LEH auf den Punkt…

Handel

LEH-Trends bis Mitte Juni

Produkte und Märkte

Erdbeeren, Brombeeren

Feuer frei: Die Sonne ist da. Mit ihr hat die Ernte der roten Früchtchen richtig losgelegt. Auf den Märkten dominiert regionale Ware und erfreut sich bei sonnigem Wetter reger Nachfrage bei den Kunden. Bei guten Qualitäten konnten Erzeuger sogar die Preise raufsetzen, aber saisonal sinken die Konsumentenpreise. Deutsche Erdbeeren haben Anfang Juni schon einen Marktanteil von über 64 Prozent erreicht. Das hat in München dazu geführt, dass der Großhandel italienische Ware zurückhielt, da sie keine Chance gegen preiswerte Erdbeeren hat.

In Köln sind die ersten regionale Brombeeren aufgetaucht, die Ware aus den Niederlanden und Belgien komplettieren.

Äpfel, Salate und Wassermelonen

Bei Äpfeln kehrt sich der Markt um. Ware aus Übersee dominiert und kommt überwiegend aus Chile, Neuseeland und Südafrika. Europäische Lageräpfel können sich nur mit guten Qualitäten behaupten.

Nach den bunten Salaten kommen jetzt auch Eissalat und Endivien aus Deutschland in den Handel und löst spanische Chargen ab. Die Menge macht´s: Die Preise lassen nach.

Sonne und Hitze sind die Elemente, in denen sich die Nachfrage nach frischen Wassermelonen austoben kann. Aus dem Mittelmeerraum sind die ersten Wassermelonen auf dem Großmarkt Hamburg eingetroffen. Mitte Juni ist Berlin nachgezogen. Hier kommen die angebotenen Wassermelonen aus Italien, Marokko und der Türkei.

Kohlrabi

Deutschland ist Kohlrabi-Land. Mit 56.000 Tonnen und 13,7 MillionenKnollen hat der Kohlrabi seine Heimat gefunden. Woher der Kohlrabi ursprünglich kommt, ist nicht bekannt. Aber schon im 16. Jahrhundert taucht er in deutschen Kräuterbüchen auf und landet ab dem Spätfrühling in den deutschen Regalen.  Ein Drittel der rund 1.800 ha Kohlrabi liegen in NRW. Rund 60 Prozent des europäischen Kohlrabis wachsen in Deutschland, wo der kleine Kohl bis zu den ersten Frosttagen auch aus dem Freiland stammt. Gegenüber anderen Kohlarten bildet der Stengel aus einer Verdickung heraus die Knolle, die kugelig, bis oval, von grün bis violett in den Handel kommt. Das Fruchtfleisch ist bei allen Sorten weiß und schmeckt eben genau nicht nach Kohl.

Mineralwasser

Mineralwasser verliert doppelt durch die Schließung der Gastronomie im Lockdown und dem damit gestiegenen Anteil an Sprudlern, die Leitungswasser nutzen. Karl Tack vom Verband Deutscher Mineralbrunnen will in einem Interview mit der Lebensmittelzeitung nicht drum herum reden. Der Konsum von Leitungswasser wird zunehmen. Die meisten Brunnen haben im dritten Jahr in Folge einen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Mit der Imagekampagne „Die Leitung kann uns nicht das Wasser reichen“ wirbt der Verband für das natürliche Mineralwasser. Trinkwasser dagegen wird chemisch aufbereitet.

Fleischmarkt

Der Flexitarier isst zwar Fleisch, aber weniger. Der Schweizer Einzelhändler Migros bietet ihm jetzt mit „The Mix“ von Micarna ein Produkt an, das beides enthält. Es enthält maximal 60 Prozent Fleischproteine und 40 Prozent Erbsenprotein und Gemüse wie Möhren.

Pflanzliches Protein in Fleischoptik beschert Händlern und Ackerbauern einen Boom. Der allerdings vom WWF getrübt wird. Fleischersatzprodukte sind auf das Kilogramm verrechnet, oftmals doppelt so teuer wie echtes Fleisch, weil die verwendeten Gemüsezutaten und die Herstellung teurer sind. Der Effekt: Kunde greifen vermehrt zu günstigerem Fleisch und verstärken damit die indirekten Landnutzungseffekte durch importiertes Futter.

