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Kolumbiens Weg in den Frieden

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Venezolaner fliehen nach Kolumbien

Der Friedensschluss zwischen der kolumbischen Regierung und der Revolutionary Armed Forces of Colombia (FARC) ebnet den Weg, das Land zur Ruhe zu bringen und den Weg in eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Es gilt, nicht nur menschliche Brücken zu bauen und Konflikte zu überwinden.

Zur Finanzierung des Konfliktes sind rund 124.000 ha Regenwald im Jahr 2015 auf Grund illegaler Wirtschaftsweise gerodet worden. Illegaler Bergbau, illegaler Holzeinschlag und Brandrodung zählt der Anfang des Jahres erschienene Bericht des Wissenschaftlers Lorenzo Morales [1] zu den Ursachen. 85 Prozent der Abholzungen lagen in Konfliktzonen.

Menschen sind vor den Konflikten geflohen und haben Land neu in Besitz genommen. Die FARC ging zu Beginn gegen die Ungleichheit auf dem Land vor. Die Friedenszeit beginnt also mit der Überwindung von Armut und ungleicher Landverteilung im ländlichen Raum. 44 Prozent der ländlichen Kolumbianer leben in Armut. 13 Prozent der Landbesitzer vereinen 77 Prozent des Landes. Landkonzentration ist eine Folge von fehlenden ökonomischen Alternativen. Lediglich ein Drittel der Vertriebenen kann einen Katastereintrag vorweisen.

Das ist eine der Aufgaben der neuen Territory Renewal Agency. FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva hat jetzt bei einem Besuch in Kolumbien 8,8 Millionen US-Dollar für neue Projekte zugeordnet und ist eine zweijährige Allianz mit der EU zur Sicherung des Friedensprozesses eingegangen.

„Der einzige Weg zum Frieden sind Dialog, Verhandlungen, Kooperation, Inklusion und Gleichheit, die allesamt auch der Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung sind“, erklärte da Silva am Freitag. Der erste Artikel der Friedensvereinbarung ist die Reform des ländlichen Raumes. Neben der FAO und der EU sind noch die Umweltagentur der Vereinten Nationen (UNEP) und Via Campesina daran beteiligt. Nach einem Treffen mit dem kolumbischen Präsidenten Juan Manuel Santos erklärte da Silva den Friedensprozess als beispielhaft für die Welt.

Unter anderem sollen in sechs Landkreisen rund 2.700 Familien der soziale und produktive Aufbau eines neuen Lebens sicher gestellt werden. Mit Stärkung der regionalen Wirtschaft sollen sich die Einkommen der Menschen verbessern. FAO und EU wollen in den beiden nächsten Jahren technische Assistenz für die kolumbische Regierung leisten. So sollen das Landwirtschaftsministerium und das Ministerium für soziales Wohlergehen gestärkt werden. EU-Entwicklungskommissar Neven Mimica betont die 20-jährige strategische Hilfe für Kolumbiens Friedensweg und will sich für die Umsetzung des Abkommens einsetzen. FAO und EU wollen ihre Arbeit im Rahmen des Programmes zur Ernährungssicherung leisten.

Kolumbien steht aber unter Druck des politischen Geschehens im Nachbarstaat Venezuela. In der ersten Hälfte des Jahres sind 8,3 Millionen Venezolaner über die mehr als 2.000 Kilometer lange gemeinsame Grenze aus ihrem Land geflüchtet. Lediglich 7,9 Millionen haben nach Angaben der Einwanderungsbehörde das Land wieder verlassen. So halten sich derzeit mindestens 400.000 Geflüchtete in Kolumbien auf. Die gewalttätigen Ausschreitungen zum Generalstreik Ende der vergangenen Woche werden die Zahl weiter nach oben wachsen lassen.

Lesestoff:

[1] Peace and Environmental Protection in Colombia; Lorenzo Morales; January 2017; Download: www.thedialogue.org

Roland Krieg

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