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Klimgerechtigkeit beim Tourismus

Handel

Reisewirtschaft soll mehr Verantwortung zeigen

Tourismus ist einerseits Opfer des globalen Klimawandels, andererseits tragen die touristischen Emissionen erheblich zur globalen Erwärmung bei. Deshalb fordert das Europäische Tourismus Netzwerk (TEN) anlässlich der Klimaverhandlungen im Juni 2010 in Bonn Klimagerechtigkeit im internationalen Tourismus.

Entwicklungsmotor für arme Länder?
Obwohl Tourismus bisher kein direkter Gegenstand der UN-Klimaverhandlungen ist, so ist er dennoch einbezogen. Ein Großteil der touristischen Emissionen, nämlich die aus dem Flug- und Schiffsverkehr, werden unter der Klimarahmenkonvention seit Jahren verhandelt, unterliegen jedoch noch immer keinen verbindlichen Regulierungen.
Gerade der internationale Tourismus wird bei den Verhandlungen immer wieder als Argument gegen die verbindliche Regulierung von Flug- und Schiffsverkehrsemissionen angeführt. Man befürchtet, dass er durch Klimaschutzauflagen seiner Wachstumspotenziale beraubt werden könnte. Dabei wird oft sehr unkritisch und verallgemeinernd mit den positiven Wirkungen von Tourismus als Devisenbringer und Entwicklungsmotor für arme Länder argumentiert.
TEN und seine Partner fordern dagegen eine kritische Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Tourismus und den Auswirkungen seines anhaltenden, uneingeschränkten Wachstums.

Paradigmenwandel notwendig
„Tourismus wird in einer unkritischen und unethischen Art und Weise vermarktet. Es mögen einige wenige ökonomisch profitieren, aber das wird oft überschattet von den negativen Auswirkungen auf die lokalen Gemeinden und die Umwelt," klagt Sumesh Mangalassery von Kabani, einer indischen Organisation, die sich im Bereich Tourismus, Menschenrechte und Entwicklung engagiert. „Klimawandel und die dafür benannten Lösungsansätze verschlimmern nur noch diese Auswirkungen und verletzen grundlegend die Menschenrechte der lokalen Gemeinden. Deshalb ist ein Paradigmenwandel in der gegenwärtigen Tourismusentwicklung und in den Klimaverhandlungen notwenig."
Rachel Noble von der britischen Organisation Tourism Concern unterstreicht, dass der internationale Tourismus schon jetzt für eine Reihe negativer Auswirkungen in armen Ländern verantwortlich ist. „Der Klimawandel könnte die bereits existierenden Probleme, die durch den Tourismus verursacht werden, noch verschärfen, vor allem in Bezug auf Wasserknappheit."
„Natürlich müssen die Flug- und Schiffsemissionen verbindlich reguliert werden, bestenfalls alle touristischen Emissionen", sagt Heinz Fuchs, Leiter der Arbeitsstelle Tourism Watch im Evangelischen Entwicklungsdienst. Doch die Debatte um Klimagerechtigkeit und Tourismus gehe über reine Reduktionsmaßnahmen hinaus. „Wir erwarten ein Umdenken bei Tourismusmachern und Unternehmen, damit die internationale Reisewirtschaft über gesetzliche Verpflichtungen hinaus freiwillig mehr gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Klimaschutzmaßnahmen müssen integraler Bestandteil freiwilliger Initiativen der Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeitsstrategien werden", so Fuchs.
Noch bis zum 06. Juni treffen sich die Teilnehmer des Europäischen Tourismus Netzwerkes in Bonn.

eed

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