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Viel Umsatz, wenig Rendite

Handel

Leichter Optimismus in der Ernährungsindustrie

Die Ernährungsindustrie ist das Fundament der Landwirtschaft im ländlichen Raum. Christoph Minhoff als Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Lebensmittelindustrie (BVE) konnte zu Beginn der Internationalen Grünen Woche in Berlin nach zwei Jahren erstmals wieder leicht positive Zahlen vorlegen. Gegenüber dem Vorjahr konnte der Umsatz um zwei Prozent auf 172 Milliarden Euro zulegen. Dabei handelt es sich vor allem um ein Mengenwachstum. Die Verkaufspreise des Handels sind um 2,6 Prozent gefallen. Der Export bleibt wichtig. Hier hat die Branche mit 56,6 Milliarden Euro ein Rekordergebnis eingefahren. Gegenüber 2015 ist das ein Plus um 3,3 Prozent. Die gute Stimmung hat für die Einstellung von 11.000 Arbeitskräften geführt. Für das Jahr 2017 erwarten rund 60 Prozent der Unternehmer eine weitere Umsatzsteigerung. Allerdings erwarten nur 25 Prozent auch eine Steigerung der Gewinne. Investieren wollen dennoch viele. Da ist viel Optimismus im spiel, denn mehr als die Hälfte der Unternehmen hat in den vergangenen drei Jahren nur ein bis zwei Prozent Rendite erzielt.

Für den Kunden sind in den beiden letzten Jahren die Lebensmittelpreise nach Auswertung durch das Statistische Bundesamt Destatis jährlich um 0,8 Prozent angestiegen. Waren es 2015 allerdings nur einzelne Lebensmittel, hat die Steigerung im letzten Jahr alle Produktgruppen getroffen. Am teuersten wurde Gemüse mit einem Plus von 3,7 Prozent. Kartoffeln stiegen sogar um 13,8 Prozent. Obst und Zitrusfrüchte wurden durchschnittlich um neun Prozent teurer. Süßwaren (+ 0,8), Getreide (+ 0,6) und Fleisch (+ 0,4 Prozent) dürften den meisten Konsumenten kaum aufgefallen sein. Auffälliger blieb die Preissenkung bei Milch und Molkereiprodukten im Jahr 2016.

Einer der Wachstumstreiber bleibt der Biomarkt. Mittlerweile werde mehr Biogemüse gekauft als konventionelles. Bei Milch und Molkereiprodukten habe der Biobereich einen Anteil von 30 Prozent. Die stärksten Käufer ist weiblich, älter als 45 Jahre und hat ein höheres Einkommen. Auf der anderen Seite habe jeder fünfte Bundesbürger noch nie Bio gekauft.

Handel und Ernährungsindustrie fallen aus Sicht der Landwirte noch aus einem anderen Grund auf: Sie machen die konkretere Agrarpolitik. So will Lidl ab der zweiten Jahreshälfte Milch nach Tierschutzbundkriterien verkaufen, die erst an diesem Wochenende in Berlin vorgestellt werden. Lidl steigt in „gentechnikfreies Rindfleisch“ ein. Gegenüber Herd-und-Hof.de sagte Minhoff, dass die Landwirte dadurch aber nicht „unnötig“ unter Druck gesetzt würden. Der Handel reagiere auf die Verbraucherwünsche mit einer maßvollen Anhebung der Standards auf der ganzen Produktpalette. „Niemand ist so nah am Verbraucher dran, wie der Handel“, erklärte Minhoff. Das gefährde auch nicht die Exporte. Freier Handel und ständig neue Nischen weltweit bringen auch Produkte mit höheren Standards unter.

Roland Krieg

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