LEH auf den Punkt…

Handel

LEH-Trends bis Mitte Juli

Produkte und Märkte

Kirschen

Aus dem Alten Land vor den Toren Hamburgs kullern die ersten deutschen Süßkirschen in die Obst-Abteilungen. Dieses Jahr sind die Landwirte rund zehn Tage später als üblich. Im Alten Land wachsen Süßkirschen auf 500 Hektar und sind zum größten Teil zum Schutz vor Regen überdacht.  Auch in der Region Hannover haben die Pflücker ihre Arbeit begonnen, Dort hat es im Frühjahr leichte Frostschäden gegeben. Die erste Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes rechnet mit 34.700 Tonnen Süßkirschen in diesem Jahr. Das sind 5,8 Prozent weniger als im Vorjahr, aber sechs Prozent über dem 10-Jahres-Durchschnitt.

Bei den Sauerkirschen rechnen die Statistiker mit 11.100 Tonnen. Das sind 15 Prozent weniger als 2020 und 26 Prozent weniger als der 10.Jahresschnitt. Allerdings ist die Anbauflächen bei Sauerkirschen um 60 Prozent auf 1.800 ha zurückgegangen.

Kartoffeln

Die Anbaufläche von Kartoffeln ist in den letzten Jahren um 30.000 Hektar auf 273.000 ha gestiegen. Auf vier Prozent wachsen Bio-Kartoffeln. Im vergangenen Jahr haben die Landwirte erstmals seit 2017 wieder mehr als 42 Tonnen je Hektar geerntet. Die Zahlen spiegeln den Trend für mehr Kartoffeln auf den Tellern wider. Der Verzehr stieg um zwei Kilogramm auf 57,4 kg/Person und Jahr. 35 kg allerdings entfielen auf verarbeitete Ware, wie Pommes, Chips und Kartoffelsalat.

Mehr Gemüse auf dem Teller

Verhalten haben sich die Bundesbürger beim Verzehr von Gemüse gezeigt. Das ändert sich gerade. 2020 haben die Bürger pro Kopf 40,5 Kilogramm Gemüse verzehrt. Das sind fünf Kilogramm mehr als 2019. Für die täglichen 600 Gramm an Obst und Gemüse reicht es aber noch nicht.  An der Spitze stehen weiterhin die Tomaten (12,2 kg), Möhren (9,3 kg) und Gurken mit 8,9 kg pro Kopf und Jahr.

Veganes Hotel

Lenzen an der Elbe ist das Brandenburger Eckchen, an dem in der Elbmitte die Landesgrenze zu Niedersachsen verläuft. Dort hat Joans Mog das 2007 zertifizierte Bio-Hotel auf veganen Standard aufgewertet. Nicht nur die Speisen sind vegan. Die Menükarte besteht aus Graspapier und die Bluetooth-Boxen auf den Zimmern sind aus Kork.

Nastrovje Schampanskoje

Franzosen wollen mit dem Trinkspruch nichts mehr zu tun haben. Russland hat gesetzlich verfügt, dass nur noch „russischer Champagner“  Schampanskoje heißen darf. Ausländischer Champagner wird nur noch als „Schaumwein“ in das Land gelassen. Daraufhin wollen die französischen Hersteller keinen Champagner mehr nach Russland verkaufen und appellieren an die Diplomatie, das Gesetz zu annullieren. Nur noch die Herkunftsbezeichnung „Champagne“ wird von Moskau toleriert.

Landwirtschaft

Der in Mecklenburg-Vorpommern gegründete ökologische Anbauverband „Biopark“ feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Im Verband sind rund 250 Mitglieder mit knapp 50.000 Hektar gebunden, der Verband selbst ist Mitglied im Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Stadt und Land. Was Städter essen, muss auf dem Land angebaut werden. Der typische Süßkartoffelkunde lebt in der Stadt. Der Anbau für den Hofladen ist nicht effizient. Daria und Stephan Hesse bauen in Einum, kurz vor Hildesheim, auf vier Hektar Süßkartoffel an. Der Anbau unter Folie mit Tropfenbewässerung sichert die Hälfte des Ertrages ab. Das Ehepaar hat mittlerweile sechs Jahre Anbauerfahrung und bietet die Süßkartoffel in einer Verkaufskiste neben dem Blumenfeld an.

Die Viehhalter in Deutschland sind größter Sorge. Nachdem Aldi die LEH-Haltungsformen 1 und 2 aus den Regalen verbannen will, zog die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland bei Stufe 1 nach. Sobald es keinen Absatz mehr für die ersten Stufen gibt, müssen die Landwirte auf einen Stall der nächsten Stufen umsteigen. Dort sind die Kosten bis zum Dreifachen höher. Probleme gibt es auch bei der Brancheninitiative Tierwohl. Die Nachfrage bei ITW-Fleisch ist regional gedeckt und die Bauern bekommen keine Zusatzprämie mehr.

LEH und Unternehmen

Mymuesli plant nach Branchenmeldungen einen Gang an die Börse. Die Umwandlung von einer GmbH in eine AG ist im Handelsregister bereits vollzogen worden.

