LEH auf den Punkt…

Handel

LEH-Trends bis Mitte August

Produkte und Märkte

Kirschen im Endspurt

Sonnenschein und kühle Nächte sorgen bei den Kirschen im Alten Land für ein besonderes vollreifes Aroma. Insgesamt ist die Kirschernte durchschnittlich. Mit der Ernte der spätreifenden Sorte Regina sind die beiden letzten Erntewochen eingeläutet.

Kernobst

Die Weltorganisation für Äpfel und Birnen hat Anfang August die Höhe der europäischen Apfelernte um zehn Prozent auf knapp 12 Millionen Tonnen nach oben korrigiert. Da ist auch ein Prozent mehr als der Dreijahresschnitt. Bei Birnen erwartet die die WAPA mit 1,6 Millionen Tonnen die schwächste Ernte der vergangenen Jahre. Für die Hauptsorte Conference wird sogar ein Rückgang um 18 Prozent auf 805.000 Tonnen vorhergesagt.

Streuobst

Mit Abschluss der Fruchtbehangschätzung rechnet die Fruchtsaftindustrie in diesem Jahr nur mit einer schwachen Streuobsternte von 300.000 Tonnen. Niedrige Temperaturen und Nässe in der Blütezeit haben den artenreichen 250.000 Hektar Streuobstwiesen zugesetzt. Neben dem Klimastress mache sich aber auch eine Überalterung der Obstbäume negativ bemerkbar.

Pfirsiche und Nektarinen

Beide saftigen Arten sind zuletzt aus den Top 10 der am meisten gekauften Obstarten gefallen .Zusammen erreichen sie noch Platz 8. Deutschland ist das Land, das am meisten Pfirsiche und Nektarinen ohne nennenswerte Eigenproduktion importiert. Der Umsatz von 350 Millionen Euro liegt deutlich über den mit Avocados, Birnen und Zitronen. Die auch als Plattpfirsiche bezeichneten Paraguayos haben das Defizit bei den runden Pfirsichen ausgeglichen und könnten nach Angaben der Marktbeobachter der AMI diese bis Jahresende überholen. Allerdings hat die Überversorgung des Marktes in Spanien bereits zu Rodungen der Plantagen geführt.

Beginn der Haselnussernte

Zwischen 60 und 70 Prozent aller Haselnüsse weltweit werden in der Türkei geerntet. Ankara erwartet mit 700.000 Tonnen rund 80.000 Tonnen mehr als im vergangenen Jahr. Nahezu zwei Drittel der geernteten Haselnüsse werden exportiert. Während die Exporteure sich auf die Zeit freuen, klagen die Produzenten über gestiegene Kosten und widrige Wetterbedingungen. Druck auf die türkischen Haselnüsse kommt auch von steigenden Exportmengen aus Chile und den USA.

Trüffel

Mehr als 160 Trüffelarten verteilen sich auf 50 Gattungen. Die Echten Trüffel (Tuberales) sind auch nicht unbedingt selten. Trüffel wachsen an den Wurzeln von Baumhasel, Birke und Hainbuche. In Thüringen wurden Trüffel gefunden – die öffentlichen Medien aber warnen: Trüffel sind geschützt. Nur wer Trüffel in seinem Garten findet, oder sogar anbaut, darf die Trüffel ernten.

Pilze

Pilze können in diesem Jahr in deutschen Wäldern von den vielen Niederschlägen profitieren und bereiten den Pilzsammlern einen glücklichen Herbst. Solange das wechselhafte Wetter anhält, werden sie „wie die Pilze“ aus dem Boden sprießen. Es wird aber regionale Unterschiede geben. Übrigens gehört zu einem guten Pilzjahr auch die Vielfalt der wachsenden Pilze. Im Zweifelsfall, ob der gefundene Pilz auch tatsächlich essbar ist, sollten Sammler auf Experten hören. Auch Giftpilze haben vom Wetter profitiert.

