LEH auf den Punkt…

Handel

LEH-Trends bis Ende Juli

Produkte und Märkte

Radies

Nach einem hochpreisigen Start in die Saison gelang es den roten Früchtchen den Bedarf zu decken und die Preise haben sich normalisiert. Jedoch zeichnet sich eine Unterdeckung der Nachfrage ab, weil die kühle Frühjahrswitterung doch ihre Spuren hinterlassen hat. Im Südwesten haben Unwetter jüngst das Blätterdach der Radieschen geschädigt. Andere Regionen können mangels Anbau für keinen Ausgleich sorgen.

Beeren

Wild wachsende Brombeeren sind ein herrlicher Snack für zwischendrin. Neben dem LEH finden Kundige sie auch im Wald, während Gärtner sie eher als Pflanze ablehnen. Hat sich eine Pflanze einmal angesiedelt sorgen meterlange Wurzelausläufer für das Austreiben am gleichen und neu zu erobernden Platz. Genau das macht sie aber bei Gärtnern unbeliebt. Die sechs bis acht Wochen reifenden Beeren können Hausgärtner durch konsequente Erziehung mit Spalieren und Spanndrähten dennoch nutzen.  Es gibt auch Sorten ohne Stacheln. Im gewerblichen Gartenbau wachsen sie nur auf rund 150 Hektar. Mehr als die Hälfte davon in Baden-Württemberg. Frischware kommt aus den Niederlanden und Ungarn, TK-Ware meist aus dem Baltikum.

Die Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen haben den Nachschub von Erdbeeren aus dem Rheinland abrupt unterbrochen. Damit wird der Markt Ende Juli unterversorgt sein. Die Preise sind auf 3,70 bis 4,80 Euro je Kilogramm angestiegen und in Ostdeutschland mangels Nachfrage ausgelistet worden.

Vitalstoffranking

Die Bundesvereinigung Obst und Gemüse (BVEO) gibt nach einer US-Studie das Vitalstoffranking, bei der die 17 wichtigsten Vitamine und Mineralstoffe in Prozent je 100 Gramm wiedergegeben wurden. Ganz vorne steht die Brunnenkresse, die 100 Prozent des empfohlenen Tagesbedarfs deckt. Dann folgen Chinakohl (92 %), Mangold (89 %), Rote Beete (87 Prozent), Spinat (86 %), Chicorée (73 %), Blattsalat (70 %), Petersilie (66 %), Romanasalat (63 %) und Kohlblätter (62 %)

TK-Gemüse

Ernährungsberaterin Tessa Rehberg weist tiefgefrorenem Gemüse durch die schnelle Frostung mehr Vitamine als natürlichen Produkten zu, die zwischen Feld und Verbraucher oft zu lange unterwegs sind. TK-Gemüse sei vor allem als Vorratshaltung eine gesunde Alternative. Wer in diesem Jahr sein Gemüse selbst einfrieren will, sollte auf kleine Packungen achten, denn bis ein 2-kg-Beutel ordentlich durchgefroren ist, dauert es im heimischen Kühlschrank zu lang.

Buschbohnen

Die regionale Ware kommt nur zögernd in den Handel. Im Vergleich zu 2021 hat es Ende Juli nur eine statt fünf Werbeaktionen auf Handzetteln gegeben. Bislang gelangt nach der AMI nur Norddeutsche Ware in die Geschäfte. Verbraucher sehen das an den Preisen, die mehr als 50 Prozent über Vorjahresniveau liegen

Pflaumen und Zwetschgen

Sie sind zurück: Die ersten Pflaumen und Zwetschgen erobern die Obstabteilungen. 41 Prozent der Konsumenten zählen die „blauen Dinger“ zu ihrem Lieblingsobst. Im vergangenen Jahr haben sie 76.800 Tonnen davon verspeist. Die Hälfte kommt aus Deutschland und das meiste aus Baden-Württemberg (10.700 t) und Rheinland-Pfalz (10.300 t). Die frühen Sorten heißen übrigens „Ruth Gerstetter“ und „Hermann“. Die mengenstarke „Katinka“ wird seit Mitte Juli geerntet.

