Regionalkennzeichnung
Handel
Aigner wirbt für „Regionalfenster“
Regional schlägt Bio. Verbraucher können sich mit
regionalen Produkten wahrscheinlich besser identifizieren als mit biologisch
erzeugten. Das hat das Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) auch aus seiner Umfrage
herausgelesen, die im letzten Jahr gemacht wurde. Demnach achtet die Hälfte der
Verbraucher beim Einkauf auf regionale Produkte. Die Konsumenten haben mehr
Vertrauen zu Produkten aus der Region, sie wissen um die kurzen Transportwege,
vermitteln ein positives Lebensgefühl und das sie Arbeitsplätze im ländlichen
Raum schaffen.
Deshalb hat Ministerin Ilse Aigner auf der Grünen Woche
das Regionalfenster vorgestellt, dass sie Unternehmen erlaubt freiwillig auf
ihren Produkten anzubringen. So könnte dann bis auf die Zutaten genau
verzeichnet sein, dass die Erdbeeren zu 100 Prozent aus der Region kommen, das
Pektin weltweit beschafft wurde und der Zucker aus Deutschland kommt.
Verbraucher sollen sich informieren können, was in dem Produkt aus der Region
kommt, woher der regionale Bezug stammt und wer das kontrolliert. Unternehmen
sollen damit die Möglichkeit haben, sich und ihr Produkt darzustellen und
gegenüber anderen abzugrenzen.
Aigner will auf der nächsten Agrarministerkonferenz bei
den Länderkollegen dafür werben, festlegen, wie das Regionalfenster umgesetzt
wird und wer die Vorgaben kontrolliert. „So schnell als möglich“ soll das
Regionalfenster im Handel erscheinen.
Noch ein Label?
Was fehlt ist die Definition der Region. Sind es 50
oder 100 Kilometer, ganz Deutschland und zählen grenzüberschreitende Regionen
dazu? Kritik gibt es auch von der grünen Bundestagsageordneten Cornelia Behm,
Sprecherin für den ländlichen Raum: „Es darf nicht allein darum gehen, ob die
Rohstoffe aus der Region kommen oder ob die Verarbeitung in der Region
geschieht. Es muss darum gehen, für die Verbraucher klar erkennbar zu machen,
dass ein Produkt oder eine Dienstleistung bestimmten Standards entspricht.“
In der Tat ist das ein schwieriges Thema, wie die
Diskussionen um den Schwarzwälder Schinken zeigen. Die Abraham Schinken GmbH
packt und schneidet den Schwarzwälder Schinken auswärts. Dagegen hat die
Schutzgemeinschaft der Schwarzwälder Schinkenhersteller vor Gericht erwirkt,
dass diese Arbeitsschritte aber auch in der Region stattzufinden haben.
Letztlich wird der Verbraucher entscheiden, ob das
Label im Wettbewerb mit den anderen Siegeln Bestand haben wird.
Auf einer Fachtagung zur „Labelflut“ wurde
monothematischen Siegeln „Defizite“ nachgesagt, da sie den komplexen Begriff
der Nachhaltigkeit nicht abzubilden vermögen. So würde das Regionallabel auch
auf Schweineschnitzel aufgebracht werden können, die aus einer einzigen großen
Mastanlage kommt. Die Verbraucher werden mit ihrem Einkauf abstimmen, ob sie
vom Regionalfenster überzeugt sind.
Aber auch Lob
Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft unterstützt die Initiative Regionalfenster. Der Vorstandsvorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein erklärte: „„Wenn klar festgelegt ist, wie ein Anbieter angeben kann, woher die Rohstoffe stammen und wo sie verarbeitet werden und wenn die Einhaltung dieser Anforderungen verlässlich kontrolliert wird, dann kann der Verbraucher durch seine Kaufentscheidung Produkte der kurzen Wege und die Landwirtschaft in seiner Region fördern.“ Das Regionalfenster biete dem Verbraucher Transparenz und der BÖLW bietet seine Mitarbeit für die Ausarbeitung der Details an.
Lesestoff:
Bio und regional müssen mehr miteinander arbeiten
Wie viele Label braucht die Nachhaltigkeit?
Roland Krieg (Foto: roRo, Archiv)
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