528-en.htm

Roland Krieg

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