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Politik muss mehr Wind machen

Handel

Windenergie wächst noch in Deutschland

Zunächst einmal sind die Zahlen der Windenergiebranche gut. Nach deutlichem Wachstum im letzten Jahr konnte die Windbranche auch im ersten Halbjahr 2012 einen Aufwärtstrend abliefern. Eine entsprechende Studie im Auftrag des Bundesverbandes WindEnergie (BWE) und der VDMA Power Systeme (Verband des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus) wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt.
Demnach wurden in den vergangenen sechs Monaten 414 Windanlagen mit zusammen 1.004 Megawatt Leistung neu installiert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die installierte Leistung damit um 26 Prozent.

Gerhard Gerdes von der WindGuard konnte aber nicht auf alle Zahlen zugreifen. Wer neue Anlagen baut, der hat oftmals keine Kenntnis, welche Anlagen dafür ersetzt werden. So sei die Anlagenzahl für das Repowering höher als ermittelt. Für eine ausführliche Studie müssten die Netzbetreiber ihre Zahlen offen legen. Beim Vergleich zwischen Zu- und Abbau zeigt sich, dass viele kleine durch moderne Anlagen abgelöst werden.

Windkraft mit Effizienz

„Der Trend geht zur drei bis vier-Megawatt-Anlage“, erläuterte BWE-Präsident Hermann Albers. Im Verhältnis werden für neue Anlagen zwei bis drei wieder abgebaut, so dass sich die Zahl der Windanlagen künftig kaum erhöhe.
Der Ausbau der Windkraft auf neun Prozent der Energieproduktion in Deutschland basiert vor allem auf den „Energiewende-Folgeländer“ wie Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Zwar stellen die klassischen Windländer im Norden noch 28 Prozent des Windstroms, vor allem Rheinland-Pfalz baut aber mit Nabenhöhen von 125,7 Meter und 92,8 Meter Rotordurchmesser die neue Windkraftanlagen-Generation auf und hat sich auf Platz drei der Windländer hochgearbeitet. Bayern habe gegenüber Baden-Württemberg, obwohl vergleichbar strukturiert, die Nase vorn, weil sich im „Ländle“ der Naturschutz als Genehmigungshindernis erweise, so Albers.
Schlusslicht bei der Effizienz ist Schleswig-Holstein, deren Anlagen keine 80 Meter Höhe aufweisen. „Das ist ein Effizienzdrama“, so Albers. Die Anlagen erzeugen lediglich zehn Millionen Kilowattstunden Strom, während die neuen etwa 14 Millionen Kilowattstunden kommen. Jeder Meter Höhe bedeute nach Gerhard Gerdes ein Prozent Energieertrag. Dabei habe es sich gezeigt, dass die Menschen hohe Windräder ästhetischer finden als gedrungene, deren Rotoren für den Betrachter die Baumwipfellinie „durchschneiden“. Rotor und Turm im Verhältnis 1:2 machen den schlankesten Eindruck.

Problem Offshore…

Während die Windkraftanlagen auf dem Land stabiles Wachstum zeigen, kommen die Offshore-Anlagen ins Schlingern. Derzeit sind rund 2.000 MW in Bau und sollen bis 2013 fertig sein. Doch in der letzte Woche legte die RWE ihren Windpark Innogy 1 mit 162 Anlagen auf Eis. Die Begründung hat die Branche alarmiert: „Es fehlt die Steckdose am Meer“, so Thorsten Herdan, Geschäftsführer der VDMA Power System. Eigentlich sollte die Haftungsfrage bis zur Sommerpause vorliegen, doch es gebe noch nicht einmal einen Referentenentwurf, beklagte Herdan. Es geht um die Frage, wer für Schäden aufkommt, wenn bis zur Leistungsaufnahme kein Abnahmenetz vorhanden ist oder ein Schiff die Kabel durchtrennt. RWE hat auf die Politik reagiert.

