LEH auf den Punkt ...
Handel
LEH-Trends im Dezember
Produkte und Märkte
Gemüse
In Italien macht sich knappes Gemüse auf den Großmärkten mit deutlichen Preissteigerungen auf sich aufmerksam. Ein Kopf Salat stieg im Preis von 0,50 auf 2,00 Euro. Blumenkohl kostet 1,50/ 6 Stück, Brokkoli bei 1,70/6 Stück. Die ansteigenden Preise sind auf den Großmärkten Verona und Turin zu verzeichnen und beziehen sich nicht nur auf italienische, sondern auch auf spanische und Ware aus Marokko.
Beeren-Hype
Die niederländische Rabobank hat fünf Themen ausgemacht, die Beeren in den vergangenen Jahren einen enormen Nachfrageschub beschert haben und den Trend in der Zukunft festigen: Insbesondere für Blaubeeren reißt die Nachfrage nicht ab. In Nordamerika und Europa sorgt die Ausdehnung des Blaubeeranbaus für sinkende Preise. Künftig werden auch frische und sensible Beeren zunehmend in nachhaltiger Verpackung angeboten. Logistik und Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind Herausforderungen, die Digitalisierung und Automatisierung vorantreiben. Die Industrie setzt bei Beeren ausschließlich auf Qualität und Homogenität – etwas anderes nimmt der Konsument nicht mehr ab.
Kartoffeln
Mit Aktionen von 2,5 Kilo-Gebinden wirbt der LEH um Kartoffel-Kunden. Die Flächenlager sollen geräumt sein, bevor die Knollen keimen. Die aktuellen Corona-Maßnahmen haben auch den Absatz von Schälware gedämpft. Gegen Weihnachten hin erwartet die Branche noch Werbeaktionen aus der Direktvermarktung. Aus Sachsen-Anhalt fließen Exporte nach Polen und Tschechien ab.
Bananen
Nachdem Aldi höhere Preise akzeptiert hat, ist der Weg für eine Anhebung der Bananenpreise von heute durchschnittlich 11,50 pro Karton auf durchschnittlich 13,30 Euro im nächsten Jahr frei. Die südamerikanischen Bananenproduzenten sind aber dennoch nicht sicher, ob der Anstieg die gestiegenen Kosten für Fracht und Energie decken wird. Da Aldi in mehr als 30 Ländern aktiv ist, legt der Discount praktisch die Leitmarke für den globalen Bananenpreis.
Kanarische Bauern kleben neue Siegel auf ihre Bananen. Die Sonderkennzeichnung „Plátano de Canaris“ der Erzeugerorganisation Asprocan zeigt ein kleines Foto des Flammen und Rauch ausstoßenden Vulkans Cumbre Vieja auf La Palma. Die gesamte Bananenproduktion ist von Vulkanasche betroffen und zeigt kein leuchtendes Gelb mehr. Das Vulkan-Logo soll den Verbrauchern die ästhetischen Defizite der Bananenschale zu erklären. Auf La Palma werden mit 149.000 Tonnen rund 35 Prozent der kanarischen Bananen erzeugt. Fast die ganze Menge wird in Spanien vermarktet. Das Logo gehört zur Solidaritätsinitiative „Un plátano por La Palma“ – Eine Banane für La Palma.
Landwirtschaft
Die Pfälzer Kartoffelbauern waren in diesem Jahr zufrieden und haben mit 38 Tonnen Knollen sechs Tonnen mehr als in den Vorjahren ernten können. Das langjährige Mittel der vergangenen fünf Jahre wurde sogar um elf Prozent übertroffen. Die Anbaufläche sinkt allerdings tendenziell. Wurden 2004 Kartoffeln noch auf 8.600 Hektar angebaut, waren es 2021 nur noch 7.100 Hektar.
Vielleicht nicht die besten, vielleicht nicht die schärfsten, aber mit Sicherheit die berühmtesten Chili-Paprika wurden von Flugingenieur Mark Vande Hei Ende November auf der Raumstation ISS geerntet. Es war sogar die zweite Paprika-Ernte in der Erdumlaufbahn. Vier Pflänzchen wuchsen in 137 Tagen im so genannten Advanced Plant Habitat (APH) heran. Die Astronauten konnten 26 grüne und rote Chili-Paprika ernten. Eine Rekordernte in „Outer Space“. Zwölf Schoten müssen allerdings auf die Erde zur weiteren Analyse zurückgebracht werden. Während der Ernte haben die Astronauten sieben Paprika vernascht. APH ist so groß wie eine Mikrowelle, in die im Juli die Pflanzen eingesetzt wurden. 180 Sensoren melden die verschiedensten Daten an das NASA-Raumfahrtzentrum in Kennedy. Zur Bestäubung starteten die Astronauten einen Ventilator und legten Hand an. Sieben Schoten wurden Ende Oktober geerntet. Als nächstes sollen Zwergtomaten und Blattgemüse ausprobiert werden. Später soll im AHP auch Baumwolle wachsen.
