Russland will keine Öldrosselung
Handel
Erdöl: Preise und Menge im Abwärtstrend
Erdöl bleibt einer der wichtigsten Preismarker für den Agrarhandel. Sowohl in der Energieversorgung als auch beim Transport. Die Organisation der erdölfördernden Länder (OPEC) steht seit Jahren unter Preisdruck. Saudi-Arabien versuchte 2014 seinen Marktanteil mit einer erhöhten Förderung zu vergrößern, setzte die Preise aber nach Analysten der ABN Amro stärker unter Druck.
Preise im Sinkflug
Seit Jahresbeginn übt auch das SARS-CoV-2 Druck auf die Märkte und die Ölsorte Brent aus. Der Preis für einen Barrel Brent fiel zwischen dem 20. Januar und 20. März am Terminmarkt von 86 auf 50 US-Dollar. Aktuell liegt der Kurs sogar bei nur 45 US-Dollar pro 159-Liter Fass. Die arabischen Länder wollten die Fördermengen kürzen und waren sich weitgehend einig. Sie hätten aber auch Russland ins Boot holen müssen, dass sich verweigerte und damit eine Drosselung der Erdölförderung unrealistisch macht. Freiwillig liegt die Drosselung in Saudi-Arabien um freiwillig 0,4 Millionen Barrel pro Tag und zusammen bei 1,7 Millionen Fass pro Tag. Am 01. April läuft die Vereinbarung wegen der Weigerung Russlands aus und jedes Land kann so viel Erdöl produzieren, wie es will. Saudi-Arabien wollte die Förderung um weitere 1,4 Millionen Fass am Tag kürzen, Russland schon seit Beginn der Verhandlungen ausweiten.
Russland steigt aus
Ein möglicher Kompromiss, die Förderung nur bis Juni zusätzlich 1,5 Millionen Fass(Tag zu kürzen führte zu einem deutlichen Kursverlust der Ölpreise. Am vergangenen Donnerstag wollte die OPEC daraufhin, die Kürzung bis zum Jahresende verlängern und erhöhte damit den Druck auf Russland. Dessen Energieminister Alexander Nowak fordert aber mehr Zeit für ein Übereinkommen, bis sich die Auswirkungen des SARS-CoV-2 auf die Wirtschaft deutlicher abzeichnen. Nowak geht von einer schwächeren Wirtschaftsleistung und wollte die aktuelle Kürzung bis Ende Juni verlängern. Mit diesem Bruch ging das OPEC-Treffen in Wien zu Ende und hinterlässt die Preise weiter unter Druck.
Die Banker von BAN Amro sehen in den gescheiterten Verhandlungen einen Vertrauensbruch, der auch mit möglichen Zusatzvereinbarungen in den nächsten Wochen kaum zu kitten wäre.
Kurzfristig keine Erholung
China importiert seit Mitte Januar deutlich weniger Rohöl im Vergleich zum Dezember 2019. Die Internationale Energieagentur IEA verzeichnet ein Minus von 14 auf 12,6 Millionen Barrel pro Tag. Weltweit ist die Nachfrage nach Erdöl um 4,5 Millionen Fass und 4,5 Prozent zurückgegangen. Die Analysten von ABN Amro sehen eine Markterholung erst in der zweiten Jahreshälfte.
Roland Krieg
© Herd-und-Hof.de Nutzungswünsche: https://herd-und-hof.de/impressum.html