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Vertrauensfrage „Bio“

Handel

„Zu viel Ware im System“

Kaum einer vermag die vor ihm liegende konventionelle von der biologisch erzeugten Tomate zu unterscheiden. Bei einer Blindverkostung würden auch viele scheitern. Was „Bio“ ist oder nicht unterscheidet der Produktionsprozess. Bundeslandwirtschafts-ministerin Ilse Aigner legte am Dienstag Wert darauf, dass „Bio“ eine Prozesskennzeichnung ist und nicht überprüft werden kann. Zusammen mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wartet sie auf weitere Informationen aus Rom, um den bekannt gewordenen Bio-Betrug aus Italien aufzudecken: „Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, das drin steht, was drauf steht – auch bei Bio-Waren.“
Es liegen noch keine detaillierten Mengenangaben über die auch nach Deutschland gelieferten Waren vor. Die Behörden gehen von einer „mittleren dreistelligen Tonnage“ aus. Nach Aigner soll es sich dabei hauptsächlich um Futtermittel Soja und Raps handeln. Die EU wird sich in der kommenden Woche in Brüssel mit dem Betrugsfall beschäftigen.
Aigner will die Anforderungen an die Zulassung von Öko-Kontrollstellen erhöhen.

Vertrauensfrage

Nach Auskunft des Bundeslandwirtschaftsministeriums haben die deutschen Verbraucher auf die Meldungen nicht durch Kaufzurückhaltung reagiert. Das bestätigt auch Dr. Alexander Gerber, Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) gegenüber Herd-und-Hof.de.
In Italien steht die Firma Sunny Land im Fokus, die verschiedene Rohstoffe international vertreibt. Für Sunny Land wirtschaften nach eigenen Angaben 30 Betriebe etwa 8.000 Hektar in Italien nach ökologischen Kriterien, sowie 18.000 Hektar in Rumänien, Moldawien, Bulgarien, Ungarn und der Ukraine.
Sunny Land hat ein eigenes System eingeführt, dass die Rückverfolgbarkeit garantieren soll. Zumindest in der Zeit zwischen 2007 und 2010 gab es Fälschungen von Zertifikaten, die jetzt rausgekommen sind. Nach Dr. Gerber werden aber auch Chargen des Jahres 2011 der mehr als ein Dutzend Firmen überprüft, die gefälschte Biowaren verkauft haben. Unternehmen, die von dort Waren bezogen haben, sperren diese Ware.
Aufgeflogen sind die Betrügereien durch die Plausibilitätsprüfungen, die, so Dr. Gerber „zu viel Ware im System“ festgestellt haben.
Das beste Kontrollsystem ist nicht gegen kriminelle Machenschaften gefeit, aber es kann einen Betrug aufdecken. Allerdings müsse in so einem Fall die länderübergreifende Zusammenarbeit von Behörden sehr viel besser werden, so Dr. Gerber. Ebenso wäre ein transparentes und abgestimmtes Vorgehen der Behörden hilfreich.

Mengenverhältnisse

Aigner spricht vom dreistelligen Tonnenbereich für Deutschland. Das Online-Magazin Bio-Markt.info kommt auf eine Gesamttonnage von 2.500 Tonnen, die in Italien falsch deklariert wurde. Der BÖLW hat das Umsatzverhältnis hochgerechnet und beziffert die falsch deklarierte Menge mit weniger als 0,0001 Prozent des Gesamtumsatzes. Angesichts dieses Größenverhältnisses sei es nicht gerechtfertigt, das Vertrauen der Öko-Konsumenten zu erschüttern, erklärt Dr. Gerber. „Viele Bio-Ladner informieren ihre Kunden aktiv.“

Lesestoff:

www.boelw.de

Roland Krieg (Text und Fotos – Startseite von Sunny Land)

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