LEH auf den Punkt…
Handel
LEH-Trends bis Anfang Juni
Produkte und Märkte
Kern- und Steinobst
Regionale Ware hat es schwer. Mängel kosten Preis und Importe aus Übersee sowie bessere Qualitäten aus Frankreich drängen deutschen Äpfel in den Hintergrund. Birnen stammen derzeit aus Südafrika und Chile. Conference-Birnen hingegen kommen aus Italien und Frankreich. Aufregender geht es bei Kirschen zu. In Frankfurt verbilligen sich spanische Süßkirschen, erste italienische Ware traf ein. Die gaben auch in Hamburg ihren Einstand, kosteten aber zwischen neun und 13 Euro je Kilogramm. Erste griechische Kirschen erreichten Ende Mai München. Rund zehn Wochen lang landen die Süßkirschen in den Handzetteln des LEH. Mit zehn Aktionen in der ersten Juniwoche liegt die Bewerbung der süßen Kirschen auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren.
Frische Pilze
Die ersten deutschen Händler von Pilzen berichten über das Eintreffen der ersten Pfifferlinge vom Balkan. In Bulgarien stehen die ersten Ernten von Mairitterling, Nelkenschwindling und Morcheln an. Wetterbedingt hat sich das Wachstum etwas verzögert und die ersten Pilze sind noch klein. Aber das kann sich bei richtigem „Pilzwetter“ schnell ändern.
Salate und Kohl
Kopfsalate sind mittlerweile reichlich vorhanden und stammen überwiegend aus Deutschland und Belgien. Die Herkünfte von Blumenkohl sind europäisch bunt, treffen aber nur spärlich und punktuell auf den Großmärkten ein. Die Kunden halten sich mit Nachfragen noch zurück.
Spargel
Geschmack und Qualität stimmen. Aber die anhaltend kühle Witterung hat die Spargeldämme nicht erwärmt und verhindert das Wachstum der weißen Stangen. Die Anbauer haben eine pessimistische Halbzeitbilanz gezogen. Ein Kilogramm des im Supermarkt üblichen Spargels zweiter Klasse kostet derzeit zwischen 12 und 14 Euro. Für den Sonntagsspargel müssen Kunden rund drei Euro mehr hinlegen. Die Sonne entscheidet was bis zum 24. Juni, dem so genannten Spargelsilvester noch geht. Der Johannistag beendet die Spargelsaison. Das kühle Wetter bremst aber den Appetit auf Spargel. Lediglich in Berlin wird Spargel flott umgeschlagen, sonst müssen die Händler den Überhang auch mit einem Preisnachlass anbieten.
Spargel stechen ist alles andere als einfach. Erfahrung muss ausgleichen, was im Damm verborgen ist. In Ginsheim-Gustavsburg in Hessen haben Profi-Spargelstecher auf sechs Kilometer Länge den Spargel nachts aus den Dämmen geklaut und die Löcher professionell wieder verschlossen. Nach Angaben des Landwirts betrug die Beute rund 300 kg Spargel im Wert von rund 3.000 Euro.
Erdbeeren
Es mangelt an den Qualitäten. Großmärkte müssen spanische Rücklieferungen aus dem Handel hinnehmen. Trotz knappem Angebot fragen die Kunden die Erdbeeren nicht nach. Italienische Ware fehlt in Hamburg und Köln. Das der LEH aber Werbeaktionen mit Erdbeeren fährt, bindet er größere Mengen, die frei nicht mehr verfügbar sind.
Veggie
Die kalifornische Firma Eat Just plant bis zum Jahresende in Europa vegetarische Eier auf den Markt zu bringen. Das Protein kommt von der Mungbohne . Mit mehr als 100 Millionen Mungbohnen-Eiern im März 2021 gilt Just Eat als schnell wachsendes Unternehmen. Die Kalifornier haben rund 200 Millionen US-Dollar Kapital für Expansionspläne gesammelt und will auf Schlüsselmärkte für Eier. Geschäftsführer Josh Tetrick will Just Egg zu den am meisten konsumierten „Eiern“ der Welt machen.
