LEH auf den Punkt ...

Handel

LEH-Trends bis Mitte Mai

Produkte und Märkte

Salate und Gurken

Die Versorgung bei bunten Salaten weitet sich stetig aus. In den Großmärkten bröckeln die Notierungen. Das Angebot italienischer Salate steht vor dem Abschluss und die französischen Angebote ziehen sich zurück. Der angebotene Eissalat stammt noch überwiegend aus Spanien und bediente bei Lockerungen in Hamburg zusätzliche lange vermisste Absatzkanäle. Mitte Mai ging das Angebot zurück, obwohl heimische Alternativen noch nicht verfügbar sind. Da die Nachfrage die Angebote übersteigt, zeigten Anfang Mai die Preise noch einen Aufwärtstrend. Bei Endivien dominieren zwar italienische Köpfe, die aber wegen Qualitätsmängel nur geringe Erwartungen erfüllten. Belgische Endivien kamen nur bis zu Großmärkten in Köln und Frankfurt.

Salatgurken rücken in großen Mengen in die Gemüseabteilungen. Die kühlere Witterung heizt die Gewächshäuser in Deutschland und Benelux nur mäßig auf und bietet dem Gemüse beste Wachstumsbedingungen. Die Menge ist höher als das Angebot, so dass die Preise nicht aus ihren Talsohlen kommen.

Äpfel und Birnen

Im Handel dominieren deutsche und europäische Äpfel. Aus Chile und Neuseeland kommt ein noch übersichtliches Angebot in die Regale. Bei Birnen sieht das anders aus. Die meisten stammen aus Südafrika, Chile und Argentinien. Türkische Birnen fanden ihren Weg lediglich auf den Berliner Großmarkt.

Erdbeeren

Rechtzeitig zum Muttertag sind die ersten Erdbeeren frisch vom Feld im Regal angekommen. In NRW ist die Haupterntezeit der roten Früchtchen von Mai bis Juli, einige Betriebe können bis in den Oktober liefern. Die botanisch kategorisierten Sammelnussfrüchte verdrängen spanische Angebote und gehen zum Teil aus dem LEH wieder in die Großmärkte zurück. Ergänzt wird das Erdbeerangebot aus Griechenland und Italien, allerdings zu steigenden Preisen. Schleswig-Holstein rückt mit Frischware im Mai aus geschütztem Anbau nach. Große Freilandmengen sind erst ab Mitte Mai vorhanden. Die frühe Sorte für den Tunnel heißt „Flair“, aus dem Freiland sind es die Sorten „Clery“ und „Magnum“. Die Verbraucher freuen sich offenbar über das Angebot und greifen bei den guten Qualitäten gerne zu. So haben auch preislich höher liegende Chargen derzeit Chancen auf einen guten Abverkauf. Rückläufer wegen Qualitätsmängel gab es lediglich auf dem Großmarkt Hamburg, in Berlin ist das Angebot vor allem wegen Werbeaktionen im LEH stets ausgeräumt.

Spargel

Die kalten Temperaturen haben bislang nur die Spargelstangen aus dem Tunnel genützt. Nach mehr als vier Wochen gehen die Tunnelanlagen in den Ruhestand und in Nordrhein-Westfalen rückt Spargel von der Freifläche nach. Das langsam steigende Angebot sorgt für preissenkende Überhänge. Die konnten bis Mitte Mai nicht abgebaut werden. Auf dem Großmarkt Frankfurt blieben deutsche Stangen wie auch polnische, niederländische und griechische Ware liegen.

Kirschen

Die Blicke auf das Wetter und auf den Kalender machen noch keinen Hunger auf Kirschen. Die frühesten Sorten kommen erst Ende Mai auf den Markt. Meist erst Anfang Juni. Aber in Frankfurt und München  sind spanische Kirschen für bis zu elf Euro pro Kilo bereits eingetroffen. Türkische Süßkirschen sind noch nicht da.  

Insekten

Getrocknete gelbe Mehlwürmer wurden von den EU-Ländern jetzt als Novel Food zugelassen und dürfen als Lebensmittel verspeist werden. Dem Vorschlag der EU-Kommission war bereits das Parlament gefolgt. Die Mehlwürmer bekamen eine Zulassung als Snack und als Zutat in Protein- und Nudelprodukten sowie Keksen.

Nudelinnovation

Penne und Farfalle sind lecker, nehmen aber als dreidimensionale Nudel viel Platz in der Verpackung ein. Amerikanischen Forschern der Universität Pittsburgh ist es jetzt gelungen, flache und platzsparende Farfalle zu entwickeln. Mit gezielt gesetzten Minifurchen  im flachen Nudelteig markieren sie Stellen, die weniger als andere Segmente im kochenden Wasser quellen. So nehmen sie beim Kochen am Ende die Form ein, die ihnen vorgesehen ist. Aus flachem Teig lassen sich mit parallelen Einkerbungen auch spiralförmige Fussilini herstellen. Das spart 60 Prozent Verpackung.