Bioaufsteiger: Zwiebeln und Walnüsse

Die Marktberichterstatter weisen Zwiebel als Aufsteiger im Bio-Gemüsesortiment aus. Mit einem Plus von 26 Prozent lag der Zuwachs 2020 über allen anderen Gemüsen. In den Haushalten haben sie den Anteil von knapp acht Prozent erreicht, wegen des hohen Preises ein doppelt so großen Wertzuwachs – das macht die Bio-Zwiebeln interessant für den LEH. Im Discount verdrängt die rote Bio-Zwiebel sogar die gelbe Variante. Landwirte folgen der Nachfrage, doch kaum ein Händler hat Bio-Zwiebeln bis zur neuen Ernte im Lager. Benötigte Importe kommen meist aus den Niederlanden.

Ähnlich verhält es sich bei Walnüssen. Kunden fragen nach regionaler und Bioware nach, die meisten kommen aber aus den USA. Der Anbau in Deutschland ist so gering, dass er seit 2002 nicht mehr statistisch erfasst ist. Damals wurden 200 Tonnen Walnüsse auf 74 Hektar erzeugt. Von den rund fünf Kilogramm Nüssen, die ein Durchschnittsbürger verspeist, entfallen etwa zehn Prozent auf Walnüsse.

Bio-Preise

Die Schweizer sind bei Bio-Preisen zögerlich. Wie der „Schweizer Bauer“ berichtet sind zwar vier von fünf Schweizern gewillt, nachhaltige Lebensmittel einzukaufen, halten aber das Portemonnaie geschlossen. Würden 12 statt 10 Franken fällig, kaufen noch etwas mehr als Hälfte das Produkt. Bei einem Aufpreis von drei Franken aber, hält sich nur noch jeder Fünfte an seine Vorgaben. Über alle Produktkategorien sind Bioprodukte in der Schweiz 48 Prozent teurer, bei Gemüse sogar 77 Prozent.

Landwirtschaft

Der Lebensmittelhandel hat ein vierstufiges Herkunftssystem für Fleisch eingeführt. Ab 2022 soll mit dem Label auch die Herkunft von Milch deklariert werden. Stufe 1 entspricht dem gesetzlichen Mindeststandard, in der Stufe 2 steht den Kühen beispielsweise die Scheuerbürste zur Verfügung, Zugang zum Auslauf haben die Kühe in der Stallanlage der Stufe 3 und für die Stufe 4 ist Weidegang Pflicht. In diese Stufe fällt auch die Biohaltung. Der Vorschlag bleibt hinter dem Borchert-Papier zurück.

Safran bald aus Thüringen? Ein Team der Werte und Wege GmbH untersucht, ob der Boden im thüringischen Altenburg nicht perfekt für den Anbau der lilafarben blühenden Safranpflanze ist. Schon im Mittelalter das Gewürz aus Altenburg an Kurfürsten verkauft. Aus 180 Blüten wird lediglich ein Gramm Safran gewonnen. Zunächst werden Hobby- und Kleingärner für den Anbau gesucht.

Gentechnikfreies Soja und pflanzliches Protein schlagen sich im Anbau von Sojapflanzen in Deutschland nieder. Im Zeitraum zwischen 2016 und 2020 hat sich die Anbaufläche auf 33.800 Hektar mehr als verdoppelt. Für das Anbaujahr 2021 sind noch einmal 500 Hektar hinzugekommen.

Südwestlich von Konstanz liegt in der Schweiz der Holzhof in Amlikon-Bissegg. Dank einer Photovoltaikanlage kann der landwirtschaftliche Betrieb auch für seine Käserei die Energie selbst gewinnen und damit nach eigenen Angaben den ersten klimaneutralen Käse der Schweiz herstellen. Über die Methanreduktion in der Biogasanlage generiert der Hof Emissionszertifikate, die über „Ökostrom Strom“ gehandelt werden. Der energetische Lückenschluss hat die Kreislaufwirtschaft auf dem Hof vollendet. Im August kommt der Käse „Naturbursche“ mit dem Zertifikat über die Klimaneutralität durch Swiss Climate bei einem Hoffest auf den Markt.