Aus ganz Europa hat Markus Haastert Stahl zusammengetragen, damit der Chef von Agrosolar Europa im Wendland auf einem Hektar Land 30 Solarträger hat aufstellen können. Das besondere ist aber nicht nur das clevere Zusammenpuzzeln von Stahl aus brüchigen Lieferketten, sondern dass unter der Anlage mit 700.000 kWh pro Jahr Schnittlauch wächst. Sechs Meter Platz zwischen Boden und Solarpaneele reichen aus, um dem Halbschattengewächs Wachstum und einen Ertrag von 30 Tonnen zu sichern. Das reicht aus, um drei Tonnen getrocknete Kräuter auf dem Markt zu verkaufen. Solche neuen Projekte mit Solarstrom und Ackernutzung waren dem Bundesumweltministerium 400.000 Euro Anschub für das Investitionsvolumen in Höhe von 1,3 Millionen Euro wert.
Nördlich vom Ruhrpott liegt kurz vor Borken die Ortschaft Raesfeld. Die Gemeinde hat erst kürzlich das Wasserschloss Raesfeld von der Handwerkskammer gekauft. Der Bau der Anlage reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück und gilt den Raesfeldern als identitätsstiftend. Bernhard Böckenhoff macht dem Schloss Konkurrenz, nachdem er ein Spargelfeld aufgegeben und rund 2.800 veredelte Haselnussbäume gepflanzt hat. Sieben von bundesweit 400 Hektar Haselnuss-Flächen liegen jetzt in Raesfeld. Zusammen mit seiner Tochter erntet er die Haselnüsse mit einem Nuss-Sauger und knackt die Nüsse in einer Spezialmaschine. Manchmal haften die Schalenreste allerdings hartnäckig an der Nuss und müssen von Hand nachbearbeitet werden. Ein Teil der Ernte wird geröstet. Mit einem „Tag der offenen Nuss“ Ende November hat Tochter Charlotte auf die neue Ernte von zwei Tonnen aufmerksam gemacht. Die Raesfelder Haselnüsse gibt es im Hofladen und Online-Shop.
Seit dem 18. Jahrhundert gehört der Weihnachtsbaum als temporärer Begleiter in die Wohnstuben. Weihnachtsbaumkulturen sind fester Bestandteil der Forstwirtschaft geworden und jedes Jahr stellt sich die Frage, kaufen oder selbst schlagen? Nachhaltig gewachsen sollte er schon sein. Tannenbäume im Topf werden im neuen Jahr in den Garten gepflanzt. Künstliche Weihnachtsbäume ersetzen das jährliche Massaker an bundesweit rund 30 Millionen Echtbäumen. In Rheinland-Pfalz wandern zu Weihnachten eine Million Bäume in die Stuben und das Politmagazin „Zur Sache Rheinland-Pfalz“ stellte noch rechtzeitig die Frage, ob ein geschmückter Tannenbaum überhaupt noch zeitgemäß ist?
LEH und Unternehmen
Unter dem Namen Gustavo Gusto gibt es nicht nur TK-Pizzen. In der brasilianischen Stadt Araruna wachsen jetzt jährlich 250.000 Baumsetzlinge auf der „Fazenda Gustavo Gusto“ heran. Die Pizza-Spezialisten aus Geretsried arbeiten mit der Organisation „Projekte für arme Menschen e.V.“ aus Deggendorf zusammen und haben für die Baumschule einen alten Bauernhof umgebaut. Die Fazenda ist im Bundesstaat Paraiba die größte und wohl auch effizienteste Baumschule. Ziel sind 500.000 Setzlinge pro Jahr, was allerdings nur über Spenden zu erreichen ist.
Das Darmstädter Unternehmen Alnatura hat mit Ende seines Geschäftsjahres bis Ende September einen Umsatz von 1,15 Milliarden Euro erzielt. Das sind sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Fünf neue Supermärkte wurden in Berlin, Hocheim, Freiburg, Offenburg und Stuttgart eröffnet. Die Gesamtzahl der Märkte hat sich bundesweit auf 140 in 13 Bundesländern erhöht. Im neuen Geschäftsjahr sind bereits sieben weitere dazugekommen oder in Planung. An 14 Standorten können Kunden kostenfrei Lastenräder ausleihen. In Süddeutschland gibt es mit dem Bruderkalb ein neues Projekt inklusive Weideschlachtung.