… ist ein Problem der Politik

Die Politik der Energiewende wurde mit mahnenden Worten belegt. Fragen nach der EEG-Umlage, dem Energiemix, Standortkomponenten und die Frage nach Wildbau oder geplanten Anlagen sind nach Herdan nicht neu, blieben von der Politik jedoch noch immer unbeantwortet. Vor der Energiewende war die Diskussion fachlicher, assistierte Albers. Der 15. Oktober wird ein entscheidender Tag für die Energiewende, denn dann wird die neue EEG-Umlage veröffentlicht und, so hofft nicht nur die Windbranche, auch der Vorrang für die erneuerbaren Energien beibehalten. Zum EEG gebe es keine Alternative, das Gesetz erst habe die erneuerbaren Energien auf den heutigen Stand gebracht, erläuterte Albers [1].

Flaute 2013?

Die Politik hat es in der Hand, wie das Jahr 2013 für die Anlagenbauer wird. Unter den gegebenen politischen Rahmenbedingungen sei das Wachstum auch für das kommende Jahr gesichert. Wenn sich die Rahmenbedingungen verschlechtern, dann prognostiziert Herdan einen Abschwung. Den er global für die Branche recht sicher vorhersieht.
Erst vor zwei Monaten ist die VDMA Power System eine Kooperation mit der amerikanischen AWEA Windpower eingegangen. Im Fokus steht die politische Lobbyarbeit, denn mit dem Auslaufen des Production Tax Credits (PTC) in diesem Jahr rechnen die amerikanischen Anlagenbauer mit einem Einbruch durch fehlende Investitionen im nächsten Jahr [2]. Der Windmarkt der USA ist einer der globalen Treiber.
Probleme drohen aber auch aus China. Dort stehen zwar Windanlagen für 18 GW, aber weil der Netzausbau nicht funktioniert, kommen keine weiteren mehr dazu, erläuterte Herdan. Da dennoch weiter Anlagen produziert werden, haben sich Überkapazitäten in Höhe der installierten Leistung aufgebaut, die im nächsten Jahr auf den Weltmarkt drängen könnten.
Dann ist auch die Exportleistung der deutschen Anlagenbauer in Gefahr. Im Vergleich zum Weltmarkt werden in Deutschland mit 2,24 Milliarden Euro rund 6,1 Prozent der globalen Investitionssumme ausgegeben, doch beim Produktionsvolumen nimmt die deutsche Windkraftindustrie einen Anteil von 16,1 Prozent ein. Windräder sind derzeit noch ein Exportschlager.

Wind ist eine Energiesäule

Die Biomasse ist als Säule für die erneuerbare Energie durch eine Studie der Leopoldina in Kritik geraten [3]. Das spreche zwar für die Windkraft, doch gegenüber Herd-und-Hof.de wollte Hermann Albers keine Form der erneuerbaren Energien vernachlässigt wissen. Die Windkraft werde dennoch vor allem wegen des günstigeren Flächenverbrauches den „Löwenanteil“ der Erneuerbaren tragen.
Dazu gehört auch der Wind im Wald. Das Modell wandere derzeit vom Süden in den Norden und biete gerade der Forstwirtschaft eine unterstützende Ertragsmöglichkeit. Der Flächenbedarf für die Windräder im Wald könne durch selbstaufbauende Turmsegmente noch verkleinert werden. Derzeit liegt der Flächenbedarf für ein Windrad im Wald bei einem halben Hektar.

Lesestoff:

www.wind-energie.de

www.vdma.org

[1] EEG abschaffen oder verbessern?

[2] Die PTC gewährt Windradherstellern einen Kredit in Höhe von 2,2 Cent je kWh Windenergie. US-Präsident Barack Obama hat bei einem Besuch von Anlagenherstellern in Newton, Iowa, am 22. Mai dieses Jahres die Verlängerung der PTC auf seine „To-do-Liste“ für den Kongress gesetzt

[3] Leopoldina zur Bioenergie

Roland Krieg (Text und Foto)

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