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Verpackungen aus Molke

Handel

Molkeprotein wird zur Verpackungsschicht

Die modernen Verpackungen haben mehr Aufgaben, als Lebensmittel vor Beschädigung zu schützen. So sollen sie auch vorzeitigen Verderb verhindern und das Auge des Kunden schmeicheln. Vor allem den Sauerstoff müssen sie heraushalten, damit das Produkt nicht verdirbt. Bislang machen das spezielle Polymerschichten. Aber auch Molkeprotein ist dazu geeignet, wie das ttz Bremerhaven auf der InterCool zeigte.

Aufwertung Molke
Molke fällt beispielsweise an, wenn die Molkereien Butter, Sahne oder Quark herstellen. Als Getränk bedient Molke direkt den Kunden im Wellness-Bereich, dient als Grundstoff für pharmazeutische Produkte – oder findet auch Absatz als Verpackungseinheit. Für Holmer Wölk von der Meierei-Genossenschaft Langenhorn eine Alternative. Denn er hat die Molke als Tierfutter wieder an die Milcherzeuger verkauft. Der Spanier Montse Ballcels von der Lieters de Catalunya sieht in der neuen Verwendung eine zusätzliche Wertschöpfung für die Molkerei.
Süß- oder Sauermolke werden durch einen Filtrationsprozess, den das Fraunhofer Institut entwickelte, zu einem hochreinen Pulver verarbeitet. Damit die Proteine ihre Barriereaufgaben gegenüber Sauerstoff und Keime erfüllen können, müssen sie ein feinmaschiges Netzwerk ohne Klumpen bilden. Allerdings wird die Molkestruktur beim Trocknen rissig und spröde. Markus Schmid vom Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung: „Die Zugabe von Weichmachern ist notwendig, um die gewünschte Flexibilität zu erzielen. Dafür mussten geeignete Weichmacher in der richtigen Konzentration, die wiederum Auswirkungen auf die Barrierewirkung haben, ermittelt werden.“

Ein Vergleich mit der Sauerstoff- und Wasserdurchgangsrate hat gezeigt, dass das Molkeprotein mit den gängigen Polymeren mithalten kann. Letztlich wird es auf eine PET, PE oder PLA-Folienschicht aufgetragen und kann, so ein weiterer Vorteil, wieder abgetrennt und recycelt werden. Daher können Firmen bei Verwendung einer Molkeverpackung auch ihre Kohlendioxidbilanz verbessern.

Verbraucherakzeptanz
Das ttz Bremerhaven ist in dem europäischen Molkeprojekt für eine bedeutende Akzeptanz zuständig: Dem Verbrauchertest. Ohne Kundenzustimmung wird eine neue Verpackung keinen Erfolg haben. In einem eigenen Sensoriklabor hat Jessica Wildner vom ttz Bremerhaven molkeverpackter Lebensmittel beim Verbraucher getestet. Es dürfen keine Geschmacks- oder Aromaprofiländerungen durch die neue Verpackung auftreten.
In der nächsten Phase soll die Verpackung mit der Molkeschicht auf Industriemaßstab hin entwickelt werden. In diesem Jahr hat die Industrie noch Gelegenheit ende Oktober auf der Düsseldorfer K Trade Show die Verpackung kennen zu lernen – oder im Mai auf der Interpack 2011.

Lesestoff:
Das europäische Netzwerk aus Industrie und Forschung können Sie virtuell auf der Seite www.wheylayer.eu besuchen.

roRo (Text und Foto)

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