Rindfleisch
Irish Beef geht in die Offensive: Mehr Verbraucher setzen auf Qualitätsrindfleisch. Die Importe aus Argentinien, Uruguay und den USA stehen für hohe Qualitäten. Aber auch die Iren können das und punkten mit mindestens 220 Tagen Weidehaltung in kleinen Herden bis zu 80 Rinder. Fast zu 100 Prozent auf Familienbetrieben gehalten wirbt das irische Nachhaltigkeitsprogramm „Origin Green“ bei deutschen Konsumenten.
Landwirtschaft
Preise für Lammfleisch steigen. Zum einen kommen nach dem Brexit weniger Lämmer aus Großbritannien nach Europa, und Spanien liefert bevorzugt in die entstandene Angebotslücke nach Frankreich. Lammfleisch aus Osteuropa geht bevorzugt in die arabische Region. Im Verbund mit der regionalen Nachfrage deutscher Konsumenten erlebt Lammfleisch einen Boom. Vor allem wenn es um regionale Spezialitäten wie dem Altmühltaler Weidelamm geht.
Pak Choi und Kichererbsen regional: Ab Mai gibt es Pak Choi aus deutschem Anbau. Sonst kennen Konsumenten das Kohlgemüse aus China, Japan und Südkorea. Mittlerweile bauen Landwirte das „weiße Gemüse“ im geschützten Anbau und im Freiland an. Der Baby Pak Choi schmeckt entscheidend milder und zarter. Auch die Kichererbse wächst vermehrt zwischen Nordsee und Alpenrand. 2018 hat Deutschland mit 14.400 Tonnen mehr als dreimal so viele Kichererbsen importiert wie 2010. In Sachsen-Anhalt baut Öko-Bauer Jonas Schulze-Niehoff auf 32 Hektar Kichererbsen an. Die ersten Nachbarn haben mit dem Anbau der stickstoffsammelnden Hülsenfrucht auch schon begonnen.
LEH und Unternehmen
Der Bio-Supermarkt Bio-Company digitalisiert seine 51 Backtheken in Berlin. Mit spezieller Software soll abends noch jeder Kunde sein Wunschbrot vorfinden, aber gleichzeitig soll die andere Ware auf ein Minimum reduziert werden, um die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Mit der Anwendung sollen Bestellungen und Sortimentsplanung optimiert werden. In drei Berliner und eine Hamburger Filiale sind in einem Pilotprojekt übriggebliebene Backwaren zu reduziertem Preis erhältlich.
In den orangefarbenen Rucksäcken der Fahrradkuriere von Lieferando stecken demnächst auch Lebensmittel aus Supermärkten. Die rund 10.000 Kuriere in 50 Städten sollen nicht nur Pizza, Burger und Döner ausfahren, sondern auch ausgewählte Supermarktartikel. Der niederländische Anbieter rechnet mit einer Lieferzeit von 20 bis 30 Minuten.
Oatly ist an der Börse. Der Haferdrink-Konzern, der sich als Anti-Konzern gibt, hat mit Oprah Winfrey, der niederländischen Rabobank und China Ressources potente Investoren hinter sich versammelt. Die schwedischen Hafermeister haben im vergangenen Jahr 421 Millionen US-Dollar Verlust gemacht. Offenbar die üblichen Voraussetzungen für den Gang an die Börse, mit dem Oatly rund 1,6 Milliarden US-Dollar Kapital einsammeln will. Der Börsenwert des Unternehmens wird mit zehn Milliarden US-Dollar angegeben.
Globus launcht in seinen 13 Märkten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Eigenmarke „Globus Regional“. Zu Beginn werden Obst und Gemüse sowie Wurstspezialitäten angeboten. Rund 70 Produkte sind im Angebot, bei denen mindestens 70 der verwendeten Zutaten aus dem jeweiligen Bundesland kommen. Ein Cent eines gekauften Produktes geht an den regionalen Kinderschutzbund.
Die Molkereigenossenschaft Arla Foods setzt in einer umfangreichen Werbekampagne auf Emotionalität und will sich damit von der oft funktionalen Werbebotschaft von Molkereiprodukten absetzen. Die verschiedenen Produkte werden auf die Dachmarke Arla fokussiert. „Mach den Schritt“ aktiviert als Kreatividee den Markenkern der inneren Stärke. Die Dänen setzen auf ihre skandinavischen Wurzeln und die optimistische Lebenseinstellung der Skandinavier.