Cocktails

Das wohl berühmteste Getränk der so genannten „corpse reviver“ ist die „blutige Maria“. Der Barchef im New Yorker St. Regis Hotel, Fernand Petiot, entwickelte 1934 den Cocktail auf der Basis von Tomatensaft. Im Original mit Worcestershire-Sauce und Tabasco verfeinert, wird der „Bloody Mary“ mit Wodka, Eis, Pfeffer, Selleriesalz oder Austernwasser abgerundet. Im „Red Snapper“ wird den Wodka gegen Gin getauscht. Die Form des Gewürz-Cocktails soll als Katergetränk am frühen Morgen die Bar-Leichen wiederbeleben (corpse reviver) und erfährt heute eine Renaissance. Alkohol wird heute auch durch Soda oder Tonic ausgetauscht, die Würzigkeit aber bleibt und kommt auf den Getränkekarten der Bars mit der Kategorie „Savoury“ zu neuen Ehren. Als Würze dienen Maggikraut, Curry oder Kaffir-Limettenblätter aus der Thai-Küche.

Landwirtschaft

„Wir werden künftig mehr ausgeben müssen.“ Der Vorsitzende der Zukunftskommission Landwirtschaft, Peter Strohschneider, vergleicht die Ausgaben für Lebensmittel. Waren es 1950 noch 45 Prozent des Einkommens, sind es heute gerade einmal 14 Prozent. Der Supermarkt sei der zentrale Ort für den Ausgleich höherer Produktionskosten. Zudem müsse die Landwirtschaft gegenüber dem Weltmarkt geschützt werden – auch wenn Strohschneider das nicht als Aufruf zum Protektionismus verstanden wissen will.

Der Schweizer  Ruedi Bigler gibt seinen Ferkeln während des Absetzens über rund 10 Tage Cola und braucht kaum noch Antibiotika. Drei Liter Cola werden über das Futter für 30 Ferkel verteilt. Die Cola wirkt nicht, weil sie süß ist, sondern weil sie einen sehr niedrigen pH-Wert hat. Ab der 3. Lebenswoche sind die maternalen Antikörper als Schutz für das Ferkel langsam aufgebraucht. E.coli docken an die Darmschleimhaut an und lösen Durchfall aus. Gutes Management und sauberes Futter verhindern den Durchfall. Cola auch, denn sie säuert das Futter an und verhindert das Wachstum gram-negativer Bakterien. Auch wenn der Erfolg durch die Veterinärmedizin gedeckt wird, spielen Haltung, Stallhygiene und Betriebsmanagement noch immer eine entscheidende Rolle.

In Südwestdeutschland werden die ersten Möhren geerntet. Durch die warmen Tage haben sich die Pflanzen zum Teil nach dem kühlen Frühjahr erholt. Bedient werden zuerst Regionalprogramme und Großmärkte. Supermärkte kommen erst später dran. Zum Teil haben die Landwirte die Ernte im Vorgriff eingefahren, damit die Flächen für weitere Bestellungen frei sind. Als zweite Möhren-Region folgt das Rheinland Mitte Juni.

LEH und Unternehmen

Mit den steigenden Preisen für Lebensmittel in Deutschland nimmt der Begriff „Inflation“ an Fahrt auf. Lange Jahre waren die stabil niedrigen Preise eine Inflationsbremse für deutsche Konsumentendas europäische Statistikamt warnt vor einem Preisplus von vier Prozent zum Jahresende. Für den Euroraum allerdings geht es nur um 0,6 Prozent. Dahinter verbirgt sich eine unterschiedliche Entwicklung in einzelnen Ländern und im Lebensmittelsektor auf unterschiedliche Entwicklungen zwischen den Produkten. Die Produzenten sind zwischen Preisanpassung und Ausrichtung nach niedrigen Preisen eingeklemmt.

Mit einer App können polnische Konsumenten die Herkunft ihrer Lebensmittel ermitteln. Mit einer Skala von null bis 100 Punkten wird die Beteiligung der polnischen Wirtschaft ermittelt. Beispielsweise, ob der Firmensitz in Polen oder im Ausland ist. Lidl nutzt die sogenannte Pola-App und demonstriert, dass der Umsatz mit polnischen Lebensmitteln bei 70 Prozent liegt. Der Discounter hat zudem viele Produkte mit dem Gütezeichen „Polnisches Produkt“ aufgenommen. Mit gezielten Werbekampagnen für polnische Produkte hat Lidl sich bislang aus der Kritik über unfaire Handelspraktiken gegenüber polnischen Lieferanten herausgehalten.

