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PSM: Gemeinsam gegen Panikmache

Handel

B2B-Datenbank zum Rückstandsmonitoring

>Die Obst- und Gemüsebranche steht vor einer großen Herausforderung. Kunden kaufen Äpfel. Doch kaufen sie den einen bestimmten Apfel der Erzeugergemeinschaft und bescheren ihr damit eine preisgerechte Marktteilnahme? Auf der Fruit Logistica wehrt sich die Branche gegen das Verramschen der wertvollen Früchte – und muss noch zusätzlich gegen das Image kämpfen, Trauben und Salate seien wegen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nicht verzehrsfähig. Pünktlich zur Fruit Logistica hatte Greenpeace das Thema auf das Tapet gebracht – und die wirklichen Sorgen der Branche verdrängt.
Wissenschaftsjournalist Michael Miersch sieht im Thema Pflanzenschutzmittelrückstände kein objektives Kriterium, weil selbst an überhöhten Rückständen noch kein Verbraucher erkrankt sei, während mikrobiologische Verunreinigungen wie mit Campylobacter Erkrankungen und Todesfälle verursachen.

B2B-Datenbank Rückstandswerte
Innerhalb der Europäischen Union gelten gesetzliche Grenzwerte. Nach Stephan Tromp vom Handelsverband Deutschland (HDE) sind das Mindeststandards und der Handel ist schon länger bemüht, die Gunst der Verbraucher mit niedrigeren Grenzwerten zu gewinnen. Um ein Drittel niedrigere Werte sollen dem Handel helfen, Probenschwankungen auszugleichen, damit die Ware immer unter dem Grenzwert bleibt, so Tromp. Panikmache hingegen seine die selbst gewählten willkürlichen Bewertungen von Umweltorganisationen.
Um im Handel die Herangehensweise beim Rückstandsmonitoring zu vereinheitlichen, soll zu Beginn des 3. Quartals eine Datenbank helfen, die Qualität einzuhalten. Die Datenbank werde keine neuen Handlungsfelder hervorbringen, denn bei Überschreitung des Höchstwertes, werde die Ware auch bereits heute aus den Regalen genommen. Aber die Teilnehmer Edeka, Globus, Kaiser´s, Metro, Rewe und tegut wollen sich über die gemeinsame Datenbank (OGM) besser informieren. „Fehlentwicklungen beim Einsatz von Pestiziden“ sollen mit OGM schneller zu erkennen sein, was die Qualität des angebotenen Obst und Gemüse langfristig verbessere.
Die teilnehmenden Händler haben sich auf eine Wirkstoffliste geeinigt, die fortlaufend aktualisiert werde und von unabhängigen Laboren zum Test der Ware herangezogen werde. Die Datenbank ist nicht für den Endverbraucher bestimmt, betont Tromp, sondern ausschließlich für den Handel, der sich untereinander über auffällige Lieferanten und Erzeuger verständigen kann. Die durchführende HDE Services GmbH wertet die Ergebnisse aus und stellt sie in anonymisierter Form nach Produkt, Produktgruppen, Herkunft und Wirkstoff geordnet, dem Handel und den Produzenten zur Verfügung.
Der HDE hat auch Aldi und Lidl zur Teilnahme befragt. Die wollen jedoch zunächst noch mit ihren eigenen Programmen weitermachen, teilt Stephan Tromp Herd-und-Hof.de mit. Sie warten auf die ersten Erfahrungen der Datenbank und würden sich später anschliessen, weil die Datenbank den Lebensmitteleinzelhandel auf ganzer Breite erfasse, so Tromp.

Verbraucheraufklärung 2010
Stephan Tromp stellte klar, dass es außer Frage sei, eine Überschreitung der gesetzlichen Rückstandshöchstmenge nicht zu dulden. Aber mittlerweile sind Verbraucher durch verschiedene Grenzwertdiskussionen verunsichert, welchem Wert sie denn überhaupt noch trauen können.

Rückstandshöchstmenge: Festgesetzte Höchstmenge für eine wirksame Kontrolle der Lebensmittelsicherheit. Immer unterhalb der Menge, die eine gesundheitsschädliche Wirkung für den Verbraucher hat.
Lebensmittel werden nicht nur einmalig verzehrt, sondern über einen längeren Zeitraum, ohne dass dadurch eine Gesundheitsgefährdung entsteht soll. Für diese Beurteilung gibt es weitere Werte:
ADI-Wert: (Acceptable Daily Intake) Grenzwert für die gesundheitliche Beurteilung der Langzeitaufnahme. Die Weltgesundheitsorganisation definiert den Wert als die Substanzmenge, die ein Verbraucher unter Berücksichtigung aller vorhandenen Kenntnisse täglich und ein Leben lang ohne erkennbares Risiko für die Gesundheit aufnehmen kann.
ARfD-Wert: (akute Referenzdosis) Der ADI-Wert ist bei Substanzen, die schon bei einmaliger Aufnahme gesundheitsschädigend sind wenig aussagekräftig. ARfD bezeichnet die Substanzmenge, die innerhalb eines Tages oder einer Mahlzeit aufgenommen werden kann, ohne das eine Gesundheitsgefährdung resultiert.
NOAEL: No Observed Adverse Effect Level: Laborwert für Biotests. Dosis bis zu der keine nachteiligen Effekte auftreten.


Dem will ein breites Bündnis noch in diesem Jahr entgegentreten. In einer gemeinsamen Broschüre wollen das Bundeslandwirtschaftsministeriums, der Deutschen Bauernverbandes, HDE, der Fruchthandelsverband und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Zusammenhänge und Grenzwerte offensiv erklären, sagte Stephan Tromp zu Herd-und-Hof.de.

Roland Krieg

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