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Online-Lebensmittelmärkte noch immer was für Pioniere

Handel

Lebensmittel online shoppen: Nische mit Potenzial

„Mangelndes Vertrauen der Verbraucher sowie häufig noch wenig effiziente Geschäftsmodelle führen dazu, dass der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland in den nächsten Jahren ein Nischenmarkt bleibt.“ Das ist das gemeinsame Fazit der aktuellen Studie zum digitalen Lebensmitteleinkauf des Unternehmensberaters A.T. Kearney und der Universität Köln. Derzeit werden nur 0,2 Prozent der Lebensmittel online gekauft, aber bis zum Jahr 2016 könnten es 1,5 Prozent werden. Das Potenzial sei da.

Wenig Erfahrung

Bislang haben in Deutschland 82 Prozent der Befragten keinerlei Erfahrungen mit dem Lebensmitteleinkauf über das Internet. Lediglich ein Prozent kauft monatlich über diesen neuen Weg ein. Dadurch wurden gerade einmal 200 Millionen Euro Umsatz generiert, ein pro-Kopf-Umsatz von zwei Euro. Die Hauptbedenken der Konsumenten beziehen sich auf die Qualität frischer Lebensmittel. Mangelndes Vertrauen ist der Hauptgrund für die bisherige Zurückhaltung beim Online-Lebensmittelhandel, erläuterte Dr. Mirko Warschau, Leiter des Beratungsbereiches Konsumgüterindustrie und Handel bei A.T. Kearney. 70 Prozent der Kunden bestellen nicht über das Internet, weil sie die „Lebensmittel nicht sehen und fühlen können, 62 Prozent haben Bedenken bei der Produktqualität.“ Weiteren 22 Prozent mangelt es an persönlichem Kontakt. Neun Prozent kennen in ihrer Stadt keinen Online-Händler und fünf Prozent äußerten Sicherheitsbedenken. Einen Mehrwert immerhin sehen die meisten Konsumenten durch den Lieferservice, für den zwei Drittel der Befragten auch bereit wäre ein bis fünf Euro zu bezahlen.

Formenvielfalt

Die Studie hat aber auch das Ergebnis hervorgebracht, dass der Lebensmittelhandel für die negative Einstellung an dem Nischendasein selbst schuld ist. „Aufgrund des hohen Preisdrucks im deutschen Einzelhandels haben Händler in den vergangenen Jahren ihre Preise häufig eher gesenkt, anstatt Differenzierungsmerkmale und Services weiter zu entwickeln“, führt Dr. Warschun aus. In Großbritannien und der Schweiz ist das anders gelaufen.


In der Nische haben sich verschiedene Geschäftsmodelle entwickelt. Neben der Lieferung nach Hause probieren Händler „Click-and-Collect“ – Konzepte aus. Hier bestellt der Kunde die Ware online und holt sie an einem Lager oder am Supermarkt selbst ab.
Die Lieferung nach Hause bleibt aber mit 76 Prozent die beliebteste Form, 68 Prozent holen sich die Ware im Supermarkt und 60 Prozent an einer Pick-up-Station ab.
Besondere Skepsis hegen die Konsumenten gegenüber der Lieferung von frischer Ware. 47 Prozent holen sich Obst und Gemüse lieber direkt im Supermarkt ab, 48 Prozent bestellen erst gar keine Frischware.
Ein Problem liegt in der Kundenbindung. Ein Großteil der Kunden, die einmal bestellt haben, springt nach ein bis drei Versuchen wieder ab.

Chancen nutzen

Der Wille seitens der Kunden ist da. Verbraucher sind, so ein Ergebnis der Studie an intelligenten und benutzerfreundlichen Lösungen interessiert. Reine Online-Händler allerdings werden es nach Dr. Warschun schwer haben wegen des Preiswettbewerbs und hohen Start-up-Kosten sich einen Platz zu erobern. Sie sollten sich auf Ballungsräume mit einer Nischenstrategie konzentrieren. Vor allem die Auslieferungskosten lassen sich in der Stadt effizienter in einem Geschäftsmodell abbilden als in ländlichen Gemeinden.

Briten sind kauffreudiger

Im Vergleich zu den deutschen Kunden geben die Engländer im Jahr 82 Euro für Lebensmittel aus, die sie im Internet bestellen. Über alle Warengruppen hinweg, also auch im Non-Food-Bereich, geben die Briten im Jahr 3.370 Pfund für Online-Waren aus. Das hat eine aktuelle Studie von „World Pay“ ermittelt, über die das Online Magazin talkingretail.com vor kurzem berichtete. 40 Prozent der Kunden kaufen mindestens vier Mal im Monat im Online-Shop, zehn Prozent sogar mehr als zehnmal.
Bei Lebensmitteln sind sogar Obst und Gemüse die Spitzenreiter. Sie nehmen fast ein Drittel des Warenkorbes ein. Auf den Umsatz bezogen wurde online aber am meisten Alkohol bestellt: 217 britische Pfund im Jahr von den Männern und 138 Pfund von den Frauen.

Lesestoff:

Im letzten Jahr hat Herd-und-Hof.de sich den neuen Online-Lieferservice „froodies“ angeschaut

Roland Krieg

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