Welthandel
Der Schienenverkehr auf der Neuen Seidenstraße hat deutlich zugenommen. Einer der führenden Anbieter intermodularer Containertransporte ist Metrans, die Tochter der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Wurden 2019 noch 426 Züge von und nach China abgewickelt, waren es im vergangenen Jahr schon 913 Containerzüge. Das entspricht einem Transportvolumen von 30.000 TEU (20-Fuß-Standardcontainer). Insgesamt lag das Transportvolumen auf den verschiedenen Pfaden der Neuen Seidenstraße bei 878.000 TEU. Bis 2015 soll sich das Volumen verdoppeln. Zum Vergleich: das größte Containerschiff derzeit trägt 22.000 TEU.
Die Maul- und Klauenseuche (MKS) hält Tansanias Tierhaltung von Exportmärkten fern. Doch mit 33 Millionen Rindern, 21 Millionen Ziegen und sechs Millionen Schafe ist Tansania der zweitgrößte Nutztiermarkt in Afrika. Wegen der MKS hat das Land seine Exportmärkte in den Mittleren Osten verloren. Jetzt aber wollen sieben Nachbarländer Inspektoren schicken, damit Tansania zumindest regional Fleisch wieder exportieren kann.
Im ersten Quartal 2021 sind die Kosten für Kühlcontainer um ein Viertel angestiegen. Wegen der Bananenkrankheit Fusarium TR4 rechnet die britische Beraterfirma „Drewry“ eine Abschwächung des globalen Handels mit verderblichen Lebensmitteln. Containerstaus in Häfen und Containerknappheit sollen bis Jahresende generell weniger werden.
Die Großen Seen sind einer der Schlüssel für das US-Herz der Industrie mit den Auto-Städten Chicago und Detroit. Mit großen Getreideverladungen ist die Seeschifffahrt auf den Großen Seen mit 38 Millionen Tonnen Ladungsvolumen auf dem Weg zum Handelsvolumen von vor der Pandemie. Dazu passend baut die „Interlake Steamship Company“ auf ihrer Werft in Wisconsin das seit 35 Jahren erste US-Schiff, das ab der Saison 2022 die Großen Seen befahren wird. Ex-Präsident Trump hätte seine Freude: Aus dem Eisenerz aus Minnesota wurde in Indiana daraus Stahl. US-Arbeiter werkeln an dem Schiff, das von einer US-Crew gefahren werden wird. Der 28.000 Tonnen Bulkfrachter wird Steine, Salz und Eisenerz über die Großen Seen schippern.
Die gestiegenen Rohstoffpreise setzen sich auf dem Kaffeemarkt durch. Tchibo wird ab dem 14. Juni für ein Pfund Kaffee den Preis um 50 Cent bis zu einem Euro erhöhen.
Mehr als 7.000 Fallschirmjäger aus zehn NATO-Ländern trainierten Mitte Mai in Estland, Bulgarien und Rumänien. Die in Italien stationierte 173. US-Fallschirmbrigade sollte am 11. Mai im Süden Bulgariens Bunkergebäude besetzen. Allerdings entpuppte sich das befreite Gebäude als das einer Ölmühle für Sonnenblumen. Da waren die vorgefundenen Zivilisten aber schon in Militärobhut arrestiert. Sie hielten sich beruflich in dem Gebäude auf, das auch nicht als Ziel für das Manöver auserkoren war. Die US-Armee entschuldigte sich und beschwichtigte, es seien keine Schüsse gefallen, der bulgarische Präsident Rumen Radev fand das allerdings nicht lustig und Ölmühlenbesitzer Marin Dimitrov erstattete Anfang Juni Strafanzeige gegen die US-Armee. Unwahr ist, die aktuell hohen Preise für Ölsaaten hätten die Amerikaner zur Besetzung der Mühle veranlasst.
roRo / VLE
© Herd-und-Hof.de Nutzungswünsche: https://herd-und-hof.de/impressum.html