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Von Monarchen und Exporten

Handel

Wie Rukwied und Minhoff die Grüne Woche sehen

Traditionell eröffnet die Internationale Grüne Woche mit einer Pressekonferenz der beiden Hauptakteure: Joachim Rukwied als Präsident des Deutschen Bauernverbandes und Christoph Minhoff als Hauptgeschäftsführer der Bundesverbandes der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) berichten über die berufsständischen Befindlichkeiten und Erwartungen an die IGW.

Informationsaustausch vom DBV

Rukwied nimmt als Präsident bereits zum dritten Mal an der IGW teil, wenn in diesem Jahr auch mit leicht gedrückter Stimmung. Die Preise sind im Keller und er will sich mit den Berufsvertretern aus allen Ländern über Lösungen aus der Krise austauschen. Die Milchquote wird Ende März aufgelöst, die europäische Agrarreform hat ihre ersten Wochen hinter sich und Praktiker können über ihre Probleme mit dem Entwurf der Düngeverordnung berichten. Nicht nur aus diesem Grund ist die IGW ein Unikat. Sie ist es auch für die Verbraucher, die sich „vor Ort“ informieren können. Rukwied will am Donnerstag dem anreisenden EU-Agrarkommissar Phil Hogan eine Resolution überreichen und damit an sein Versprechen erinnern, die Landwirtschaftspolitik einfacher zu machen.

Kritisch sieht er die Entwicklungen zum Mindestlohn. Die neuen Vorgaben würden vor allem die Landwirte der Sonderkulturen wie beispielsweise Spargel kaum bewältigen können. Generell will Rukwied sachlich an die Themen herangehen, um keine Ängste zu schüren. Zeigt sich aber dann doch irritiert, weil am Morgen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks verlautbarte, sie wolle die am Vortag im Europaparlament gefallene Entscheidung für ein nationales Verbot für gentechnisch veränderte Pflanzen umsetzen. „Wissen sie, wie ich das sehe“, fragte Rukwied in die Journalistenrunde. „Das ist wie die Forderung nach Abschaffung der Monarchie in Deutschland. Beides haben wir nicht.“

Zufrieden zeigt sich der Bauernpräsident mit dem Start der Initiative Tierwohl. Damit sei die Landwirtschaft einen guten Schritt weiter gekommen. Ab August soll das erste Fleisch im Handel verfügbar sein.

Dialog der BVE

Für die Ernährungsbranche begann das Jahr emotional. Im Rahmen der TTIP-Verhandlungen brachte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt verwirrende Äußerungen zu regionalen Produkten auf die Agenda [1]. Minhoff stellte klar, dass die Ernährungsindustrie das TTIP-Abkommen bejaht. Es müsse aber fair ausgestaltet werden. In der Diskussion forderte er mehr Sachlichkeit ein und wollte die Ziele des BVE nicht durch TTIP-Gegner missbrauchen lassen. „da es auf der WTO-Ebene nicht zu einer Einigung kommt, brauchen wir das TTIP“, sagte Minhoff. „Wir sind eine exportorientierte Branche und brauchen ein Abkommen, dass erfolgreich abgeschlossen wird.“

Das zurückliegende Jahr war kein wirklicher Erfolg. Mit 173,2 Milliarden Euro ging der Umsatz um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Abzüglich sinkender Verkaufspreise war es noch immer ein Minus von 0,9 Prozent. Dadurch steigt der Konsolidierungsdruck. Die Zahl der Betriebe ging um 1,7 Prozent und die Zahl der Stellen um 1.000 zurück.

Zunehmenden Konkurrenzdruck verspürt die Branche auch im Ausland. Die Optimierung von Produktionsprozessen und Kostensenkungen stehen auf der „to-do-Liste“ ganz oben.

Daher bleibt der Export ein wichtiger Baustein für die Wirtschaftlichkeit. Mit 56,3 Milliarden Euro hat die Branche einen neuen Rekord in 2014 eingefahren. Vor allem Asien und Afrika bieten Wachstumschancen. Doch auch da gibt es Hemmnisse: Die Wirtschaft in der EU hängt und Drittstaaten bauen zunehmend Handelshemmnisse auf.

Bauern darf die Branche auf den deutschen Konsumenten. Er ist derzeit konsumoptimistisch und wird durch eine mäßige Konsumteuerung kaum abgebremst. Der BVE bietet in der Halle 22 an seinem Stand eine umfangreiche Dialogmöglichkeit an. Im Dezember ist die neue Lebensmittelinformationsverordnung gestartet. Nicht nur dazu stehen die Betreuer bereit. Es gibt auch zahlreiche Podiumsmöglichkeiten mit Beteiligung.

Lesestoff:

[1] Grüne Woche mit viel Gesprächsstoff

Roland Krieg

[Sie können sich alle Artikel über die diesjährige Grüne Woche mit dem Suchbegriff „IGW-15“ anzeigen lassen]

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