Reichlich Zitrusfrüchte
Handel
Am sichersten ist Bio-Obst
> Gerade in der Weihnachtszeit erfreuen sich die roten und gelben Zitrusfrüchte steigender Beliebtheit ? denn eigentlich haben sie erst jetzt Saison. Kaum ein Weihnachtsteller, der ohne die Vitaminspender Freude bereitet. Alle sind verwandt
Botanisch gesehen gehören die Zitrusfrüchte alle zur selben Familie, wenn auch mittlerweile durch intensive Züchtung allein über 400 Orangensorten auf dem Markt sind. Mandarine ist ein Sammelbegriff für die größte Untergruppe. Ab November beherrschen die mittelgroßen abgeflachten Clementinen die Ladentheke. Die Minneola hat einen höckerartigen Stielansatz, ist größer als alle anderen Mandarinen und hat eine besonders glänzende Schale. Sie ist besonders saftig. Satsumas drängen bereits im Oktober aus Japan auf den Markt, haben eine dünne gelbe bis orangenfarbene Schale und sind weniger aromatisch. Die Tangerine ist die kleinste Mandarine und hat die intensivste Schalenfärbung. Sie ist säurearm. Leicht schälen lässt sich die Mittelmeer-Mandarine, die allerdings sehr viele Kerne hat und deswegen kaum noch eine Marktbedeutung aufweist. Die ersten Orangen kamen um 1870 im Hamburger Hafen an und die Großhändler fanden den rohen Verzehr der sauren Früchte noch ziemlich barbarisch. Die bittere Orange ?Citrus auratium? von damals hat mit der heutigen süßen Orange ?Citrus cinensis? nicht mehr viel zu tun. Woher die Apfelsine, der ?Apfel aus China? ursprünglich kommt verrät natürlich bereits der Name. Die zu jedem guten Schloss gehörigen ?Orangerien? wurden im Barock zu einem gesellschaftsfähigen Gewächshaus. 1781 gab es in Alcia bei Valencia die erste Baumkultur und wurde in den folgenden Jahrhunderten zur Südfrucht schlechthin. Nun auch für den nebligen Norden Europas, der sich in der Vorweihnachtszeit saftigen und frischen Geschmack in leuchtender Naturverpackung ins Haus holen kann.
Marktbericht
Die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle aus Bonn (ZMP) kann auch eine fast ungetrübte Freude verbreiten. An Mandarinen und Clementinen herrscht in dieser Saison kein Mangel und beschert den Verbrauchern einen günstigen Einkauf. Alle wichtigen Anbauländer im Mittelmeerraum erwarten höhere Ernten als im letzten Jahr: Rund 4,8 Millionen Tonnen liefern Spanien, Marokko, Italien und Israel. Das sind etwa 15 Prozent mehr als in der Saison 2003/04. Besonders Spanien erfreut sich mit einem Ernteplus von 16 Prozent weiterhin mit 2,4 Millionen Tonnen Mandarinen das wichtigste Erzeugerland in der Eu zu sein. Das Kilo Clementinen ist bereits zu Aktionspreisen von unter einem Euro zu haben.
Grapefruits gibt es in diesem Jahr allerdings weniger, denn die Hurrikane in den USA haben diesem Hauptlieferanten sehr zugesetzt. Aus Florida kommt rund ein Viertel der in Deutschland verzehrten Grapefruits. Die Kette von Hurrikanen, die vor der Küste auftauchten haben allerdings zwei Drittel der Ernte vernichtet: Bei 580.000 Tonnen werden dieses Jahr etwa 1 Million Tonnen weniger geerntet.
In die Bresche könnten zwar Israel und die Türkei springen, die zu den Spitzenreitern des Grapefruitexports im Mittelmeerraum zählen, allerdings erwarten die beiden Länder keine sonderlich gute Ernte. In Israel kommen anstelle von 300.000 Tonnen nur 235.000 Tonnen zusammen und die Türkei erzielt mit 114.000 Tonnen gut ein Viertel weniger als im Vorjahr. Deutschland bezieht jährlich rund 75.000 Tonnen Grapefruits, von denen 20.000 aus den USA, 15.000 Tonnen aus Israel und 10.000 Tonnen aus der Türkei stammen. Die ZMP rechnet mit höheren Preisen.
Rückstandsbericht
Zitrusfrüchte sind empfindlich und schimmeln und faulen leicht. Deshalb wird, so wird die Oberfläche in der Regel Mit Oberflächenbehandlungsmitteln oder Konservierungsstoffen behandelt. Darauf verweist der Bundesverband Naturkost Naturwaren Herstellung und Handel (BNN) in einer Pressemitteilung. Bei Früchten mit dem Vermerk ?unbehandelt? wird zwar die Schale nach der Ernte nicht mehr behandelt, doch während der Wachstumsperiode können durchaus Pestizide eingesetzt worden sein. Bei der Erzeugung von Bio-Orangen wird dagegen auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz verzichtet. Im rahmen des Pestizid-Monitoring-Projekt des Bundesprogramm Ökologischer Landbau wurden bei 93,6 Prozent aller Zitrusproben ?keinerlei Pestizide oder lediglich Spuren im Bereich der Nachweisgrenze? gefunden. Demgegenüber fand die baden-württembergische Lebensmittelüberwachung bei 14 Prozent der konventionellen Zitrusfrüchte so hohe Mengen, dass ein Verstoß gegen die deutsche Rückstands-Höchstmengenverordnung vorliegt. Die Hamburger Behörden haben in 15 von 22 Proben nicht deklarierte Oberflächenbehandlungsmittel gefunden.
VLE