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REACh bringt einen hohen Nutzen

Handel

Greenpeace entdeckt leise veröffentlichte Studie

Im Februar hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf der Internetseite der Europäischen Kommission eine Studie entdeckt, auf die keine Presseerklärung oder Rundmeldung aufmerksam gemacht hatte. Die Studie beschäftigt sich mit den Nutzeffekten der Vereinbarung der "Registration, Evaluation and Authorization of Chemicals" (REACh), auf die sich der EU Ministerrat nach langen Diskussionen im Dezember 2005 geeinigt hat. Bundesumweltminister Gabriel bezeichnete das Verhandlungsergebnis als einen guten Kompromiss zwischen Verbraucher- und Gesundheitsschutz, sowie den Interessen der Industrie, welche im überwiegenden immer nur die Kostenseite in die Verhandlung einbrachte.

Gesundheits- und Umwelteffekte
Das bemängelten indirekt auch die Autoren der EU Studie: ?Die meisten dieser Studien (für die Einführung von REACh; roRo) konzentrieren sich auf die ökonomischen Kosten für die Industrie, während sich hingegen nur wenige Studien mit einem möglichen Nutzen befassen.? Aus diesem Grunde wurde die bereits im September 2005 fertiggestellte Studie von der EU in Auftrag gegeben: Die Auswirkungen von REACh auf Gesundheit und Umwelt. Die Studie der dänischen DHI Water & Environment um die Autoren Finn Petersen, Kim Gustavson und David Pearce (et al.) müssen auch zugeben, dass die Ergebnisse auf einer schwachen Datenbasis entstanden sind, weil es für die Nutzenabschätzung in diesen Bereichen immer noch nur ungenügende wissenschaftliche Methoden gibt.
Ein Datenansatz ist die Bereitschaft der Bevölkerung, für die Vermeidung von negativen Auswirkungen zu bezahlen. Diese Methode gilt gemeinhin als die beste Abschätzung, ökonomische Kosten zu beziffern. Dann haben die Autoren bekannte Schäden aus der Vergangenheit von vier bekannten Stoffen der Chlorchemie genommen (1,2,4-trichlorbenzen, Nonylphenol, Tetrachlorethylen und PCB), die unter REACh begrenzt werden, und deren ausgewiesene Kosten betrachtet. Als drittes wurden Aufwände berechnet, eine Verschmutzung zu verhindern.
Ergebnisse wurden in der Studie für das Jahr 2017 berechnet und für die darauffolgenden 25 Jahre hochgerechnet. So zeigte sich bei der statistisch vertrauenswürdigsten Datenbasis, der eingesparten Schadenskosten, der geringste Effekt: Für den Bau neuer Abwasseranlagen, Klärung von Trinkwasser und Beseitigung der Sedimente wird als Maximum eine Einsparung von 8,9 Milliarden Euro vorherberechnet.
Die Zahlungswilligkeit der Bevölkerung für sauberes Trinkwasser hingegen wird für den Betrachtungszeitraum mit bis zu 34 Milliarden Euro angegeben und die Vermeidung von Gesundheitskosten und Schadensbeseitigung beziffert sich auf bis zu 52,6 Milliarden Euro.
Die Spanne des geschätzten Nutzens liegt zwischen 41,104 und 95,59 Milliarden Euro. Die Autoren hoffen, dass REACh selbst noch genauere Daten für eine bessere Nutzenabwägung hervorbringen wird.
Chemieexpertin Ulrike Kallee von Greenpeace über den Zufallsfund: "Was gut ist für Umwelt und Gesundheit, ist auch gut für die Wirtschaft." Sie weist auch auf eine Studie des europäischen Gewerkschaftsbundes hin, nach der sich durch die Umsetzung von REACh rund 50.000 Fälle berufsbedingter Atemwegserkrankungen und 40.000 Fälle von Hauterkrankungen vermeiden lassen. Für die öffentlichen Kassen sind das Einsparungen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahren.

Lesetipps:
Die Studie der EU finden Sie unter http://europa.eu.int/comm/environment/chemicals/pdf/impact_on_environment_report.pdf
Die ersten drei Seiten geben eine gute Zusammenfassung der Zahlen wieder.
Die Studie des europäischen Gewerkschaftsbundes finden Sie unter www.etui-rehs.org/hesa und wurde ebenfalls im September 2005 fertig gestellt.

roRo

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