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LEH auf den Punkt

Handel

Blick auf den LEH in Europa

Die vergangenen Wochen haben den deutschen Konsumenten den Unterschied zwischen Shopping und Bedarfsdeckung aufgezeigt. In den deutschen Fluren stapeln sich die Klopapierrollen. Der Bedarf ist auf lange Zeit gedeckt. Der Hamster-Index des Nielsen Scantrack zeigt einen Rückgang der Toilettenpapierhortung  von der 11. auf die 13. Kalenderwoche von 118,3 über 98,8 auf 45,4 Prozent.

Discounter kommen noch

Konsumenten, die es sich öfters in Restaurants gut gehen ließen, haben es sich zu Hause gemütlich gemacht. Mit Bioprodukten, gutem Wein und Rindfleisch zu Ostern. Dem Rindfleischmarkt wird das aber kaum helfen, da die Absatzmengen für die Gastronomie nicht über die Hausküche ausgeglichen werden kann. Das wird die Rindfleischbranche noch lange beschäftigen. Das Zwischenhoch für das Rind, Dry-Aged Beef, hat das Virus zunichte gemacht. Die Kunden bevorzugen preiswertes Hackfleisch.

Die Naturkostläden freuen sich über Umsätze, die um bis zu 60 Prozent gestiegen sind. Das Erwachen steht dem Handel aber erst noch bevor. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit werden die Geldbörsen schmaler machen. Die Stunde der Discounter kommt erst noch. Das prognostiziert der GfK-Markforscher Robert Kecskes in der aktuellen Lebensmittelzeitung. Die Deutschen sind bekannt, dass am Essen gespart wird. Unsichere Zeiten fördern die Haltung.

In Zeiten des Abstandhaltens hätte der Online-Handel mit Lebensmitteln ein großer Gewinner sein können. Die Zurückhaltung der Kunden in der Vergangenheit wurde schlagartig aufgegeben und die Branche war schnell überfordert. Selbst Amazon hat seinen Fresh-Lieferservice für Neukunden derzeit geschlossen und ist nicht mehr in Lage ein Lieferfenster verbindlich abzugeben.

In diese Lücke stoßen die Erzeuger selbst. Mit Bringdiensten versuchen Müsli-Mischer und Brauereien das weggebrochene Geschäft in der Hotellerie und Gastronomie zu ersetzen. Wer hier neue Strukturen aufbaut, wird sie nach der Pandemie behalten. Brauereien haben Drive-in-Schalter eröffnet. Was ihr Jahr aber nicht mehr retten wird. Die Branche kämpft seit Jahren gegen den Absatzschwund. 2019 haben die 15 größten Brauereien 57,8 Millionen Hektoliter Bier verkauft. Ein Minus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und in diesem Jahr fehlen auf absehbare Zeit die Endspiele der Fußballligen und Europapokalwettbewerbe, die Europameisterschaft wurde sogar ganz verschoben.

Großbritannien

Allein in Großbritannien haben die Kunden in den letzten vier Wochen mit 10,8 Millionen britischen Pfund mehr Geld für Lebensmittel ausgegeben, als zu Weihnachten, der üblichen Rekordumsatzzeit. Kantar Worldpanel hat zu Ostern die aktuellen Zahlen veröffentlicht. Der März 2020 hat mit einem Umsatzplus von 20,6 Prozent den größten nationalen Bon aller Zeiten bei Lebensmitteln gedruckt. Die Hochzeit des Einkaufs lag zwischen dem 16. und 19. März. 88 Prozent aller Haushalte haben in den wenigen Tagen eingekauft und sind im Durchschnitt fünf Mal unterwegs gewesen. Innerhalb von vier Tagen hat Kantar 42 Millionen zusätzliche Einkaufsbewegungen registriert.

Haushalte mit Kindern über 16 Jahren haben im März 508 britische Pfund ausgegeben. Das sind 88,16 Pfund mehr als im Durchschnitt. Mit dem Schließen der Gastronomie haben die Briten 503 Millionen Mahlzeiten extra zu Hause zubereitet. Davon hat die Convenience-Industrie profitiert.

Republik Irland

Die Iren haben ähnlich agiert. Dort hat der März mit 250 Millionen Euro ebenfalls das Weihnachtsgeschäft 2019 übertroffen. In den ersten drei Märzwochen haben die Iren rund 122 Euro mehr als sonst in den Lebensmittelgeschäften gelassen. Tiefkühlkost und Fertigprodukte, die bei Raumtemperaturen lange haltbar sind, standen auf der Einkaufsliste ganz oben. Für Lidl und Aldi waren die ersten drei Monate schon ein Gewinn. Lidl hat seinen Marktanteil auf 14,7 und Aldi auf 11,9 Prozent ausgebaut. Die drei Großen Dunnes, SuperValu und Tesco erreichten jeweils zwischen 21 und 23 Prozent.

Spanien

Direkt nach Ausrufung des Notstandes in Spanien Anfang März stieg der Einkauf von Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs (FMCG) um 21 Prozent. Die Spanier haben rund 25 Prozent mehr Ware als in der Woche davor eingekauft. Vor allem die jüngeren bis 35 haben sich bevorratet. Die Spanier haben den Einkaufsort gewechselt. Die meisten Einkäufe wurden bei den kleinen Geschäften und Supermärkten in direkter Nachbarschaft gemacht. Zu Beginn der Ausgangssperre haben nahezu zwei Drittel der Spanier die Wohnung geputzt und Fernsehen geschaut. 37 Prozent trieben mehr Sport und ein Drittel hat sich bewusster ernährt.

Und: China

Kantar Worldpanel hat zu Ostern noch einen Blick nach China geworfen. Frischeprodukte gehörten in China zu den Gewinnern im LEH. Einmal haben sich die Chinesen mit Kochen die strenge Quarantänezeit vertrieben. Das hat auch zu einem neuen Absatz von Kochgeräten wie Reiskochern und Grills geführt. Entsprechende Seiten für Kochrezepte sind besonders häufig angeklickt worden.

Das Virus hat das Thema Gesundheit bei den Chinesen hoch schnellen lassen. In diesem Sog konnten Frischeprodukte mit ihren Vitaminen und Mineralien punkten. Das Fernsehen bewarb Obst, Gemüse und Kräuter zudem als Stärkung für das Immunsystem.

Die Chinesen lieben Interneteinkäufe. Frischeprodukte erfahren schon seit 2018 eine sehr starke Nachfrage. Mittlerweile können Chinesen ihren Einkauf im Durchschnitt aus fünf Lieferkanälen bestellen. Lieferanten wie „Miss Fresh“ haben sofort auf „kontaktlose Lieferung“ umgestellt.  In den Städten hat die Käuferreichweite für digital bestellte Frischeprodukte 22 Prozent erreicht.

Roland Krieg

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