Regionalität oder regionale Herkunft?
Handel
Regionalität führt Produkte aus der Anonymität
Mehr als 90 Prozent der Verbraucher achten auf regionale Produkte, die den Bio-Produkten langsam den Aufmerksamkeitsrang ablaufen. Einen letzten Schub haben regionale Produkte durch die EHEC-Krise erfahren. Regionalität steht bei den Verbrauchern in erster Linie für Sicherheit. Regionale Produkte bilden jedoch auch Ökologie und Emotionalität ab. Und das, obwohl noch jegliche Definition für Regionalität fehlt.
Südtirol als Lebensgefühl
Südtirol hat früh erkannt, dass Produkte mit mehr als
ihrem Warenwert verkauft werden müssen. Die Äpfel mit dem Marienkäfer im Logo
symbolisieren ein Lebensgefühl. Im Jahr 2003 begann die Strategiediskussion und
im Jahr 2005 wurden sowohl der Südtiroler Apfel als auch der Speck mit dem
EU-Zeichen für geschützte geografische Angabe (g.g.A.) geadelt. Besonders
hilfreich ist es dann, wenn die UNESCO die Dolomiten 2009 als Weltkulturerbe
deklarierten.
Eine Anstrengung, die sich auszahlt. Zwar produziert
Deutschland immer mehr eigene Äpfel, doch zuletzt sank die Eigenproduktion von
gut einer Million Tonnen im Jahr 2009 auf 800.000 Tonnen im letzten Jahr. 50
Prozent der in Deutschland verzehrten Äpfel stammt aus dem Ausland, mehr als
die Hälfte davon, 259.000 Tonnen, aus Italien. En Teil davon aus Südtirol.
Marke verbindet – Erzeuger
Die Marke verbindet auch Erzeuger. Emmanuel Descloux,
Marketing Manager von Prince de Bretagne, stellte auf der Fruit Logistica das
Konzept der bretonischen Obst- und Gemüsebauer vor. Prince de Bretagne ist ein
Verband mit sieben Kooperationen, sechs davon im Bereich Obst und Gemüse.
Insgesamt wirtschaften 2.500 Bauern rund 40.000 Hektar entlang des nördlichen
Küstensaums der Bretagne. Sie produzieren rund 600.000 Tonnen Obst und Gemüse,
von denen die Hälfte in Frankreich bleibt und die andere ins Ausland geht. In
Frankreich werden die Frischeprodukte entweder in einem Regionalregal oder in
einer eigenen kleinen Abteilung angeboten.
Richtlinien regeln was welche Bauern in welchen Mengen
anbauen, wobei der maritime Einfluss die Produktion an der Nordbretagne fast
ganzjährig ermöglicht. Auf Auktionen wird die Ware an Verlader verkauft, die
Obst und Gemüse weltweit verteilen. Eine Umlage bei den Bauern finanziert die
Dachmarke Prince de Bretagne.
Regional aus der Welt?
Regionalität und internationaler Handel scheinen sich zunächst einmal auszuschließen. Das kommt jedoch auch auf die Betrachtung an. Hans-Jürgen Kirsch von Globus führt an, dass es Wein gelungen ist, international als regionale Spezialität gehandelt zu werden. Hinter jedem Anbaugebiet stehe eine Geschichte und ein spezieller Charakter. Das müsse, so Kirsch, auch bei Obst und Gemüse gelingen.
Lesestoff:
Die Zukunft gehört den Vermarktern
Roland Krieg