Marktschnipsel im Russlandkrieg

Handel

Agrar-Geschäftsticker im Russlandkrieg vom 02.03.2022

In Nigeria steigen die Benzinpreise. Das Land ist zwar der größte Erdölexporteur auf dem Kontinent, importiert aber zu 100 Prozent Benzin und Diesel. Die vier Raffinerien im Land liegen wegen Korruption und technischen Defekten still. Zusammen könnten sie täglich 440.000 Barrel Rohöl verarbeiten. Nigeria leidet in besonderer Form unter dem Russlandkrieg.

Indische Banken vermerken die ersten offenen Rechnungen für Exporte nach Russland. Wie hoch die Ausfälle aktuell sind vermag die „Times of India“ nicht zu beziffern. Neben Pharmazeutika exportiert Indien Kaffee und Tee nach Russland. 2021 waren es Waren im Wert von 3,3 Milliarden US-Dollar. Die Indische Zentralbank arbeitet an einem Hilfspaket.  

Bulgarische Landwirte haben wegen der anhaltend hohen Rapspreise schon zur Herbstaussaat 2021 die Rapsfläche um 15 Prozent auf 140.000 Hektar erhöht.  Der Raps ist gut durch den Winter gekommen und für die Ernte 2022 werden 350.000 Tonnen Raps erwartet. Um die hohen Düngerpreise zu umgehen wollen die Landwirte dieses Frühjahr von Mais auf Sonnenblumen ausweichen. Die Anbaufläche soll um mindestens zwei Prozent steigen und würde dann 860.000 ha umfassen. Das entspräche einer Ernte von zwei Millionen Tonnen. Bulgarien ist mittlerweile ein Nettoexporteur von Sonnenblumenöl und Sonnenblumenschrot.

In einem offenen Brief hat sich Ekosem-Vorstand Stefan Dürr an seine Anleger gewandt. Darin heißt es, dass bis Ende der vergangenen Woche die Auswirkungen des Russlandkriegs auf die Geschäfte des größten Agrarbetriebes in Russland noch in Grenzen halten. Durch die Währungsturbulenzen sinken es für die beiden Euro-Anleihen im Gesamtvolumen von 120 Millionen auf Ausfallniveau. Die Anleihen wurden erst vor einigen Jahren bis Ende 2022 verlängert, was aber jetzt wohl knapp werden dürfte, so Dürr. Wie sich die Abwertung des Rubels und die Anhebung der Zinsen auf das Agrarunternehmen auswirken, konnte Dürr am Dienstag noch nicht absehen. Ekosem verdient mit seinen 110.000 Milchkühen und 630.000 Hektar Ackerfläche sein Geld mit Rubel, die Anleihen notieren aber in Euro.

Ukrproduct hat am Dienstag angekündigt seine Produktionsstätte von Schytomir, rund 100 Kilometer westlich von Kiew, zu verlegen. Das Unternehmen ist einer der führenden Hersteller von Milchprodukten und Fruchtsäften in der Ukraine und exportiert nach Belgien, Bulgarien, Dänemark, Japan, die Niederlande und in die Türkei. Der Entschluss fiel angesichts des Militärkonvois, der in Richtung Kiew rollt. Und einen Tag bevor russische Bomben die Stadt zum Teil zerstörte.

Die Lachsfarmer der Färöer Inseln haben den Export über Bakkafrost nach Russland gestoppt. Der größte Aktionär ist der norwegische Versicherungsfonds. Die Exporte nach Russland stellten zehn Prozent des Gesamtexportes. Der norwegische Exporteur Leroy hat die Geschäftsbeziehungen mit Belarus beendet. Belarus galt bislang als Schlupfloch für Produkte, für die Russland offiziell mit einem Embargo belegt hat.

Die Sojaproduktion in Argentinien wird mit einem Minus von vier Millionen Tonnen auf nur noch 41 Millionen Tonnen geschätzt. Die Januar-Niederschläge haben die Trockenheit und hohen Temperaturen in ihrer Wirkung auf die Pflanzen nicht auszugleichen vermocht. Zudem werden die Sojaimporte aus Paraguay wegen der dortigen Dürre um die Hälfte auf zwei Millionen Tonnen reduziert. Da die argentinischen Landwirte ihr Soja nur zögerlich abgeben, werden in der zweiten Jahreshälfte 2022 lediglich 39 Millionen Tonnen geschrotet. In der Summe geht der Export um 700.000 Tonnen auf drei Millionen Tonnen zurück.

Der Geschäftsführer der US-Investmentfirma Apollo. Marc Rowan, glaubt an eine Erhöhung der Leitzinsen der Zentralbanken, um die Inflation einzubremsen. Jede Verlangsamung das Wirtschaftswachstum bringe die Preise wieder runter.

Die niederländische Reederei Mediterranean Shipping Company (MSC) hat mit dem 01. März jegliche Buchungen von und nach Russland gestoppt. Alle möglichen Routen, wie über das Baltikum, das Schwarze Meer und Russland-Fernost, nehmen keine Container von und nach Russland mehr an Bord. Ausnahme sind Lebensmittel, medizinische Ausrüstung und humanitäre Ware. Fracht, die noch auf dem Weg ist, wird auch gestoppt. Die Kunden werden von der Reederei direkt kontaktiert.

Roland Krieg, VLE

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