Garley-Brauerei

Zwischen Elbe und Wolfsburg, tief im Westen von Sachsen-Anhalt, aber einst Hansestadt, liegt Gardelegen. Im Jahr 1317 bekam die Hansestadt Malzrecht vom Markgrafen Waldemar von Brandenburg und verkaufte ihr Bier unter dem Namen „Garley“. Im Jahr 1400 bekamen drei Hopfenranken Platz im Stadtwappen. Nach der Wende verschwand das Bier mit der Auflösung des Volkseigenen Betriebs (VEB) Garley. Im Jahr 2012 meldete der letzte private Nachfolger Insolvenz an. Im März 2021 wurde allerdings wieder der erste Sud angesetzt und jetzt ist es amtlich: Ein kleine private Brauerei bekam die Markenrechte zugesprochen und bringt „Garley“ erneut auf den Markt.

Friesenwein

Die Gemeinde Breinermoor hat sich in der Weltöffentlichkeit angemeldet. Südlich von Leer in Ostfriesland im Mündungsdreieck von Ems und Leda wurden im Mai rund 4.000 Reben gepflanzt. Die im November 2019 gegründete Ostfriesische Winzergenossenschaft (OWG) erhielt im vergangenen Jahr die Weinbaugenehmigung und wurde mit der Pflanzung das 14. Weinbaugebiet Deutschlands. Auf einem Hektar wachsen jetzt Souvignier Gris, eine Weißweinrebe aus dem Jahr 1983, und die Weißweinrebe Solaris, die das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg schon 1975 als pilzwiderstandsfähige Traube (PIWI) gezüchtet hat. Pastor und Winzergenosse Jörn Thiessen hat mit seinem Segen den ersten friesischen Weinberg im Beisein des niedersächsischen Umweltministers Olaf Lies eingeweiht. Vor 150 Jahren soll es schon einen Weinbau zwischen Ems und Nordsee gegeben haben.

Landwirtschaft

Sainsbury´s hat sich in der Öffentlichkeit für eine Panne entschuldigt. Landwirt und Direktor der Marketingplattform für Landwirtschaft und Gartenbau (AHDB) Phil Bicknell hatte bei einem der beliebtesten Lebensmittelhändler vor Ostern Lammfleisch entdeckt, das zwar den Union Jack trug, dessen Inhalt aber aus Neuseeland stammte. In den sozialen Netzwerken kursierten bald darauf Scherze über eine erweiterte Herkunftskennzeichnung für Großbritannien. Neuseeland gehörte bis zum 01. Januar 1901 als Kolonie dem britischen Empire an und wechselte in den „Commonwealth of Australia“, bevor es 1947 rechtlich unabhängig wurde.  Stella Owen fand das allerdings gar nicht lustig.  Die Beraterin des britischen Bauernverbandes für Südost Wales betonte, die Landwirte ziehen ihren Tieren für die Rückverfolgbarkeit Ohrmarken ein, führen betriebliche und überbetriebliche Bestandsdatenbanken -  am Ende komme so etwas dabei heraus: „I am quite honestly disgusted.“ Der Fehler sei in einem Fleischwerk passiert, erklärte Sainsbury´s.

Der Erzeuger Nordic Harvest und die Händler Sallig Group liefern vertikal angebaute Salate  und Kräuter in ganz Dänemark aus. Der Zusammenschluss bringt derzeit pro Woche drei Tonnen Vertikalgewächse an die Kunden. Zwischen Ernte und Einbringung der verpackten Ware in die Kühlkette vergehen rund zehn Minuten.

Ende 2020 wurden weltweit nur noch 654 Millionen Schweine gezählt. Das sind 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Hauptursache ist der Rückgang durch die Tierverluste in China durch die Afrikanische Schweinepest. Gegenüber 2019 sind das 27 Prozent. Deutlich aufgestockt hingegen hat Russland, das mittlerweile so viele Schweine wie Deutschland hält (26 Mio.). Platz eins in der EU behauptet Spanien mit 33 Mio. Schweinen.

Ein belgischer Landwirt hat einen Grenzstein um rund zwei Meter verschoben, der ihn beim Ackern behinderte. Es war allerdings nicht nur ein Grenzstein zu seinem Nachbarn, sondern einer aus dem Jahr 1819, der nach Napoleons Niederlage in Waterloo die Grenze zwischen Frankreich und Belgien markierte. Der Bauer machte mit dem Versetzen des „Hindernisses“, Belgien ein Stück größer und Frankreich ein Stück kleiner und brach rechtlich gesehen den Vertrag von Courtrai. Auf kleinem Dienstweg wird der Bauer den Grenzstein wieder auf seine ursprüngliche Position zurückversetzen.

Anfang Mai hat die Vereinigte Hagel Bilanz über die bisherigen Frostschäden in Süddeutschland gezogen. Anfang April haben Frostnächte die Blüten geschädigt und einen Schaden in Höhe von 75 bis 85 Millionen Euro angerichtet. Etliche Obst- und Weinbaubetriebe müssen wie im vergangenen Jahr um ihre Ernte fürchten.