Hauptsache Discounter: Im Rahmen einer Personal-Rotation rückt Gianfranco Brunetti bei Aldi Nord auf die Stelle für Marketing und Kommunikation. Zuletzt war er Head of International Marketing Strategy bei Lidl.
Edeka Minden-Hannover stellt sein Discount-Vertriebsformat NP bis 2026 auf Edeka- und nah & gut-Märkte um. Die rund 330 Läden im Vertriebsgebiet haben weniger als 1.000 Quadratmeter Fläche und sollen so erhalten bleiben. Mit neuen Laden-Elementen und einem größeren Angebot von mehr als 10.000 statt 6.500 Artikel soll für die Kunden attraktiver sein.
Die Toblerone ist die berühmteste Schokolade der Schweiz. Das liegt auch an der markanten From der Schokoladen-Zacken. Der Rechteinhaber für die Schoki-Zacken ist der US-Konzern Mondelez, der sich jetzt ein Schweizer Startup vorknöpft. Die Firma Cocoa Luxury hat mit der Swissone eine rechteckige Schokolade auf den Markt gebracht, die ihre Stücke in gewölbter Position präsentiert. Die Schweizer haben diese Form nach Dünen und Muscheln gestaltet, Mondelez vermutet zackige Berge und Rufausbeutung. Migros und Coop haben Eigenmarken mit einem schräg verlaufenden Zacken und einem Doppelzacken im Angebot. Daran stören sich die US-Amerikaner nicht. Der Schweizer Bauer hat einen offensichtlich persönlichen Konflikt mit der Schoggi-Firma aus Zug ausgemacht. Erfolglos hatten sie zuvor die Endung „one“ die in beiden Schokoladennamen vorkommt verhindern wollen.
Die Gemeinde Albstadt-Ebingen zwischen Tübingen und dem Bodensee gelegen hat eine neue Attraktion. Nach nur sechs Monaten Bauzeit hat der Discounter Lidl auf 1.340 Quadratmeter seine erste Filiale in Holzbauweise eröffnet. In den Lebenszyklus der Baumaterialien hat Lidl auch eine spätere Demontage einberechnet. Sollte das Geschäf5t in dieser Größenordnung erfolgreich sein, werden woanders ebenfalls Holzfilialen eröffnet.
Für Hülsenfrüchte, gefrorenes und verarbeitetes Gemüse, Nüsse und Trockenfrüchte ist mit Biodina SA Hauptsitz in der Schweiz ein neues Unternehmen für die Rohstoffbeschaffung entstanden, das in Deutschland seinen Sitz in Konstanz hat. Ab dem 01. Januar 2022 bündelt das Unternehmen aus mehreren Rohwarenabteilungen faire und biologisch erzeugte Waren für den Einzelhandel.
Welthandel
Im August 2018 hatten die USA Strafzölle auf spanische Oliven in Höhe von 30 bis 44 Prozent gesetzt. Im November hat das Schiedsgericht der Welthandelsorganisation WTO nach Einrede der EU die Strafzölle als unrechtmäßig verurteilt. Die Strafzölle wurden wegen des Verdachts auf Dumping erhoben. Der Import reifer spanischer Oliven ging danach um 60 Prozent zurück.
Mit der Gründung der DB Cargo Transasia in Shanghai kann die DB Cargo als einziger Anbieter den Güterverkehr der Neuen Seidenstraße mit europäischen DB Cargo Netzwerk verknüpfen. Aus einer Hand sind Gütertransporte über 10.000 Kilometer in 18 europäische Länder möglich und sollen Verzögerungen der internationalen Lieferketten umgehen. Zuletzt hat DB Cargo im September eine neue Strecke zwischen Hamburg und Shanghai eröffnet. 2020 waren insgesamt 12.000 Güterzüge zwischen Europa und Asien unterwegs. Die DB will ihre Kapazität von 200.000 Standardcontainern (TEU) bis 2025 auf 500.000 erhöhen. Die größten Containerschiffe tragen rund 22.000 TEU.
