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Merkels Afrikareise

Handel

Kanzlerin in Senegal, Ghana und Nigeria

Es ist nicht die erste Reise der Bundeskanzlerin auf den Nachbarkontinent. Im Jahr 2016 besuchte sie Mali, Niger und Äthiopien und ein Jahr später Ägypten. Zudem hielt sie zahlreiche bilaterale Gespräche mit afrikanischen Politikern auf dem EU-Afrikatag und zur Gründung der „Compact-with-Africa-Initiative“ während der deutschen G20-Präsidentschaft. Angela Merkel unterhält also eine „sehr hohe Frequenz des politischen Austauschs mit politischen Repräsentanten Afrikas“, wie es in Regierungskreisen heißt.

Die Themen sind ja auch globalpolitisch: Wirtschaft und Sicherheit im Raum südlich der Sahara, Migration, Gesundheitspolitik, Demokratie und Demografie. Drei Tage von Mittwoch bis Freitag, drei Länder: Senegal, Ghana, Nigeria. Demokratische Länder bei denen es vor allem in Senegal und Ghana aufwärts geht, die aber dennoch starke Herkunftsländer von Migranten sind, die den Weg nach Europa suchen.

Mit an Bord des Regierungsfliegers sind Unternehmer aus den Bereichen Elektrifizierung, Automatisierung, Infrastruktur, Wasserwirtschaft und erneuerbare Energien.

Senegal

Seit drei Jahren wächst das Land um mindestens sechs Prozent jährlich. China und die Türkei sind große Investoren in dem Land, in dem 94 Prozent der Bevölkerung muslimisch sind. Zum Opfertag reicht die lokale Schafherde nicht aus und der Senegal muss Lämmer aus den Nachbarstaaten importieren. Staatspräsident Macky Sall stellt den größten Truppenteil der UN-Mission in Mali. Die ehemalige Unruheregion Casamance im Süden hat sich weitgehend beruhigt. Im Februar 2019 wird gewählt.

Das Bruttoinlandsprodukt lag im vergangenen Jahr bei lediglich 1.000 US-Dollar pro Kopf und Jahr. Deutschland hat im vergangenen Jahr Waren für 117 Millionen Euro exportiert, wie Maschinen und Nahrungsmittel, und Güter für 17,3 Millionen importiert. Hauptsächlich Nahrungsmittel und Rohstoffe. Zu den Stärken des Landes zählt die Bindung des CFA Franc an den Euro, wichtige Gold- und Gasvorkommen und eine beit aufgestellte Landwirtschaft. Gute Ernten bei Erdnüssen, Reis und Gartenbaukulturen in den beiden letzten Jahren haben einer breiten Bevölkerungsschicht ein gutes Einkommen beschert.

Der Senegal wird gerne als Hub für frankophone Nachbarländer wie Mali, Burkina Faso, Benin oder Togo genutzt. Im Aufschwung bietet sich Platz für den Export von Konsumgüter- und der Bauindustrie, sowie Maschinen für den Bergbau, die Landwirtschaft sowie Ausrüstung für die Infrastruktur von Transport, Energie und Wasser. Damit kann der wirtschaftliche Aufschwung nachhaltig gefördert werden. Deutsche Unternehmen müssen aber gegen eine starke französische Konkurrenz kämpfen und mit 16 Millionen Einwohnern ist der Gesamtmarkt relativ klein. Die größten Risiken sind nach Germany Trade & Invest (gtai) Marktintransparenz und Korruption. Viele Sektoren stehen erst am Anfang eines vollen Wachstums. Die Bevölkerung wächst. Ab 2021 soll die Gas- und Ölindustrie im Land beginnen. Die Förderlizenzen sind an Total gegangen.

Die Franzosen haben mit Auchan bei den Lebensmittelketten die Nase vorn. Der Senegal muss noch immer Weizen, Milchpulver und Endprodukte importieren. Der Lebensmittelhandel zielt aber bereits auf die kaufkräftigen Städter ab. Für die Trinkwasserversorgung hat Japan einen Kredit für eine geplante Meerwasserentsalzungsanlage für 290 Millionen US-Dollar gewährt. Die Japaner sollen das Projekt mit 50.000 Kubikmeter Trinkwasser am Tag auch realisieren. Bei der Energieversorgung fährt das Land zweigleisig. Sowohl ein Kohlekraftwerk mit 350 MW als auch ein Wasserkraftwerk mit 128 MW sind geplant.

Das Land hat mit dem Plan Sénégal Emergent (PSE) eine Industrialisierung angestrebt, die vor allem über zahlreiche Sonderwirtschaftszonen rund um Dakar beschleunigt werden soll.

Ghana

Das Verhältnis zwischen Christen (50 Prozent) und Muslimen (40 Prozent) gilt als konfliktfrei. Seit 1992 ist das Land demokratisch und hat seine Beziehungen zu Deutschland stetig ausgebaut. Ghana bildet einen Stabilitätsanker in der Region und vermittelt im Auftrag von ECOWAS im Nachbarstaat Togo. Die nächste Wahl findet 2020 statt. In Westafrika ist Ghana der zweitwichtigste Staat und Deutschlands wichtigster Handelspartner südlich der Sahara. Präsident Akufo-Addo industrialisiert das Land und ist Partner der „Compact-with-Afric-Initiative“. Deutschland hat mit Ghana vor diesem Hintergrund eine zusätzliche Reformpartnerschaft „Ghana beyond aid“ aufgelegt und will das Land unabhängiger von Transferleistungen machen [1].

