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Nürnberg goes green

Handel

BioFach: 20 Jahre Erfolgsstory

>Hagen Sunder, Hubert Rottner und Jürgen Ries haben vor 20 Jahren in Frankfurt am Main die erste BioFach durchgeführt. Ries hatte bereits erste Erfahrungen mit einer Regionalmesse gehabt und unterzeichnete mit Sunder und Rottner in einem Freiburger Café den Vertrag für die BioFach. Die Industrie gilt als „Anpasser“ und Sunder wollte mit der Biomesse zeigen, was es auf dem „Biomarkt bereits alles so gibt“. Die politische Aussage war bereits 1990 vorhanden und hat der BioFach geholfen, zur Weltleitmesse der ökologischen Warenwelt zu werden. Am Donnerstag erinnerte sich Rottner bei der 20. BioFach-Eröffung, dass Marktneuheiten schon immer eine große Rolle spielten und sich die Initiatoren über den ersten Bio-Ketchup freuten. Der Wunsch von Jürgen Ries, dass der Flügelschlag BioFach einen Nachhaltigkeitsorkan auslösen soll, hat in der Vergangenheit bereits für Wirbel gesorgt.
Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly nutzte die zu einem Statement: „Nachhaltigkeit hat keine Zukunft mit gentechnisch veränderten Organismen“. Am Mittwoch erst hat sich Nürnberg zur gentechnikfreien Zone erklärt. In Kitas und Schulen soll in wenigen Jahren der Anteil ökologischer Produkte bei Frühstück und Mittagessen auf 50 Prozent und bei städtischen Veranstaltungen auf 25 Prozent ausgedehnt werden. Möglicherweise bereits zur nächsten BioFach wird Nürnberg seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht fertig haben, versprach Maly.


Ilse AignerIlse Aigner auf der Biofach
Seit Landwirtschaftsministerin Renate Künast ist mit Ilse Aigner die erste und amtierende Agrarministerin auf der BioFach. Horst Seehofer hatte alle Einladungen abgelehnt. Und Ilse Aigner hatte eigenes Profil im Gepäck. Sie versprach nicht nur, das Umweltmonitoring von Monsanto erneut zu überprüfen, das bei der Neuzulassung von Mon810 in der Vergangenheit bereits für viel Aufregung gesorgt hatte. Sie wolle sich auch dafür einsetzen, dass die EU-Länder, die sich für ein Anbauverbot entschieden haben, dieses gegenüber der EU behalten sollen. Zumindest innerhalb ihres Ressorts wird sie sich für die Eigenständigkeit der Mitgliedsländer einsetzen. Das letzte Wort wird Annette Schavan bei der EU-Abstimmung haben, weswegen Deutschland sich der Stimme wohl eher enthalten wird. Felix Prinz von Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) begrüßte diese Positionen aus dem Agrarministerium. Sollte die Enthaltung Deutschlands zur Abschaffung der individuellen Verbote führen, „wisse man zumindest auf wen man mit dem Finger zeigen müsste“. Löwenstein empfand den Ministerbesuch nicht nur als „gute Geste“, sondern den anschließenden ausführlichen Messerundgang der Ministerin als „dringend fällige Geste“.

Grüne Gentechnik nutzt Landwirten und Umwelt
Vor der BioFach hat Monsanto in einer Pressemitteilung auf die unterschiedlichen Umfragen hingewiesen, die auch Landwirte ausweisen, die mehrheitlich nicht gegen die grüne Gentechnik sind. Mit Blick auf die Standortbestimmung in den Ressorts weist Monsanto darauf hin, dass von Genehmigungsbehörden, wie dem Aigner unterstellten Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, keine Gefahrmeldungen ausgehen und die Sicherheit des MON810 bestätigten. Mit dem vorliegenden Monitorplan erfülle Monsanto alle behördlichen Vorgaben.

Eva Kjer HansenKleines, großes Dänemark
Auf der ersten Biofach stellte auch ein dänischer Hersteller aus. Jetzt, 20 Jahre später, ist das Land Ökoland des Jahres . Agrarministerin Eva Kjer Hansen führte an, dass die Dänen Spätentwickler sind. Erst 1974 fand das Wort „ökologisch“ Eingang in den dänischen Wortschatz. Vorher bezeichneten die Dänen die Ökoware als „ungespritzte Produkte“. Seit dem haben sie aber gewaltig aufgeholt. 1987 führte Dänemark als erstes Land ein staatliches Biosiegel ein, das 90 Prozent aller Dänen kennen und rund ein Drittel der produzierten Milch ist heute ökologisch.
Die Dänen stellen ihr Essen von „viel essen“ auf „sinnvoll essen“ um, beschreibt Hansen, und vor allem die Geburt des ersten Kindes ist ein wichtiger Anreiz, sich mehr ökologisch zu ernähren. Daher kommt wohl auch die aktuellste, dänische Wortschöpfung „Bio-Baby“, mutmaßt Hansen.
Pro-Kopf verspeisen die Dänen mit Abstand die meisten Biolebensmittel. 107 Euro gibt jeder statistisch dafür aus. Die Österreicher folgen auf Platz zwei mit 89, die Luxemburger auf Platz drei mit 86 Euro. Zwar stehen die Deutschen in dieser Rangliste auf Platz vier – doch mit 64 Euro zeigen sie sich im Vergleich zu den Dänen doch eher knauserig.
Mariann Fischer BoelDie Dänen lieben so viele Ökoprodukte, dass rund die Hälfte importiert werden muss. Deshalb ist der Handel für das kleine Land so wichtig. Deshalb ist das neue EU-Label, das ab 2010 eingeführt wird so wichtig. Die „neue nordische Küche“ in Dänemark verwendet viele Ökoprodukte und hat für insgesamt 10 Michelin-Sterne in der dänischen Gastronomie gesorgt.
Dass dieses auch so bleibt, versprach EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel, auch Dänin. Sie vergleicht die europäischen Anstrengungen für den Ökolandbau mit einem Haus. Die Länder sind jetzt aufgefordert, es zu möblieren.

Roland Krieg; Fotos: roRo

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