Marktschnipsel in Putins Krieg
Handel
Agrar- und Geschäftsticker in Putins Krieg
Die Mittel sind schon da. Im Sommer aber will die amerikanische Regierung 250 Millionen US-Dollar aus der staatlichen Commodity Credit Corporation umwidmen und in den Aufbau der heimischen Düngerproduktion stecken. In den USA gebe es einen Mangel an Wettbewerb und die Abhängigkeit von Düngemittelimporten. Bei Stickstoff, Phosphor und Kali nehmen die USA jeweils den zweiten Platz bei den globalen Importeuren ein.
Auch Brasilien investiert in die eigene Düngemittelproduktion. Derzeit werden 85 Prozent der Dünger importiert. Bis 2025 soll die Importquote auf 45 Prozent sinken. Der Importdünger wird für die Produktion von Soja, Mais und Zuckerrohr gebraucht. Russland hat bislang 20 Prozent der Dünger geliefert.
Die Firma Milde Handel und Transport aus dem Saalekreis in Sachsen-Anhalt hat die ersten Lkw still gelegt. Die innerhalb von zwei Wochen um 60 Cent gestiegenen Dieselpreise lassen sich nicht mehr auf die Kunden abwälzen. Der Bundesverband Güter Logistik und Dienstleistungen hatte schon davor gewarnt, dass die Transportbranche stark betroffen sein wird. Die Umstellung auf Elektro-Lastwagen findet nicht auf ganzer Breite statt. Ohne Diesel-Lkw bleiben die Regale leer. Die Bundesregierung ist noch uneins, wie der Wirtschaft und den Pendlern am schnellsten geholfen werden kann.
Chinas Erlaubnis für den Export von russischen Weizen ist nicht zwingend ein Signal der Solidarität. Die Chinesen haben sich selbst im Blick, denn die Weizenpreise im Land sind umgerechnet auf über 500 Euro je Tonne gestiegen und übertreffen damit sogar die Preise an der Euronext. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage geht schon länger auseinander und der chinesische Winterweizen soll der schlechteste der Geschichte sein.
Alle reden vom Getreide. Aber Engpässe gibt es auch bei Fleisch. Rindfleisch unterliegt seit Monaten steigenden Preisen und das Angebot wird sich bis Ostern weiter verknappen. Die Preiserholung bei Schweinen hat zu einem rasanten Preisanstieg geführt, den die Schlachtkonzerne kaum noch bezahlen können. Und die Alternative Geflügelfleisch wird knapp. Die Ukraine hatte bislang jede Woche 3.000 Tonnen geliefert, was jetzt ausbleibt.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) fordert eine Priorisierung bei den Wirtschaftshilfen gegen steigende Rohstoff- und Energiepreise. Die Agrar- und Lebensmittelmärkte müssen offengehalten werden, damit die Unternehmen Sicherheit bei den Rohstoffpreisen bekommen.
Nach den Gas- und Benzinpreisen werden die Preise für Lebensmittel folgen. Gegenüber der Schweizer Sonntagszeitung „Le Matin Dimanche“ sagte John Plassard von der Genfer Bank Mirabaud, dass alle Grundnahrungsmittel von Preissteigerungen von zehn bis 15 Prozent betroffen sein werden. Bislang haben sich die Händler zurückgehalten, aber die jetzigen Energiepreise werden in den nächsten Monaten weitergegeben.
„Aktuell ist die Lebensmittelversorgung in Österreich nicht bedroht“, betonte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger am Donnerstag in einer Aussprache zu aktuellen Themen im Landwirtschaftsausschuss des Parlaments. Es gehe weniger um die Verfügbarkeit, sondern um die Entwicklung der Preise. Um schnell reagieren zu können, habe man einen Einsatzstab zur Lebensmittelversorgung in ihrem Ressort eingerichtet.
Sprecher des Auswärtigen Amtes: Es gibt keine Sanktionen gegen russische Lebensmittelexporte. Es gibt möglicherweise Effekte der sogenannten „overcompliance“ oder sozusagen eine Wirkung von Sanktionen beispielsweise im Finanzbereich, die diese Praxis erschweren.“
Der Export von russischem Weizen aus Häfen des Schwarzen Meeres geht weiter, Nur die Schifffahrt durch das Asowsche Meer ist gesperrt. Am 11. März lag der Preis für Weizen (12,5 Prozent Protein) bei 415 US-Dollar pro Tonne Free on Board. Wegen der starken Exportnachfrage sollen Landwirte nach Angaben des Marktbeobachters IKAR die Liefererfüllung für den Binnenmarkt verweigern. Trotz eines Exportverbotes von Getreide in frühere Sowjetrepubliken soll es undokumentierte Lieferungen aus Sibirien nach Kasachstan geben. In einigen Anbauregionen hat es einen Frosteinbruch gegeben. Eine dicke Schneedecke schützt die Winterkulturen.
Russland verhökert Erdöl. Indien importiert zwar 80 Prozent seines Rohölbedarfes, davon aber nur zwei bis drei Prozent aus Russland. Die gestiegenen Energiekosten haben auch indische Verbraucher belastet. Daher greift New Delhi auf ein Sonderangebot Russlands zurück, das sein Erdöl zu Discountpreisen verschleudert.
Der Internationale Währungsfonds prognostiziert einen Einbruch der ukrainischen Wirtschaft um 35 Prozent, sollte der Krieg weitergehen. Der IWF hat den Maximalbetrag von 1,4 Milliarden US-Dollar Hilfe an die Ukraine ausgeschüttet.
Die hohen Lebensmittelpreise in Indien verändern das Einkaufverhalten. Die Verbraucher weichen auf Eigenmarken aus. Auch preiswertere Großpackungen finden vermehrt Absatz, wie Kantar´s Worldpanel analysiert.
Die Philippinen haben die Entsendung von Arbeitskräften in die Ukraine unterbunden. Dafür ist der Staatssekretär Silvestre Bello III auf dem Weg nach Kanada, um ein neues Entsendegesetz für philippinische Arbeiter zu unterzeichnen. Die Bundesstaaten Ontario und Yukon bieten „gute Arbeitsbedingungen“ an, sagte er der Zeitung „philstar Global“.
Die rumänische Zentralbank erwartet für 2022 eine Inflationsrate in Höhe von 9,6 Prozent. Im April wird ein Spitzenwert erreicht, wenn die Energiehilfen für Strom und Gas auslaufen.
roRo, VLE
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