Wie der Senegal hat auch Ghana mit Öl, Gas, Gold und Kakao wertvolle Rohstoffe. Der Öl- und Gassektor sind im Aufbau und der Ausblick auf gute Geschäfte forciert die Investitionen in den Einzelhandel für eine konsumfreudige Bevölkerung. Ghana liegt inmitten frankophoner Nachbarländer, was die überregionale Integration erschwert. Derzeit mehren sich Berichte über zunehmende Korruption. Die politische Stabilität hat neben internationalen Geberorganisationen wie dem IWF auch China, die Türkei und Brasilien in das Land gelockt. Für 2018 wird das Wachstum auf 7,1 Prozent geschätzt. Es gibt für Investoren und Exporteure nach Ghana zwar einen lebendigen Konsumgütermarkt, aber die Landwirtschaft kommt derzeit nicht von der Stelle. Trotz steigender Nachfrage finden keine Investitionen in das Agrargewerbe statt. Jährlich erhöht sich die Bevölkerung um 600.000 Menschen bei 28 Millionen Einwohnern. Die Diskrepanz zwichen Nahrungsmittelversorgung und Nachfrage zwingt das Land zu steigenden Importen von Weizen, Milchpulver aber auch Fleisch. Vereinzelt versuchen auch deutsche Marken wie Nivea Marktanteile mit aufwendiger Werbung zu generieren. Dazu passt, dass in Accra schon mehrere Einkaufszentren vorhanden sind. Ausländische Supermarktketten wie die südafrikanische Shoprite und das spanische City Dia breiten sich aus und verdrängen die traditionellen kleinen libanesischen Läden.

Nigeria

Dieses Land unterscheidet sich allein durch die hohe Zahl der Bevölkerung von 200 Millionen Einwohnern von den vorigen. Erst 2015 gab es die ersten demokratischen Wahlen. Präsident Buhari wird im Frühjahr 2019 wohl erneut antreten. Nigeria ist die wichtigste Regionalmacht in Westafrika und Buhari hat derzeit den ECOWAS-Vorsitz inne. In die Schlagzeilen kommt das Land derzeit nahezu ausschließlich durch die Daesh-Gruppe Boko Haram im Norden des Landes. Auch im Niger-Delta gibt es Konflikte. Aus Nigeria kommen die meisten Migranten auf die zentrale mediterrane Route. Der Ölpreiseinbruch hat dem Land zugesetzt. Mit 2,3 Prozent wächst Nigeria aktuell nur moderat.

Knapp vor Südafrika ist das Land die größte Volkswirtschaft auf dem Kontinent, die 200 Millionen Menschen sind aber unterversorgt. Jährlich wächst die Bevölkerung um weitere vier Millionen. Obwohl das Land eine breit aufgestellte Industrie aufweist ist die Infrastruktur zur Verteilung der produzierten Güter schlecht. Korruption und hohe Standortkosten erschweren Investitionen und es bestehen sektoral föderale Systeme, die eine Markttransparenz verhindern. Das Image des Landes lebt von seinem „großen Potenzial“ in allen Bereichen. In verschiedenen Millionenstädten gibt es keine Supermärkte. Seit 2015 befindet sich das Land in eienr Wirtschaftrskrise und am Ende entscheidet der Ölpreis, wann es wieder richtig aufwärts geht.

Doch hat Buhari die Krise auch genutzt und investiert deutlich mehr als zuvor in die Landwirtschaft und Nahrungsmittelverarbeitung. Mittlerweile haben nigerianische Banker und Anwälte den Agrarsektor als Investmentziel entdeckt. Im Verarbeitungsgewerbe wird derzeit in die Getränkeindustrie, in Backwaren und Bouillonwürfel investiert. Die Oberklasse in Lagos gilt auch in Krisenzeiten als sehr Kaufkraft-stabil und ist offen für Luxusartikel wie Champagner, Limousinen und Designerküchen.

China ist der wichtigste Investor in den Bereichen der Infrastruktur. Das deutsche Bauunternehmen Julius Berger hat sich in das Land gewagt, und lotet die zahlreichen Möglichkeiten aus. Mehrere Bahnlinien sind geplant,  in Badagry ein neuer Tiefseehafen für einen jährlichen Umschlag von 10 Millionen TEU. Das Land bekommt insgesamt fünf neue Flughäfen, deren Bau immer wieder unterbrochen wird.

„Compact with Africa“

Ziel dieser Initiative ist das Einbeziehen privaten Kapitals. Weil Investitionen in den insgesamt elf Ländern risikoreich sind, soll es eine bessere „Hermes-Risikoabdeckung“ geben. So ist für Ghana die Selbstbeteiligung seit diesem Jahr von zehn auf fünf Prozent abgesenkt worden. Mit Ghana gibt es ein Wirtschaftsabkommen, der Senegal und Nigeria verhandeln noch mit Deutschland. Berlin hat eine Afrikastrategie aufgelegt, die Einzelinitiativen wie den Marshallplan, Pro-Afrika und das geplante Entwicklungsinvestitionsgesetz bündeln soll.

Das besondere der bereisten Länder ist, dass viele Flüchtlinge aus diesen Ländern kommen, ohne dass es asylrechtlichen Gründe gibt. „Deswegen ist es auch so wichtig, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in dieser Region zu fördern“, hieß es vor der Abreise Merkels. In Ghana wird Angela Merkel den Start-up Inkubator Impact Hub besuchen und mit jungen Unternehmern sprechen. Schwerpunkte sind digitale Lösungen und „female entreneurship“.

Lesestoff:

[1] Ghana wird die afrikanische Schweinepest nicht los: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/afrikanische-schweinepest-in-ghana.html

Roland Krieg

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