Die MV Kakariki hat Anfang Dezember die letzten Kiwi aus Neuseeland für diese Saison in Tokio und Kobe entladen. Das Schiff hatte 1.800 Tonnen Zespri grüne Kiwis an Bord. Einige Kühlcontainer sind noch auf dem Weg nach Hongkong. Für den Export haben die Kiwi-Bauern vermehrt auf gecharterte Kühlschiffe gesetzt. Mit 66 Frachtern waren 17 mehr auf den Seewegen unterwegs. Rund 177 Millionen Schalen mit Kiwi (620.000 Tonnen) wurden zusätzlich mit Kühlcontainern verschifft. In Zusammenarbeit mit der Reederei Fresh Carriers wurden drei Spezialkühlschiffe erstmals eingesetzt. Die MV Cool Eagle steuerte dabei voll mit Kiwi beladen Europa an.
Die Reederei MSC hat mit „Baltic Loop 3“ eine neue Feeder-Schleife für Containerschiffe von Hamburg nach Großbritannien und sowie den Ostseehäfen Tallinn und Riga aufgenommen. Für den Hamburger Hafen ist die Baltikum-Schleife ein weiteres Zeichen für die Bedeutung als Container-Drehkreuz zwischen Großbritannien, dem Ostseeraum und den großen Container-Schiffen. Über die Aorta Nord-Ostseekanal in die Ostsee werden jährlich 30 Millionen Tonnen Massengüter und Stückgut transportiert. Der Umschlag mit Großbritannien hat sich von Hamburg aus mit 186.000 TEU-Standardcontainer knapp auf Vorjahresniveau eingependelt.
In Hongkong leben 7,5 Millionen Menschen. Weltweit ist die Stadt neuntgrößter Importeur von Backwaren im Wert von 870 Millionen US-Dollar. Der Handel in den Häuserschluchten verkauft Backwaren im Wert von 769 Millionen US-Dollar und wird die Geschäfte im nächsten Jahr auf 805 Millionen US-Dollar steigern. Mehr als ein Drittel der Backwaren stammt aus China, ein Fünftel aus Japan. Großbritannien und Italien tragen jeweils vier Prozent des Importwertes bei und sind die einzigen Europäer in der Liste der Top Ten. 30 Prozent des in Hongkong verzehrten Gebäcks wird über die Kette „Garden“ verkauft. In der Pandemie haben glutenfreie und pflanzenbasierte Gebäcke an Zuspruch gewonnen.
Wer mit seinen Geschäftspartnern im Ausland konferiert, muss auf die verschiedenen Zeitzonen achten. Sonst sitzt man alleine im digitalen Konferenzraum. Der Handel zwischen dem Abend- und dem Morgenland kann sich nur auf vier gemeinsame Werktage verständigen. Die Tagesabfolge ist zwar dieselbe, aber das Wochenende im Abendland beginnt am Samstag und endet am Sonntag. Die arabische und jüdische Welt hingegen begeht jeweils am Freitag den wöchentlichen Feiertag. Nur die Zeitspanne von Montag bis Donnerstag ist beiden Regionen als Werktag gemeinsam. Um im globalen Welthandel einen Werktag mehr gemeinschaftlich zu nutzen, verschieben die Vereinten Arabischen Emirate ab Januar 2022 ihre Arbeitswoche von Sonntag bis Donnerstag auf die abendländische Zeitspanne von Montag bis Freitag. Die Privatwirtschaft hatte ihre Lösungen gefunden. Jetzt müssen sich aber auch staatliche Stellen und Behörden dem globalen Handelskalender anpassen. Kuwait, Katar und Algerien haben die abendländische Arbeitswoche schon länger im Kalender stehen.
Die einen sagen, dass die Unterbrechungen der Lieferketten Mitte 2022 aufhören, die anderen sagen, der Dauerstau geht noch bis 2023 weiter. Die weltweiten Logistikmanager von Drewry haben 15 internationale Handelsrouten analysiert und alleine bei Kühlfracht einen Preisanstieg von 55 Prozent zum Jahresende 2021 festgestellt. Das macht Waren mit relativ geringem Wert, wie Bananen, Zwiebeln und TK-Gemüse relativ teurer. Die Preise für Kühlcontainer werden bis Ende 2023 weiter steigen, sagen die Drewry-Experten.
Belarus folgt dem Beispiel des großen Nachbarn und hat ab dem 01. Januar den als Reaktion auf die EU-Sanktionen ein sechsmonatiges Embargo gegen europäisches Obst und Gemüse verhängt. Nur kurze Zeit später musste Belarus allerdings auch ein Exportverbot von Weizenmehl verhängen. Das gilt für drei Monate und soll offenbar den Belarussen die eigene Brotversorgung sichern.
roRo / VLE
© Herd-und-Hof.de Nutzungswünsche: https://herd-und-hof.de/impressum.html