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Kraftlose Kraftzentren

Handel

Deutschland verpasst den schnellen Internetanschluss

Starke Worte von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Freitag auf dem Digitalgipfel, den das Ministerium zusammen mit dem Deutschen Landkreistag und dem Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) formulierte: „Ländliche Räume sind die Kraftzentren unseres Landes. Damit sie ihre Kraft voll entfalten können, muss die Infrastruktur stimmen. Es geht um die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, an die ärztliche Versorgung und das schnelle Internet: Die ländlichen Räume dürfen nicht abgehängt werden. Deswegen unterstützen wir unterschiedliche Projekte aus dem gesamten Bundesgebiet von Gesundheit und Pflege, über Qualifizierung und Bildung, Wirtschaft und Arbeit bis hin zur Mobilität. Ich werde dafür neue Projekte starten, zum Beispiel Experimentierfelder, also digitale Testfelder auf landwirtschaftlichen Betrieben. Es geht zum Beispiel um Traktoren, die über Satelliten gesteuert werden. So können sie zentimetergenau arbeiten und dabei Treibstoff, Dünger und Pflanzenschutzmittel sparen. Es geht um Melkroboter, die über einen Chip Daten über das Verhalten der Kühe und die Milchqualität versenden.“

Die Digitalisierung bedeutet für die Ministerin Vernetzung, Innovation, Wissen, Vereinfachung und Entbürokratisierung, neue Arbeitsformen und Kommunikation. Die in Berlin für innovative und Bio-Projekte bekannte „Markthalle Neun“ soll in den nächsten 15 Monaten zu einer Direktvermarktungsplattform „Plattform Neun“ entwickelt werden. Das ist aber leicht, denn die Markthalle befindet sich im Kerngebiet von Kreuzberg.

Land

Wenn sich die Politik wirklich dem Land zuwendet, hat sie nämlich schnell den Anschluss verloren. Beim Online-Einkauf sind im europäischen Vergleich die Deutschen besonders aktiv, unterstrich am gleichen Tag der Handelsverband Deutschland (HDE). Kritisierte aber mit Blick auf die Mai-Studie des Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) deutlich: „Deutschland verharrt bei dem Vergleich im Mittelfeld auf Platz 14 der 28 EU-Staaten.“ Der Anteil an Glasfaseranschlüssen ist sehr niedrig. Die Länderstudie bescheinigt Deutschland Fortschritte im vergangenen Jahr. Doch: „Die digitale Kluft zwischen Stadt und Land bezüglich der Versorgung mit schnellen Internetanschlüssen ist jedoch nach wie vor offensichtlich.“ Der Fachkräftemangel könnte das Entwicklungspotenzial der deutschen Wirtschaft sogar ausbremsen. Den größten digitalen Nachholbedarf sieht die Studie in der Online-Interaktion zwischen Behörden und Bürgern. Nur 19 Prozent der Bürger nutzen elektronische Behördendienste und katapultieren Deutschland sogar auf den Rang 23 zurück.

Mit Dorothee Bär hat die Kanzlerin seit diesem März sogar eine Staatsministerin für Digitalisierung - doch wird das reichen? Deutschland hatte bereits 2014 eine Digitale Agenda bis 2017 verfasst und im März 2016 im Wirtschaftsministerium eine Digitale Strategie 2025 fortgeschrieben. Agenda und Strategie haben Fortschritte erzielt, bescheinigt die DESI-Studie. „Da jedoch andere Länder schnellere Fortschritte gemacht haben, ist Deutschland von Rang 11 auf Rang 14 zurückgefallen.

Julia Klöckner baut auf die hinterlegten Pläne der Koalition. Schon im letzten Jahr hatte das Bundeskabinett den Weg für eine 5G-Strategie frei gegeben [1]. Die so genannte Netzallianz will bis 2023 rund 100 Milliarden Euro in das schnelle Internet investieren. Im Koalitionsvertrag wurde ein Gigabit-Investitionsfonds mit 10 bis 12 Milliarden Euro vereinbart. Genauso wie das Recht auf schnelles Internet ab dem 01. Januar 2025.

Verfolgen wir im DESI-Bericht 2019 die Fortschritte.

Lesestoff:

[1] 5G für Deutschland: https://herd-und-hof.de/handel-/deutschland-im-5g-rausch.html

Roland Krieg

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