Stabile Agrarbranche zeigt sich auf der IGW

Handel

Sonnleitner: Selbstbewusst ins Jahr 2012

Zur Eröffnungspressekonferenz der Grünen Woche zeigte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner Optimismus. Die Banken- und Schuldenkrise habe die Agrarwirtschaft stabil überstanden. Bis auf die Schweinehalter in der Veredlungswirtschaft haben die Bauern steigende Unternehmensgewinne verzeichnen können. Der anstieg der Beschäftigtenzahlen zeigt, dass die Landwirtschaft nicht immer nur unter dem Aspekt des Strukturwandels gesehen werden muss.
Die Branche gehe mit „einem gesunden Selbstbewusstsein in das Jahr 2012“. Nach Ansicht Sonnleitners habe sich auch die Haltung zum Lebensmittelhandel entspannt, da dieser die Qualitätsprodukte nicht mehr mit „uneinsichtiger Aggressivität verschleuder.
Aufgaben für das Jahr 2012 und darüber hinaus sind vor allem Änderungen in der Tierhaltung. Das bezieht sich vor allem auf die Diskussion um den Einsatz von Antibiotika, aber auch Themen wie das Kupieren von Schwänzen oder Kürzen von Schnäbeln stehen auf der Agenda 2012. Sonnleitner warnt jedoch davor, die Diskussion nur in Deutschland zu führen. Das Beispiel Legehennenkäfig zeige, dass Deutschland in vielen Bereichen schon Vorreiter sei. „Tierschutz ist unteilbar“, sagte Sonnleitner.
Zum Thema Welternährung fordert der Bauernpräsident die betroffenen Länder auf, selbst für geeignete Rahmenbedingungen zu sorgen, so dass die Bauern in der Lage sind, die Bevölkerung zu ernähren. Good Governance spiele dabei die wichtigste Rolle. Es folgen Infrastruktur und Lagermöglichkeiten für Ernteprodukte.
Der demografische Wandel in Deutschland berge Chancen für den Export und die Energieversorgung. In Deutschland werden im Jahr 2050 rund 17 Millionen Verbraucher weniger leben. Auf Grund der klimatisch guten Bedingungen, könne auf den frei werdenden Flächen Biomasse für die energetische Nutzung angebaut und Agrarprodukte für den Export produziert werden. Voraussetzung: Deutschland verbrauche nicht mehr um die 100 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche am Tag durch Siedlungs- und Wegebau.

Auch Zuversicht in der Ernährungsindustrie

Im letzten Jahr hat die Ernährungswirtschaft rund 162 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das ist ein Plus von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine tragende Säule ist mit einem Plus von 13 Prozent auf 48,5 Milliarden Euro der Handel mit dem Ausland. Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) blickt auch optimistisch auf das Jahr 2012. Trotz Schuldenkrise habe sich die Branche als stabil erwiesen und das Umsatzplus trotz Verteuerung der wichtigsten Rohstoffe hinbekommen. Die Verbraucher wollen mehr qualitätsorientiert einkaufen, was für die kommenden Monate bei hohen Beschäftigungszahlen die Branche weiter voran treiben wird.
Ein Selbstläufer wird das Jahr aber nicht. Die Rohstoffpreise werden weiter steigen, die Erzeugerpreise durch die Flächenverknappung ebenfalls. Abraham sieht das als ein mögliches Ergebnis der sieben Prozent ökologische Vorrangfläche, die Brüssel in der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik einführen will.
Preiserhöhungen können jedoch nur moderat weitergegeben werden – nur im Rahmen dessen, was der Kunde auch wirklich weite gibt, so Abraham. Die Preiserhöhungen seien aber notwendig, damit die Ernährungsindustrie in Innovationen investieren kann.

Der Handel trage jedoch auch eine Mitschuld an dem harten Wettbewerb. Der Druck im Markt ist stark, weil es zu viele Ladenflächen gibt, führte Abraham aus. Um den Verbraucher in sein Geschäft zu lotsen, werden am Montag die Sonderangebote veröffentlicht und die Kunden kaufen dort, wo es am preiswertesten ist.

Im Weltwettbewerb

Auch wenn der Export zu 80 Prozent innerhalb der EU bleibt. Die Agrar- und Ernährungsbranche spricht von wachsenden Märkten in China, Süd-Korea, Südostasien. Andere Agrarexportländer wie Brasilien reagieren auch auf diese Märkte. Dort sind die Produktionsbedingungen jedoch noch günstiger und wenn die Verhandlungen zwischen der EU und dem Mercosur abgeschlossen sein sollten, dann wird es für die deutschen Bauern eng.
Um das zu vermeiden, müssen für alle die gleichen Spielregeln gelten, sagte Sonnleiter zu Herd-und-Hof.de. Bilaterale Abkommen seien daher mit Skepsis zu begegnen. Der Rahmen der WTO mit 156 Ländern kann für gleiche Umwelt- und Sozialstandards garantieren.
Jürgen Abraham fürchtet keine Konkurrenz. Die Leistungsfähigkeit vieler Betrieb haben sich trotz hohen Lohnniveaus so effizient aufgestellt, dass auch bei Lebensmitteln günstige Stückkosten vorliegen.

Roland Krieg

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