Ökosystemleistungen bewerten

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EU führt neue Statistik für die Bewertung der Umwelt ein

Der Begriff Ökosystemleistung ist zwar in aller Munde, aber nur schwer zu fassen. Wälder beispielsweise filtern als Service den Niederschlag bevor er über den Boden Seen und Flüsse erreicht. Die Tiefgründigkeit eines Bodens kann den Zustand eines Ökosystems bewerten.

Die Kernelemente

Seit 1993 suchen Ökonomen und Statistiker nach Möglichkeiten, diese Qualitäten auch ökonomisch zu bewerten. Es geht um nichts weniger, als den ökologischen Zustand eines Ortes und Maßnahmen für dessen Verbesserung ökonomisch sichtbar zu machen. Die Vereinten Nationen haben 1993 mit dem „System of Environmental Economic Accounting“ (SEEA) einen Rahmen definiert, Statistiken für die Bewertung einzuführen:

Ökologisches Ausmaß: Spezifische Regionen wie Stadt, Moore, Grasland oder Wälder werden mit ihren Ausmaßen erfasst und können über den Zeitverlauf bewertet werden. Werden sie größer oder kleiner?

Ökologischer Zustand: Spezifische Kriterien wie die Tiefgründigkeit eines Bodens werden für die qualifizierte Beschreibung eines Ökosystems herangezogen.

Ökosystemleistung: Physische und monetäre Ab- und Zuflüsse werden über den Zeitablauf für eine Bilanz zusammengeschrieben, die hinunter bis zu den kleinsten ökonomischen Einheiten, der Haushalte, gehen.

Ökonomische Bewertung: Zuletzt werden die Gewinne und Verluste der Ökosystembetrachtung monetär bewertet und dienen der Klassifizierung, ob ein Ökosystem sich verbessert oder verschlechtert. [1]

Umweltkosten des Agrar- und Ernährungssystems

Zum Welternährungstag 2020 hat die Umweltorganisation der Vereinten Nationen die wahren Kosten der Agrar- und Ernährungssystem berechnet. Ziel sind die Fragen, wie Lebensmittel nachhaltiger erzeugt werden können, wie Landwirte weltweit am besten davon profitieren und sowohl die Umwelt als auch die Gesellschaft Gewinne dadurch erzielt. Basis sind erste Berechnungen des Projektes TEEB (Ökonomie der Ökosysteme und Biodiversität) die negative und positive Effekte auszugleichen versucht [2 + 3].

EU zieht mit

Auch die Europäische Union hat in dem Projekt „Integrated system of Natural Capital and ecosystem services Accouting“ (INCA) zwischen 2016 und 2020 an neuen Bewertungsmethoden gearbeitet. Die Kommission hat diese Woche die neuen Statistikmethoden akzeptiert und wird in ihrer Richtlinie zur Bewertung der Europäischen Umwelt-Ökonomie einbauen. Die Module folgen vollständig den UN-Vorarbeiten.

Generell ist das ein erster Weg, das Bruttosozialprodukt als bisherigen Maßstab für eine wirtschaftliche Ausrichtung abzulösen. Kommissions-Vizepräsident Frans Zimmermans will mit dem Datenset die Biodiversität besser für nationale Umsetzung der Verbesserung erreichen. Umweltkommissar Virginijius Sinkevičius ergänzt: „Wo immer die Natur einen wesentlichen Beitrag für die Wirtschaft leistet, taucht sie in der Statistik bislang nirgendwo auf. Wir müssen daher unsere Sichtweise und Naturbewertungen verändern und ihren Beitrag zu unserem Lebensstil ökonomisch sichtbarer machen.“

Zentral werden die Daten beim Europäischen Statistikamt geführt [4] und ständig ergänzt.

Lesestoff:

[1] UN SEEA https://seea.un.org/ecosystem-accounting

[2] https://www.unep.org/news-and-stories/story/true-costs-food-systems-and-why-they-matter

[3] Die Inwertsetzung der Natur: https://herd-und-hof.de/handel-/schlussbericht-teeb.html

[4] https://ec.europa.eu/eurostat/web/environment/methodology

Roland Krieg

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