LEH und Unternehmen

Die Hofer KG in Österreich gehört zur Unternehmensgruppe Aldi Süd. Die Alpenländler haben den mit dem Gütesiegel „Spezialität aus Italien“ ausgelobten Schinken mit Fleisch aus Brasilien vermischt. Das haben Verbraucherschützer aufgedeckt. Hofer habe sich zwar an die Kennzeichnung „aus der EU – Nicht EU“ gehalten, aber bei der von Hofer genutzten Gütesiegel-Auslobung „Italien“ dürften Verbraucher bei einer italienischen Spezialität keine brasilianische Ware vermuten müssen.

Tönnies goes veggi: 25 Millionen sind für einen Konzern, der Jahr mehr als sieben Milliarden Umsatz macht, ein Klacks. Die Summe im Schlachtkonzern bezeichnet die Nische vegetarischer Produkte, für die in Schleswig-Holstein sogar ein neues Werk gebaut wurde. Bei Tönnies ist der Absatz der fleischlosen Produkte um 40 Prozent gegenüber 2019 gewachsen. Bis 2025 peilt Tönnies auf diesem Markt einen Umsatz von 100 Millionen Euro an.

Aldi rückt bei den Eigenmarken den Preis wieder stärker in den Fokus. In Erwartung einer schwächeren Konjunktur setzt der Discounter auf besonders günstige Preiseinstiegsangebote.

Mitte Mai hat Penny in Braunschweig sein erstes „Mischobjekt“ eröffnet. In kompletter Eigenregie hat die REWE-Group einen Lebensmittelmarkt mit 865 Quadratmeter gebaut, im Untergeschoss 22 Stallplätze bereitgestellt und auf drei Etagen oberhalb des Geschäftes 14 barrierefreie, teils rollstuhlgerechte Wohnungen eröffnet. Die vier 2-Zimmer und zehn 3-Zimmerwohnungen befinden sich in Innenstadtnähe mit eigenem Stellplatz. Die Wohnungen sind schallgeschützt (wegen Anlieferung Penny) und sowohl energieeffizient und umweltfreundlich gebaut (Goldstandard der Gesellschaft für nachhaltiges Bauern).

Welthandel

Chile bietet bei Obst und Gemüse die ganze Frischevielfalt im europäischen Winter an. Der Export von Obst stieg 2020 um ein Prozent auf 1,6 Millionen Tonnen an. Dabei hat Asien die USA als Hauptexportmarkt erstmals abgelöst. Auf die andere Seite des Pazifiks wurden 614.000 Tonnen Obst und Gemüse geliefert, was einem Anstieg zum Vorjahr um 15,2 Prozent bedeutet. Getragen wurde das satte Plus durch Kirschexporte, die meist nach China gingen. Die EU bleibt drittwichtigster Markt.

Anfang Mai fuhr die Jacques Saadé der Reederei CMA CGM erstmals nach der Elbvertiefung elbaufwärts nach Hamburg. Das Containerschiff der Megamax-Klasse ist 400 m lang, 61 m breit und hat die neuen 90 cm Tiefgang erstmals ausgenutzt. Das Schiff bringt 1.000 Container mehr nach Hamburg.

In der Pandemie haben spanische Verbraucher den Sprung vom Discountfleisch zum Fleischerfachgeschäft gemacht. Jetzt fehlt es an ausgebildeten Metzgern. Die Branche sucht über ein Arbeitsportal händeringend Fachpersonal. Mehr als 2.500 Bewerbungen sind über das Portal bereits vermittelt worden. Im Ausbildungszentrum Educarne in Madrid wurde ein neuer Ausbildungsgang zum Fleischermeister-Gehilfen eingerichtet, um die hohe Nachfrage zu stillen.

Während der Pandemie sind die Rohstoffpreise gestiegen und schlagen allmählich auch auf die Nahrungsmittelpreise durch. EHersteller kündigen Preiserhöhungen an und Wirtschaftsanalysten rechnen mit steigender Inflation.

Die Importe an Lebensmittel nach Österreich blieben 2020 auf gleichem Niveau. Die Exporte hingegen wuchsen um 3,5 Prozent. Damit hat Österreich erstmals in seiner Datenaufzeichnung mehr Lebensmittel exportiert als importiert. Der Handelsüberschuss beträgt 10,8 Millionen Euro bei einem Exportvolumen in Höhe von 12,8 Milliarden Euro. Deutschland bleibt das wichtigste Exportland. Der Außenhandelsüberschuss in den Norden hat mit 270 Millionen Euro ebenfalls einen neuen Rekord erzielt. Am stärksten gewachsen sind die Ausfuhren bei Milch und Molkereiprodukten, gefolgt von Wurst und Schinken. Auf Platz drei rangieren Obst und Gemüse.

roRo / VLE

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