Schweiz stellt auf nachhaltigeres Palmöl um
Handel
Schweizer Präferenzzoll für nachhaltiges Palmöl aus Indonesien
Die Europäische Freihandelsassoziation EFTA mit den Staaten Liechtenstein, Island, Norwegen und der Schweiz hat mit Indonesien ein Wirtschaftsabkommen (CEPA) Unterzeichnet. Die Schweizer haben das Abkommen im März dieses Jahres per Referendum angenommen. Im CEPA wird die Einfuhr von Palmöl geregelt. Das Abkommen berücksichtigt die vielfach geäußerten Bedenken über die Palmölerzeugung und verpflichtet Indonesien zum Schutz von Primärwäldern, Torfmooren und zur Wahrung der Rechte indigener Bevölkerung, sowie die Arbeitsrechte. Beide Seiten wollen den Palmölsektor weiter voranbringen und die existierenden Standards verbessern.
Für die Schweiz ist CEPA das erste Abkommen mit einem Nachhaltigkeitskapitel und soll international ein Vorbild sein. Diesen Beschluss hat der Schweizer Bundesrat am vergangenen Donnerstag angenommen.
Konzessionen für Palmölimporte
Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat zum Beschluss die Konzessionen vorbereitet. Als Nachweis für die nachhaltige Erzeugung werden vier Standards festgesetzt [1]. Die Schweiz gewährt Indonesien ein Kontingent für rohes Palmöl, Palmstearin und Palmkernöl von 10.000 Tonnen, die in den nächsten fünf Jahren auf 12.500 Tonnen erhöht werden. Für diese Produkte gibt es Präferenzzölle, die zwischen 20 und 40 Prozent unter dem eigentlichen Satz liegen. Die Anlieferung erfolgt in 22-Tonnen-Tanks, damit die Rückverfolgbarkeit gewährleistet ist. Zollfrei ist Palmöl für technische Zwecke oder für die Produktion von Suppen und Saucen. Ebenso kann Indonesien verarbeitetes Palmöl reexportieren. Das entspricht dem aktiven Veredlungsverkehr. Importeure müssen sich für eine Genehmigung an das SECO wenden.
Nur ein kleiner Teil
Der Lebensmittelhändler Migros nutzt bereits zu 99 Prozent nachhaltig zertifiziertes Palmöl. Jetzt macht die Politik Nägel mit Köpfen. Doch wie groß sind die Köpfe? Eher klein. Zwischen 2012 und 2017 hat die Schweiz insgesamt zwischen 30.000 und 38.000 Tonnen Palmöl importiert. In den Jahren 2018 und 2019 ist der Import auf 24.000 Tonnen zurückgefallen. Die Eidgenössische Zollverwaltung weist aber auch aus, dass Indonesien beim Import keine Rolle spielt. Kamen 2012 wurden gut 2.000 Tonnen Palmöl aus Indonesien importiert und hielt über die Jahre einen Anteil von 2,5 Prozent. Im Jahr 2019 ist die indonesische Menge auf 35 Tonnen zurückgefallen. Das entspricht 0,1 Prozent der Gesamtimporte. Das reicht noch nicht einmal für einen zweiten 22-Tonnen-Tank.
In seine Analyse geht das SECO davon aus, dass Indonesien über die Zertifikate anderen Marktteilnehmern Anteile wegnehmen könnte. Allerdings ist fast das gesamte importierte Palmöl nach anderen Standards auch schon zertifiziert. Die Auswahl auf die vier aufgeführten Standards soll das Beste sein.
Wie wichtig ist Palmöl?
