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Schwachstelle Direktvertrieb

Handel

Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt

240 Milliarden Umsatz im Gesundheitswesen und 4,2 Millionen Arbeitsplätze: Im Dezember 2005 bezeichnete Staatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder aus dem Gesundheitsministerium die Gesundheitsbranche als "Jobmaschine". Jenseits von Ärzten und Krankenhäusern gehören Essen und Trinken dazu.
So sah Jürgen Petersen von der IMS Health GmbH auf der 6. Euroforum Jahrestagung Nahrungsergänzungsmittel in Frankfurt "spannende Zeiten" für die Branche voraus, wie der aid Infodienst berichtete. Im vergangenen Jahr verzeichnete diese Produktgruppe ein Umsatzwachstum von neun Prozent - bei Apotheken liegt es sogar bei 12 Prozent.
Allerdings gerieten gerade Apotheken beim Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung in Kritik, weil sie mit der Beratungsaktion "Leichter Leben in Deutschland" auch gleichzeitig ein spezielles Eiweißtrinkpulver mitverkaufen. Unabhängige Beratung schließt nach den Richtlinien der Ernährungsberater einen Verkauf von Produkten aus.

Vorsicht bei Nebenwirkungen oder Heilsversprechen
Auf der Frankfurter Jahrestagung zeigte sich, dass unter anderem Mittel gegen Zuckerkrankheit, Präparate für Muskeln und Gelenke, Multivitaminpräparate mit Mineralstoffen aber auch mit Vitamin C zu den Wachstumsmärkten zählen. Der aid berichtet weiter, dass mehr als ein Viertel aller Nahrungsergänzungsmittel nicht über den Ladentisch, sondern im Direktvertrieb verkauft wird. Das sind selbstständige Berater außerhalb des Einzelhandels, deren Bundesverband Direktvertrieb sogar mit 50 Prozent Umsatzzuwächse bei Nahrungsergänzungsmitteln rechnet. Seriöse Unternehmen garantieren ihren Kunden ein Rückgaberecht und übten keinen Verkaufszwang aus, so Anja Volmer von der Neways GmbH.
Allerdings ist schwer zu kontrollieren, ob die Berater ihr Produkt mit unseriösen Heilsversprechen verkaufen und der aid Infodienst sieht hier "den Schwachpunkt der gesamten Branche": Nahrungsergänzungsmittel sehen aus wie Arzneimittel, sind aber keine. Rechtlich gehören sie zu den Lebensmitteln. Sie brauchen keine zeit- und kostenintensive Arzneimittelzulassung und dürfen im Gegenzug auch nicht mit medizinischen Wirkungen werben.
Die Verlockung ist jedoch groß, denn die Branche lebt vom besonderen Gesundheitsimage ihrer Produkte. Daher sind Gerichte und Überwachungsbehörden landauf, landab damit beschäftigt zu klären, welche Werbung noch zulässig und wann die Grenze zum nicht zugelassenen Arzneimittel überschritten ist. Dr. Axel Preuß, Leiter des chemischen Landes- und Staatlichen Veterinäruntersuchungsamtes in Münster, definiert die Grenze so:
"Nahrungsergänzungsmittel dienen der Optimierung der Ernährung eines gesunden Verbrauchers." Sie sind nicht für die Behandlung von Krankheiten bestimmt und dürfen daher - wie alle Lebensmittel - auch keine Risiken und Nebenwirkungen haben. Als "charmant" bezeichnete Preuß ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes in Nordrhein-Westfalen vom 10. November 2005. Das Gericht stufte "Kräutertabletten nach Original Tibetanischer Rezeptur" als nicht zugelassenes Arzneimittel ein, unter anderem weil der Hersteller im Internet selbst auf Nebenwirkungen des Produktes hinweist. Im Umkehrschluss dürfen Verbraucher misstrauisch werden, wenn ein Produkt "Nahrungsergänzungsmittel" heißt, aber gleichzeitig Heilsversprechen ausweist - sei es auf der Verpackung, im Internet oder im persönlichen Verkaufsgespräch.

aid, Gesa Maschkowski;
roRo

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