Die Milchfarm „Pride of Cows“ in Manchar nahe dem indischen Pune ist das Flaggschiff der indischen Molkerei „Parag Milk Foods Ltd. Die Produktionskapazität von rund 2.500 Holstein Friesian Kühen mit durchschnittlich 54 Liter Milch am Tag (der indische Durchschnitt liegt bei 12,5 kg Milch am Tag) reicht für 25.000 Liter Milch nach internationalem Standard. Sie wird an rund 45.000 Haushalte in den Städten Mumbai, Pune, Delhi und Surat geliefert. Die Käserei erzeugt Ghee, Sahne, Vollmilch und fettreduzierte Milch. Das Besondere an der Farm ist das Tierwohlkonzept, bei dem die Kühe im Krankheitsfall mit Ayurvedischen Therapien behandelt werden.

LEH und Unternehmen

Edeka bietet seit kurzem als Alternative zum Kassenzettel auch einen E-Bon in Form einer QR-Lösung für eine App an. Der Drogeriehändler dm will in Kürze folgen.

Sagt mir wo die Fahrer sind? Die BBC berichtet von einem großen Schwund an Arbeitern seit dem Brexit. Der Mangel an rund 100.000 Lkw-Fahrern macht der Transportbranche schwer zu schaffen, weil die Logistik nicht mehr reibungsfrei funktioniert. Der Discounter Aldi zahlt Lkw-Fahrern höhere Stundenlöhne und der britische Supermarkt Tesco zahlt 1.000 britische Pfund Prämie für den Abschluss eines neuen Fahrervertrages. Die Molkerei Arla konnte Ende Juli rund 600 Geschäfte nicht mit Milchprodukten beliefern.

Der Food Hub in München ist der erste Mitmach-Supermarkt in Deutschland. Seit Anfang Juli können Mitglieder Produkte von teilnehmenden Höfen und Lebensmittelhandwerkern einkaufen. Die Miteigentümer können von Dienstag bis Samstag Lebensmittel bio, saisonal, regional und zu günstigen Preisen einkaufen.

Die zerstrittenen Brüder Clemens und Robert Tönnies haben ihren Frieden zueinander gefunden. Deutschlands größter Fleischkonzern bleibt damit ein Familienunternehmen. Die Verbrüderung beendet auch die Spekulationen der jüngsten Vergangenheit, dass Tönnies für sieben bis acht Milliarden Euro verkauft wird.

Der internationale Lebensmittelkonzern Princes Foods B.V. hat vor mehr als 50 Jahren für Fischkonserven in Österreich für Thunfischprodukte, Thunfischsalate und Makrelen die Marke „Vier Diamanten“ eingeführt, mit der Kunden nachhaltige und transparente Fischherkünfte der weltweiten Partner nachvollziehen können. Die Rückverfolgbarkeit der Marke wurde jetzt online über einen EAN-Code der gekauften Dose für die Webseite aufbereitet. So stammen Thunfischprodukte ausschließlich von Skipjack-Thunfisch aus Beständen, die weltweit als „grün“ bewertet sind. Die Fische werden zudem mit Angelleinen und nicht über FAD-Systeme, die als Fischsammler viel Beifang mitnehmen, gefangen.

Kaufland feiert einjähriges Jubiläum seiner Mitgliedsschaft im Demeter-Anbauverband. Der Vollsortimenter aus der Schwarz-Gruppe führt mittlerweile 250 Demeter-Artikel. Unter anderem frisches Obst und Gemüse.

Sapte Spice ist mit 200.000 Tonnen Getreidevermahlung pro Jahr einer der größten Mühlen in Rumänien und 2020 erst die Anlage in Ramnicu Vacea von 250 auf 350 Tonnen Mahlkapazität am Tag erhöht. In diesem Jahr investiert die Firma rund 2,5 Millionen Euro in automatisierte Verpackungs- und Lagerlogistikabläufe. Das Mehl geht sowohl an Großabnehmer als auch an private Haushalte. Das erste Produkt ist Mehl für einen Pizzateig, der über Selgros, Cora und Carrefour in den Handel kommt.

Ende 2021 schließen die zehn Metro-Großmärkte, die alle im Großraum Tokio dem Gastgewerbe 20 Jahre lang zur Verfügung standen. Der Rückzug aus Japan folge nach Unternehmensauskunft mangels profitabler Zukunftsaussichten, im Gastgewerbe eine größere Rolle einzunehmen.

