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„Milch läuft wie verrückt“

Handel

Wo es geht, wird preisgünstig eingekauft

Auf der Einkommensseite der Verbraucher ist keine Entspannung zu erwarten. Das prognostizierte Unternehmensberater Andreas Schüren auf der diesjährigen Konferenz der Agrarwirtschaft. Der Budgetpegel in der Geldbörse bewegt sich aufgrund der steigenden Lebensmittelpreise daher nur in eine Richtung und es ist nicht verwunderlich, das auch das aktuelle Promotionstracking von Information Resources (IRI) und der Lebensmittelzeitung im zweiten Quartal nur den Trend wieder geben kann, den die ersten drei Monaten bereits aufzeigten: Verbraucher greifen bei Preissenkungsaktionen des Handels engagiert zu.

Umsatz rauf, Absatz runter
Die Preise für viele Güter des täglichen Bedarfs sind im zweiten Quartal über alle Warengruppen um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen. Die Verbraucher versuchen daher zu sparen, wo immer es geht, resümiert IRI. Im Handel sank der Absatz um 1,8 Prozent, obwohl der Umsatz um 3,5 Prozent gestiegen ist – allerdings überwiegend wegen der Preissteigerungen. Insbesondere für Milchprodukte und Grundnahrungsmittel mussten Verbracuher mehr Geld ausgeben. Doch gerade auf diese Produkte fällt es schwer zu verzichten, so IRI.

„Milch läuft wie verrückt“
Am stärksten sind die Preise für Milch gestiegen. Der durchschnittliche Preis liegt etwa 14 Prozent über Vorjahresniveau und Konsumenten reagieren mit Konsumzurückhaltung. Der Absatz ging um 3,7 Prozent zurück. Der um 10 Prozent höhere Umsatz zeige jedoch, dass Milch und Molkereiprodukte nicht ohne weiteres substituiert werden kann. Offenbar schauen die Verbraucher gezielt nach günstigeren Angeboten der weißen und gelben Linie – Milch und Käse. Im Aktionsgeschäft hat der Umsatz um „unglaubliche 137 Prozent zugenommen“, heißt es. „Milch läuft wie verrückt“, sagt dazu Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Die Kunden bevorraten sich vor allem mit preiswerter H-Milch: „Kaum kommt sie ins Regal, ist sie auch schon wieder weg“, so Pellengahr. Im Aktionsgeschäft sind die Preise für Molkereiprodukte um 5,7 %, im Normalgeschäft um 19 % gestiegen.
Bei Getreideprodukten verhält es sich ähnlich. Und: Die Grundnahrungsmittel auf dem Speiseplan durch Tiefkühlkost zu ersetzen, hätte dem Konsumenten im zweiten Quartal auch keinen Vorteil gebracht: Hier stiegen nach Angaben von IRI die Durchschnittspreise um etwas mehr als 6,6 Prozent.

Gegen das Wunschdenken
Derzeit zeigen die Preise Erzeugern und Händlern ihre Grenzen auf. Offenbar sind Nachhaltigkeit, Umweltschutz und soziale Verantwortung nicht beliebig über den Preis abzubilden. Die Mehrheit der Konsumenten bleibt preisorientiert.
In den letzten fünf Jahren hat die Zahl der Discountmärkte um elf Prozent zugenommen, berichtete der Informationsdienstleister Acxiom im April. Im Februar 2008 gab es in Deutschland mit 15.225 Discountern alle 100.000 Einwohner 19 Geschäfte.
Und gerade die haben in Werbung kräftig investiert. Im Jahresvergleich der Monate April haben Aldi und Lidl die höchsten Werbeausgaben der Handelsbranche getätigt. Lagen sie im April 2007 mit 19,18 und 20,02 Millionen Euro noch deutlich hinter Media-Saturn, Procter & Gamble und Unilever ( 41, 36 und 30 Mio.), so haben sie 2008 die ersten beiden Plätze belegt. Aldi spendierte nach Angaben von Nielsen Media Research 31,93 Mio. und Lidl 30,88 Mio. Euro für Werbezettel und POS-Material im Geschäft.
Das bleibt nicht folgenlos für den Bio-Handel, dem die Lebensmittelzeitung (LZ) schon eine Flaute zuschreibt. Gerade die Energiekosten setzen nach Angaben der LZ dem Naturkosthandel zu und setzen die Spannen unter Druck. Zudem geht auch der Umsatz zurück. Während im ersten Quartal die Umsätze im Biobereich noch um sieben Prozent zugelegt haben, sinken sie derzeit. Bio-Supermärkte haben nur durch Neueröffnungen an Umsatz gewinnen können.
Dennoch zeigt der Biomarkt Wachstum, preisbereinigt bis zu 25 Prozent. Die allerdings, so die Marktbeobachter von Nielsen, resultieren aus dem Discountbereich.

VLE

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