Die Handzettelwerbung hat sich in den vergangenen Jahren auf stabilem Niveau von knapp unter 50 Prozent Werbeanteil gehalten. Seit 2019 stürzt der Gebrauch nahezu ab. Marlene Lohmann vom EHI-Retail Institut glaubt, der „Tipping Point“ für die klassische Handzettelwerbung ist erreicht und wird 2024 bei einem Anteil von 24 Prozent liegen. Im gleichen Maße werde die personalisierte Werbung zunehmen.

Ist Click und Collect Online- oder Offline-Handel? Die Frage ist entscheidend, denn bei Fernabsatzverträgen bekommen die Kunden ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Das möchte der stationäre Handel vermeiden. Ob Click & Collect Online oder Offline ist, hängt vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ab. Wird (BGB § 312c) der Kaufpreis Online gezahlt, ist es ein Online-Geschäft. Ansonsten sind die AGB im Bestellprozess entscheidend. Nach Urteil des OLG Frankfurt (Az. 6U181/19) gilt aber auch die Wahrnehmung des Kunden.

Das Edeka-Zentrallager in Marktredwitz ist zu klein geworden. Für Anfang Juli ist  an der A93 der Spatenstich für das rund 100.000 Quadratmeter große Gebäude geplant, für dessen Bau die Edekaner etwa 310 Millionen Euro in die Hand nehmen. Neuer Bedarf zeichne sich im Frische-, Tiefkühl- und Trockensortiment ab.

Der britische Supermarkt Tesco und der französische Supermarkt Carrefoure beenden zum Jahresende ihre erst vor drei Jahren gegründete Einkaufsallianz. Die französischen Wettbewerbsrichter hatten der Gemeinschaft nur unter Auflagen zugestimmt, die bei Obst und Gemüse umgesetzt wurden. Durch Restriktionen seien aber keine Synergien mehr zustande gekommen – und das britisch-französische Einkaufsnetz wird beendet.

Gustavo Gusto geht auf zwei Studenten zurück, die 2003 eine Studentenpizzeria gründeten. Daraus entwickelte sich eine etwas teurere Tiefkühlpizza, die wie frisch hergestellt schmecken soll. Und die Firma Franco Fresco im bayerischen Geretsried. Die weitet jetzt ihre Produktionsstätte aus und eröffnet ene neue Fertigung am Standort Artern im thüringischen Kyffhäuserkreis. Dort hatte das Schweizer Unternehmen Aryzta Bakeries bis 2020 gebacken. Anfang 2022 werden die ersten TK-Pizzen aus Thüringen ausgeliefert.

Coke und Heineken: Der portugiesische Wasserfan Christiano Ronaldo hat bei der Europameisterschaft auf einer Pressekonferenz die vor ihm stehenden Brauseflaschen eines Sponsors zur Seite gestellt und eine Flasche Wasser in die Höhe gehalten. Sein französischer Berufskollege Paul Pogba hat am nächsten Tag nachgezogen. Der Muslime hat die Flasche Bier eines weiteren Sponsors weggestellt. Der Konsumentenboykott hat derzeit keine Auswirkungen auf den Abverkauf der Getränke, kann aber angesichts der Prominenz weitere Kreise ziehen.

Welthandel

Die Knappheit an Rohstoffen, steigende Preise und der hohe Bedarf in China und den USA schlagen mittlerweile auch auf den Non-Food-Markt im LEH zurück. In Asien verknappt sich der Faktor Arbeit, weil nach dem Neujahrsfest viele Wanderarbeiter aus Angst vor Corona nicht mehr in die Produktionsregionen zurückgekehrt sind. In den USA macht sich die Stimulus-Zahlung an die Konsumenten in einer hohen Nachfrage bemerkbar.

Fairtrade hat mit „Impact Diaries“ eine neue Plattform geschaffen, auf der Erzeuger weltweit in Videotagebüchern über ihre Arbeit und ihr Leben berichten. Zu Wort kommen Bauern und Bäuerinnen, die ihre Fairtrade-Projekte für existenzsichernde Einkommen vorstellen: http://www.impactdiaries.de/

roRo / VLE

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