Welthandel

Chinas Obstimporte haben 2020 erstmals den Wert von mehr als 10 Milliarden US-Dollar überstiegen. Ein Plus von acht Prozent. Mit einem Plus von 16 Prozent hat China im gleichen Jahr Obst für 6,39 Milliarden US-Dollar exportiert

Die Southern Hemisphere Fresh Fruit Exporter Associaton (SHAFFE) hat Anfang August ihr erstes Meeting mit der China Chamber of Commerce for Food and Native Products( CFNA) abgehalten. Erst im März hatten beide Seiten eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Im SHAFFE sind Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, Neuseeland, Peru und Südafrika Uruguay vertreten. Die Länder handeln rund ein Viertel des weltweiten Obstes und erreichten 2020 mit 11 Millionen Tonnen einen Umsatz von 14 Milliarden US-Dollar. Die Exporteure bei SHAFFE sind bereits die wichtigsten Lieferanten Chinas und beide Seiten wollen ihre Zusammenarbeit weiter intensivieren.

Nach den schwersten Regenfällen im Juli der vergangenen 60 Jahre sind die Transportverbindungen, inklusive Lufttransport aus und zur Zentral-Provinz Henan in China schwer getroffen. Zeitweise waren die Hochgeschwindigkeitszüge in alle Himmelsrichtungen unterbrochen. Die Eisenbahnbehörde stellt gerade die Bahntrassen für den Containerverkehr wieder her.

Kaffee aus Nicaragua hat eine lange solidarische Tradition. Der in den 1980er Jahren vertriebene Kaffee „Sandinos Dröhnung“ unterstürzte die Revolution in dem mittelamerikanischen Land. Im Juli 2021 kam der erste Kaffee von 15 Kleinbauern der Kooperative Miraflor im Allgäu an. In der Region Iller-Lech haben mehrere Weltläden die erste solidarische Landwirtschaft gegründet, den Bauern schon vor der Ernte ihr Einkommen sichert. Grundlage ist ein „Living Wage“, den die Bauern für ihren Erzeugerpreis berechnet haben.

Die US-Reederei Matson hat Ende Juli vom kalifornischen Oakland aus den Verkehr mit den chinesischen Häfen Ningbo und Shanghai aufgenommen. Von China aus werden die Container an drei von fünf Wochenenden Kurs auf Kalifornien nehmen. Der Linienverkehr folgt dem Importbedarf an chinesischen Produkten. Der Hafen in Oakland wird bis Ende 2021 die Rekordmenge von 2,1 Millionen (TFEU) Container umschlagen.

Mit der Resolution No. 009-2021 senkt Ecuador die Zölle für 667 Importprodukte. Darunter sind 43 Agrarprodukte. Von denen wird bei 17 Produkten der Zollsatz auf null, bei den anderen auf zwei bis 15 Prozent gesenkt. Gültig wird der neue Zollsatz am 01. Oktober 2021 und gilt unbefristet. Agrarprodukte, bei denen der Zollsatz auf null fällt sind: ganzer Ginger Ingwer, Durum-Weizen (Ohne Saatgut), Malz (geröstet und ungeröstet), Weizen- und Kartoffelstärke, Weizen-Gluten, Sonnenblumenkerne, alkoholische Extrakte für die Whiskey-Produktion, Sojaölkuchen und Mischfutter.

Mit der Marktöffnung für Erdbeeren nach Kanada hat Spanien erst den Anfang für neue Märkte gemacht. Nach Kanada sollen noch Blaubeeren und Tomaten mit grünen Teilen folgen. In Verhandlung steht das Land mit den USA für Kirschen, Nektarinen, Pflaumen, Birnen, Äpfeln und Erdbeeren. Der Obst- und Gemüseverband FEPEX berichtet ferner von Verhandlungen in Südamerika mit Argentinien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru. Demnächst sollen auch Kirschen per Luftfracht nach Thailand verkauft werden können.

roRo / VLE

© Herd-und-Hof.de Nutzungswünsche: https://herd-und-hof.de/impressum.html

Zurück