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Rewe: Die vierte Premiere

Handel

Zwei Terrawatt Grünstrom für 6.000 Läden

>Auf der Grünen Woche hält Rewe noch eine weitere Premiere bereit. „Nicht nur wirtschaftlich im Grünen Bereich, sondern auch in punkto Strom“, will Vorstand Alain Caparros seine Gruppe nach vorne bringen. Deshalb wurde der Startschuss gegeben, die Geschäfte auf Grünstrom umzustellen.
Allerdings wirbelte die Medienlandschaft zu Jahresbeginn den Grünstrom durcheinander, weil nach Angaben von Greenpeace die „Recs“-Zertifikate, „Renewable Certificate System“, frei handelbar sind und sich dahinter auch konventioneller Strom verbergen kann. Der Berliner Tagesspiegel hatte nachgelegt und Verbraucher aufgefordert, die Unternehmen, von denen sie meinen Ökostrom zu beziehen, zu befragen, ob auch sie mit Recs handeln.
Das hat Herd-und-Hof.de getan und sich beim Stromlieferanten der Rewe-Gruppe, der Hamburger Energie-Handels-Gesellschaft EHA informiert.

Große Menge aus tausend Einzelbezugsgeschäften
„RECS per se ist kein System zur Förderung regenerativer Energien, sondern ein reines Herkunftsnachweissystem“, teilte noch gestern abend Jan-Oliver Heidrich aus der Geschäftsleitung von EHA mit. Die Datenbank Recs wurde in mittlerweile 16 Ländern mit Zustimmung der EU im Jahr 2000 installiert und wird in Deutschland vom Freiburger Öko-Institut überwacht. Auch große Ökostromlieferanten handeln mit „Recs“-Zertifikaten und „lediglich Greenpeace hat sich gegen RECS positioniert“. EHA hält die Diskussion um Recs für eine „Phantomdebatte“ und bezieht Strom teilweise aus den gleichen Quellen wie Greenpeace.
Zwei Terrawattstunden sind eine große Menge Strom, die nur mit der Zusammenstellung von rund tausend Einzelbezugsgeschäften bereit gestellt werden kann.
Die EHA bedient sich aus Anlagen in Deutschland, die ihnen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz zugeteilt werden. Der zukünftig wachsende Anteil nahm im Jahr 2007 bereits 15 Prozent des Energiemixes der EHA ein. Die restliche Energiemenge stamme aus den unterschiedlichsten Anlagen, vor allem Wasserkraftwerke: „Zu nennen wären hier zum Beispiel die Wasserkraftwerke Dövikfoss und Geithusvoss in Norwegen, aus denen auch Greenpeace-energy beliefert wird. Des Weiteren beziehen wir Energie aus vielen verschiedenen einzelnen Windkraftanlagen in Finnland wie Albert Windpower plant oder Oskar Windpower plant oder dem Hundshammerfjellet in Norwegen.“

Kühlung im Supermarkt
Gemüse- und Obstsaftgetränke sind im letzten Jahr als Smoothies einer der Kundenrenner gewesen. Dem Convenience-Kunden bieten sich meist bereits in Eingangsnähe verzehrsfertige Salate und Obstcocktails an. Natürlich in summenden Kühlgeräten, deren Ausdehnung in allen Geschäftsformen zunimmt. Der Markt Chilled Food wird größer, der Zuwachs des TK-Gemüse resultiert inhaltlich aus dem Produktionszuwachs Biogemüse. Kühlung ist wichtig.
Das Bundesumweltamt hatte 2003 im Rahmen seiner Studie über Kühlmittel auch die Supermarktkühlung betrachtet und konnte dabei auf Daten von Penny zurückgreifen. Penny gehört zur Rewe-Gruppe.
Als Stromverbrauchsgröße hat sich im Handel der Begriff „Laufende Meter Kühlmöbel“ eingebürgert und variiert je nach Ausstattung des Marktes recht unterschiedlich. Es gibt steckerfertige Anlagen, die einen hohen Energieverbrauch aufweisen und große Verbundanlagen mit zentralem Kompressorraum mit niedrigen Energieverbräuchen. Bei 226 Penny-Märkten variiert der Energieverbrauch je Kühlmeter zwischen gut drei bis knapp 14 kWh je Tag. Nach Angaben des Berliner Stromversorgers macht die Kühlung in einem Supermarkt zwischen 45 und 70 Prozent der Stromkosten aus. Der Kühlbereich nimmt rund 40 Prozent der Einrichtungskosten in Anspruch ist aber im Vergleich zu Personal, Wareneinkauf und Mieten als Kostenfaktor nur von geringerer Bedeutung.

Einsparpotenzial Supermarkt
Terrawattstunden sind nicht die üblichen Haushaltmengen. Pressesprecher Andres Krämer verglich den Einsatz von zwei Terrawattstunden für Rewe mit dem Verbrauch der privaten Haushalte in Köln. Die kommen zusammen auf 1,6 TWh. In Deutschland wurden 2006 rund 615,8 TWh verbraucht. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht zwischen 3.500 und 4.000 kWh, eine 100-Watt-Glühbirne in 10 Stunden 1 Kilowattstunde. Die Kölner Handelsgruppe lässt seinen Grünstrom jetzt in alle Rewe-, Penny-, Baumärkte und den Promarkt fliessen. Nach Angaben von Andreas Krämer spart das 600.000 t Kohlendioxid.

Lesestoff:
Die Arbeit des Bundesumweltamtes: „Risiken und Nutzen von flourierten Treibhausgasen in Techniken und Produkten unter besonderer Berücksichtigung der stoffintrinsischen Eigenschaften“; Abschlussbericht 15. Dezember 2003;

Roland Krieg

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