Kasten Bier für 50 Euro

Möglicherweise wird jeder den Satz zweimal lesen und jede Zweite sich fragen, ob es das Wert sei. Craft-Biere finden bei Preisen von durchschnittlich 15 Euro pro Kasten in Nordbayern und Thüringen ihren Markt. Sie gelten als „Sahnehäubchen im Sortiment“ und refinanzieren höherpreisigen Hopfen, moderne Technik und ständig neue Rezepturen mit Zitrusfrüchten oder Kirschen über den Preis. Nach Medienberichten sind städtische Jugendliche die Hauptabnehmer dieser Craft-Biere.

Landwirtschaft

Die Statistiker haben genau nachgezählt: Die Zahl der Biobetriebe ist in Baden-Württemberg in den vergangenen zehn Jahren um 47 Prozent gestiegen. Zum Jahresende 2020 bewirtschafteten 4.500 Öko-Betriebe 75.000 Hektar. Das ist ein Ökoanteil von zehn Prozent.

Zusammen mit der britischen Supermarktkette Tesco hat der WWF einen neuen Bericht über die Lebensmittelverschwendung zusammengestellt. Rund 40 Prozent der global erzeugten Lebensmittel werden nicht konsumiert Das ist ein Drittel mehr als 2011 und die Hälfte davon geht auf den landwirtschaftlichen Betrieben verloren. Das sei nicht nur ein Thema für die Entwicklungsländer. So werden oft Produkte angebaut, für die es keinen Markt gibt und der Ressourcenaufwand ist verloren.

Anden-Rasenmäher: Drei Stuten eines niedersächsischen Alpaka-Züchters halten die  Streuobstwiese einer Familie in Schuss. Wenn sie das Grün zwischen den Obstbäumen vertilgt haben, geht es wieder zurück auf die Farm. Aber: Alle drei Alpaka-Stuten waren trächtig und die Streuobstbauern sind mit der Pflege eines Kameliden-Nachwuchses beschäftigt. Vicugna pacos wird eigentlich zur Wollproduktion gehalten.

Wojciechowski II: Kenner der Szene wissen, dass der EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski heißt. Die Amerikaner haben jetzt auch einen. Adrienne Wojciechowski ist seit vielen Jahren in der Agrarverwaltung der USA für Landwirtschaft, Klima und Schutzgebiete verantwortlich. Zuletzt war sie als Beraterin für Agrar und Umwelt für Senator Patrick Leahy tätig. US-Präsident Biden hat Adrienne W. jetzt zur Vizesekretärin für Kongressangelegenheiten im US-Landwirtschaftsministerium ernannt.

LEH und Unternehmen

Die Bünting Gruppe aus Leer ist der Branchen-Initiative Tierwohl (ITW) beigetreten. Seit Mitte Juli listet der Lebensmittelhändler in allen Combi und famila-Märkten schrittweise das gesamte Tierwohlprogramm bei Puten-, Hähnchen- und Schweinefleisch ein. Zudem wird Bünting küftig das vierstufige Haltungslabel des Handels nutzen

Ocado hat in Hatfield bei London seinen Firmensitz. Der börsennotierte Online-Lebensmittelhändler nutzt Roboter bei der Kommissionierung. Zwei Jahre nach einem Großbrand  gab es in einem Fulfilment-Center zum zweiten Mal einen Brand der durch den Zusammenstoß von Robotern entstanden ist.

Der Getränkelieferant „flaschenpost“ aus Münster hat nach einer Testphase am Firmensitz seinen Lieferservice in Düsseldorf und Langenfeld um die Sortimente Obst und Gemüse, Frischeprodukte und Tiefkühlware  ausgeweitet. Das Sortiment von nunmehr 3.600 Artikeln auf weitere Metropolen ausgeweitet werden.

Die 1891 in Bielefeld gegründete Konditorei Dr. Oetker hat als weltweit agierendes Lebensmittelunternehmen noch immer viele Gugelhupf-Rezepte im Sortiment. Der Napfkuchen ist Namensgeber des ersten eigenen Kaffeehauses und Restaurant der Firma. „Gugelhupf & Du“ bietet in der Frankfurter Innenstadt 300 Gästen Platz für ein Stück Gugelhupf, und auch vegetarische und vegane Spezialitäten.

