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Russland zurück auf der IGW

Handel

Russland braucht den Handel

Für die einen ist die Internationale Grüne Woche (IGW) ein Schlemmerparadies. Vor allem die Handwerksunternehmen aus der Ernährungsbranche überraschen die Besucher jedes Jahr mit neuen Kreationen. Das nehmen rund 400.000 Berliner und ihre Gäste gerne an und strömen jährlich in die Messehallen unter dem Funkturm.

Eine der größten und wichtigsten  Agrarnationen blieb der Messe zwei Jahre lang fern. Als Russland die Krim annektierte, reagierte die EU mit Sanktionen und Einreiseverboten. Auf die Liste nicht erwünschter Personen aus Russland gelangte der russische Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow, weil er die Annexion der Krim guthieß. Moskau zog die Aussteller von der Messe zurück: Kein Agrarminister, keine Aussteller.

Die IGW 2018 findet wieder mit Russland, aber ohne Tkatschow statt. Die Messe GmbH meldet, dass die Russen im Januar wieder nach Berlin auf die Messe kommen. Ohne Minister, der offenbar auch gar nicht gewillt ist, die Messe zu besuchen. Im Sinne des Handels hält er sich zurück. Denn: Von Moskau aus, hat Tkatschow eine Exportinitiative für sein Land angekündigt:. „Wir freuen uns, auf der Internationalen Grünen Woche 2018 die russischen Landwirtschaftsprodukte vorzustellen. In den letzten Jahren hat sich die Landwirtschaft in Russland zu einer der erfolgreichsten Branchen der nationalen Wirtschaft entwickelt. Wir sind nun in der Lage, den Binnenmarkt mit unseren Produkten zu sättigen und fangen an, Außenmärkte aktiv zu erobern.“

Wer exportieren will, der braucht auch Abnehmer. Und ein Teil der 400.000 Messebesucher sind nationale und internationale Händler. Denn im Kern bleibt die Grüne Woche das, was sie von Beginn auch war: Eine Handelsmesse für Agrargüter. Deutschland steht als Handelspartner nicht unbedingt im Fokus: „Wir sind gerade dabei, regionale Marken auszubauen, die dazu beitragen werden, dass die europäischen Verbraucher die russischen Lebensmittel positiv wahrnehmen und ihren hohen Nährwert, die Bio-Qualität und Vielfältigkeit wertschätzen. Ich bin zuversichtlich, dass die Produktpräsentationen der russischen Hersteller auf der Grünen Woche die Handelsbeziehungen zwischen Russland und den an der Grünen Woche teilnehmenden Ländern stärken und positiv beeinflussen werden“, sagte Tkatschow zur erneuten Messebeteiligung.

In der Halle 6.2 platziert sich das Russian Export Center auf rund 1.000 Quadratmeter. Im November hat das Center auf der Agritechnica landwirtschaftliche Maschinen präsentiert. Bewährt hat sich offenbar eine spezielle „Matchmaking-Zone“ für Geschäftsleute, die auch in Berlin eingerichtet wird.

Das von Russland ausgesprochene Embargo gegen europäische Agrargüter hat das Land genutzt, trotz aller Widrigkeiten wie schwacher Konjunktur, niedrigem Ölpreise und stockender Versorgung des Binnenmarktes, die Agrarsegmente aufzubauen, die zuvor von hohen Importen gekennzeichnet waren. Trotz Afrikanischer Schweinepest sind neue Mastanlagen entstanden und Russland investiert kräftig in den Bau neuer Gewächshäuser [1].

Russland hat neben Öl und Gas seit 2016 Getreide als bedeutenden Exportschlager gesetzt. Im Wirtschaftsjahr 2016/2017 hat Moskau mit 27,8 Millionen Tonnen mehr Weizen als die USA oder die EU exportiert. Der Erfolg liegt im Preis. Ägypten ist weltweit der größte Importeuer von Weizen. Kairo hatte im Oktober 2017 die Wahl zwischen EU-Weizen und Russland-Weizen. Die Tonne aus Europa kostete 205 Euro (fob, Free on Board), Ware aus Russland hingegen nur 198 Euro. Auch ein Grund, warum der Weizen-Export aus der EU schwächelt.

Handelspolitisch war die Rückkehr Moskaus auf die bedeutendste Agrar- und Ernährungsmesse der Welt nur eine Frage der Zeit. Die umstrittene politische Prominenz wärmt sich derweil im kalten Moskau mit einem Schluck aus dem Samowar.

Lesestoff:

Die Grüne Woche 2018 findet übrigens vom 19. bis zum 28. Januar statt.

[1] Sanktionen beflügeln Investment: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/gewaechshaus-boom-in-russland.html

Roland Krieg

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