Der EcoScore ist als Maßstab für die Auswirkungen eines Produktes auf die Umwelt dem NuriScore nachempfunden und hat bereits einzelne Hersteller gefunden, die mit dieser standardisierter Bewertung, ihre Produkte deklarieren. Jetzt wurde eine Europäische Bürgerinitiative ins Leben gerufen, die bei Erfolg die Kommission zu einem Gesetzesentwurf veranlassen wird. ( https://europa.eu/citizens-initiative/initiatives/details/2021/000005_en )

Homann (1876 gegründet) schließt zum Jahresende aus wirtschaftlichen Gründen sein Feinkost-Werk in Dissen am Teutoburger Wald nahe Bielefeld. Dort hatte die Luxemburger Müller-Gruppe (Theo Müller hatte 2011 Homann übernommen) zuletzt rund 170 Millionen für die Dressing-Produktion investiert. Der Spezialist könne aber mit den Salaten in den Supermärkten nicht mithalten. Die Marke Homann Feinkostsalate wechselt zum niederländischen Salatspezialisten Signature Foods BV. Der gehört der britischen Investmentgesellschaft Pamplona Capital Management. Der Standort Homann in Bad Essen bleibt erhalten. Dressings und Saucen bleiben bei Homann und die Fischprodukte werden künftig von Nadler verkauft.

Mit Barschen und Basilikum begann die Ära der Aquaponik in der Rewe Group. Die Produktion in einem geschlossenen Kreislauf läuft seit vier Jahren in Berlin und wird jetzt durch Buntbarsche und Basilikum ergänzt.

Der Großmarkt Düsseldorf wird nach lokalen Nachrichten zufolge Ende 2024 geschlossen. Nur die Blumenhändler bleiben am Ort. Ursachen sind Uneinigkeit bei den Händlern und die Frage, welche Kosten Stadt und Großmarkt übernehmen.

In Berlin-Karlshorst steht schon seit drei Jahren eine E-Ladesäule auf dem Parkplatz der Bio Company. Noch in diesem Jahr will die Bio-Supermarktkette den Berliner Bestand auf zehn Säulen erweitern. Fernziel sind Ladestationen an allen 62 deutschen Standorten. Der nachhaltige Strom ist für Kunden kostenfrei.

Die Digital Natives kennen „Mitliebezurtorte“, „Suski goes grenn“, „Fitgreenmind“ und „Freiknuspern“. Wer auf den Geschamck gekommen ist, liegt richtig. Dahinter verbergen sich Evelin, Miia, Maya und Fabienne. Alle vier stehen jetzt bei Globus als Influenzerin unter Vertrag und sollen zum Beispiel die vegane Ernährung bewerben.

Im Rahmen einer Eigenkapitalrunde konnte die Berliner Veganz Group AG mit dem Fond Paladin One und dem Sohn von Marcel Maschmeyer, dem Sohn von Carsten M., namhafte Investoren für die pflanzliche Käse-, Fisch- und Fleischproduktionsfirma gewinnen. Auf 9.000 Quadratmeter will Veganz eine zweite Produktionsstätte im Berliner Speckgürtel bauen.

Die „Growing Center“ von Infarm erreichen auf 25 Quadratmeter Fläche eine Höhe von bis zu 18 Meter und erzielen das Äqivalent von bis zu 10.000 Quadratmeter Ackerland. Das wäre ein Hektar Land. Das Urban-Farming-Unternehmen hat mit der Bünting Unternehmensgruppe eine weitere Kooperation abgeschlossen. Zu Bünting gehören Combi und famila-Nordwest. Bis 2025 will Infarm in 100 Städten in 25 Ländern tätig sein.

Welthandel

Der Stau von 130 Containerschiffen vor dem viertgrößten Hafen der Welt, Shenzhen-Yantian, sei schlimmer als der Stau beim im Suez-Kanal querliegenden Frachter. Der Ausbruch von SARS-CoV-2 hat den Hafen mit einer Umschlagskapazität von 27 Millionen TEU-Containern stillgelegt. Hamburg kommt gerade einmal auf neun Millionen TEU. Rund 90 Prozent aller chinesischen Elektroteile verlassen das Reich der Mitte über Shenzhen. Vor Jahresende wird es keine Entspannung geben, heißt bei der Reederei Maersk.

Klimafreundliches Liegen: Die fünf Seehäfen Rotterdam, Hamburg, Bremen, Antwerpen und die Haropa Ports (u.a. mit Le Hevre) haben in einem Klimapakt beschlossen, die am Kai liegenden Seeschiffe mit Landstrom zu versorgen, damit die Schiffsgeneratoren abgeschaltet werden können. Das verbessert die Luft und spart Emissionen ein.

Apropos Container: Die Hapag-Lloyd hat die koreanische Werft Daewoo mit dem Auftrag für sechs Containerschiffe mit 23.500 TEU beglückt. Nach dem Jahresende 2020 ist das der zweite Neubauauftrag in gleichem Umfang. Die auch mit LNG fahrenden Container sollen auf der Europa-Fernostroute eingesetzt werden.

Die aktuelle Auswertung der US-Agrarexporte für die ersten vier Monate 2021 laufen nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums auf einen neuen Rekord in Höhe von 59 Milliarden US-Dollar hinaus. Robuste weltweite Nachfrage, hohe Preise und günstige Produktionskosten in den USA haben zu dem Ergebnis beigetragen. Liefe es so weiter erreicht der Agrarexport Ende Dezember ebenfalls den Rekordwert von 154,5 Milliarden US-Dollar.

Peru ist wieder zurück auf dem Weltmarkt für Süßkartoffeln. Im ersten Halbjahr brach der Export auf rund 3,4 Millionen Kilogramm Süßkartoffeln ein. Im ersten Halbjahr 2021 waren es wieder 6,5 Millionen Kilogramm mit einem Wert von 2,5 Millionen US-Dollar. Fast die Hälfte der Ausfuhren gehen in die Niederlande.

roRo / VLE

© Herd-und-Hof.de Nutzungswünsche: https://herd-und-hof.de/impressum.html

Zurück