Aktjes – jes, jes, jes… Das Süßwarenunternehmen aus Emmerich hat für seine Katzenkinder-Fangemeinde Anzeigen geschaltet, in „Greenfood“ zu investieren. Die extra geschaffene Beteiligungsgesellschaft sammelt Kapital für eine nachhaltige Revolution in der Lebensmittelindustrie. Die Aktien können ausschließlich online gezeichnet werden und deren Erwerb ist „ mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen“, wie es in der  Verbraucherinformation der Anzeige heißt. Mit dem Kapital sollen Start-ups für die pflanzenbasierte Ernährung unterstützt werden.

Der BioMarkt Verbund, dem Zusammenschluss der selbstständigen Biomarktbetreiber mit Denns Biomarkt, hat sein Kundenmagazin „Kreo“ mit dem ebenfalls vier Mal im Jahr erscheinenden „Kreomi“ um ein Kinderheft erweitert, das die Kleinen zwischen dem sechsten und 12. Lebensjahr ansprechen will. Das Mitmachheft wird in allen Biomärkten in Deutschland und Österreich kostenfrei vertrieben.

Nur echt mit Folienverschluss: Der mit Draht versehene Folienverschluss einer Sektflasche ist seit über 100 Jahren ein Schutz vor Plagiaten. 50 Winzer bekamen Ärger bei der Betriebskontrolle, weil sie ihren Sekt ohne den traditionellen Verschluss anboten. Der Zierrat sei umweltfeindlich. Einer der Winzer zog vor Gericht und unterlag jetzt vor dem Verwaltungsgericht Trier: Der Foliendeckel bleibt, wie es in der EU-Verordnung auch beschrieben ist.

Der Cowboy sagt „Good-bye“: Die Zigarette am Lagerfeuer hat den Marlboro-Cowboy und die Marke weltberühmt gemacht. Das empathische Feuer für die Raucher ist längst verloschen. Offenbar steigt auch Marlboro selbst aus dem Zigarettengeschäft aus. Die britische „Mail on Sunday“ zitiert den Geschäftsführer von Philip-Morris Jacek Olczak mit der Aussage, dass die Glimmstengelfirma Großbritannien in zehn Jahren verlassen wird. „Die Marke Marlboro wird verschwinden.“

Welthandel

Von China nach Wilhelmshaven: Mit 100 TEU Volumen ist Mitte Juli der erste Zug aus China am JadeWeserPort in Wilhelmshaven angekommen. Die Bahn startete am 25. Juni in Hefei und brachte Textilien und Elektroartikel über die „One Belt One Road“ Verbindung. Von Wilhelmshaven aus werden die Container über die Hinterlandanbindungen weiterverteilt. Die Hafenbetriebsgesellschaft Hefei International Land Port (HILP) hat sich auf Ganzzüge nach Mitteleuropa und Zentralasien spezialisiert.

Die Rohstoffpreise reagieren kurzfristig auf gute Ernteprognosen, aber auch auf Wetterereignisse, wie die Hitze in den USA und die Überflutungen in Westdeutschland. Das rauf und runter kann eines nicht übertünchen: Die Preise zeigen einen langfristigen Trend nach oben. Soja, Pflanzenöle und Mais sind Treiber für höhere Kosten in der Lebensmittelverarbeitung. Nestlé ist der erste, der über ein grundsätzlich höheres Preisniveau für Lebensmittel spricht und umsetzt. Das darf als Signalwirkung für andere Konzerne gelten – und nur der LEH wehrt sich noch gegen die Weitergabe an die Kunden. Aber wie lange noch?

Der Mandelbaum gehört zu den Rosengewächsen. 80 Prozent der weltweit gehandelten Mandeln kommen aus Kalifornien. Sie stellen etwa 25 Prozent der EU-Mandelimporte. Nach dem trockensten Mai seit 127 Jahren haben Landwirte ihre wasserliebenden Bäume begonnen abzuholzen. Die gesamte Mandelproduktion in den USA wird nach Analysten in diesem Jahr um zehn Prozent abnehmen.

roRo / VLE

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