Palmöl nach RSPO-Standard hält weltweit derzeit nur einen Marktanteil von 20 Prozent. Indonesien und Malaysia sind die Markt- und Preis bestimmenden Exportländer für Palmöl. In den vergangenen 20 Jahren ist die Palmölproduktion von 45 auf 76 Millionen Tonnen angestiegen. Das liegt nicht nur am steigenden Bedarf für Speiseöle, sondern auch an seinen technischen Besonderheiten. So brauchen Autoreifen Stearinsäure für die beanspruchte Lauffläche [2]. Die Überlegenheit der Ölpalme resultiert aus ihrem Ölertrag, für den andere Ölpflanzen zwischen zwei und vier Mal so viel Fläche brauchen. Seine Geschmacksneutralität macht es für die Lebensmittelindustrie interessant.
Unter den Zertifikaten fehlt das von Bio-Suisse. Dessen Anteil in der Schweiz liegt aber nur bei fünf Prozent und wird von Coop-Eigenmarken Bio-Knospe-Palmöl genutzt. Das Schweizer Palmölnetzwerk geht von einer weiteren Steigerung des Bioanteiles aus [3]. Eine eindeutige für den Bio-Standard hat das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in einer vergleichenden Studie von vor zwei Jahren nicht geben können [4]. RSPO und Bio können voneinander lernen.
Der Palmölfluss
Brüssel hat mit seiner Palmöl-Initiative zur Vorbereitung auf die Renewable Energy Directive (RED) gegen Palmöl ausgesprochen und damit die Indonesier verschreckt. Das hat den Palmölfluss lediglich umgelenkt, weil die indonesische Palmöl-Organisation sich dem neuen Absatzmarkt Indien zuwendete. Zudem erhöht auch Indonesien seine Beimischung von Pflanzendiesel im Kraftverkehr [5].
Die Warenströme verändern sich stetig und lassen sich von kleinen Kieselsteinen nicht beeinflussen. Für Jakarta wird es künftig aber dennoch eng. Der neue Marktpartner Indien hat angekündigt seine eigene Palmölfläche bis 2026 von 300.000 auf 1,1 Millionen Hektar und bis 2030 sogar auf 1,6 Millionen Hektar auszudehnen. Der Subkontinent importierte im Wirtschaftsjahr 2020/2021 rund 133 Millionen Tonnen Speiseöl und ein Großteilkommt aus Indonesien. Indien will die Importmenge deutlich reduzieren.
Schweiz hilft Kleinbauern
Das SECO engagiert sich über das aktuelle Abkommen hinaus in Indonesien, Malaysia und Nigeria über die Sustainable Trade Initiative (IDH) für nachhaltige klimafreundliche Palmöl-Kleinbauern und hat das Programm „Sustainable Climate Smart Oil Palm Smallholder) ins Leben gerufen.
Lesestoff:
[1] Round Table on Sustainable Palmoil als Standard mit den beiden Lieferkettenmodellen IP und SG. In beiden Fällen können nur Produkte und Halbfertigprodukte zertifiziert werden, in denen das Palmöl zu 100 Prozent RSPO zertifiziert ist. Beim Modell Identity Preserved (IP) ist die Rückverfolgbarkeit bis zu einer einzelnen Plantage möglich. Beim Modell SG (Segregation) darf das Palmöl aus verschiedenen Plantagen und Ölmühlen gemischt sein. Als drittes Zertifikat wird das der Palm Oil Innovativ Group (POIG) anerkannt, bei dem unter anderem der WWF Mitglied ist. Die Nummer vier ist das Zertifikat von International Sustainability & Carbon Certification (ISCC aus Köln) mit der Variante „Plus SG“.
[2] Palmöl: Vom Autoreifen bis zur Bratpfanne: https://herd-und-hof.de/handel-/palmoel-vom-autoreifen-bis-zur-margarine.html
[3] https://palmoelnetzwerk.ch
[4] Umweltvorteil Bio-Palmöl. Vorteil für die Lieferkette bei RSPO: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/palmoel-nachhaltig-nur-aus-bioanbau.html
[5] Indonesien will mehr Palmöl produzieren: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/indonesien-will-mehr-palmoel-produzieren.html
Roland Krieg
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