Wärmewende auf dem Land

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Flüssiggas als Wärmequelle auf dem Land

Der ländliche Raum hat seine Vorzüge. In der Pandemie haben viele Städter die Möglichkeiten genutzt, in das Umland zu ziehen. Der ländliche Raum hat aber auch seine Nachteile. Nicht nur, was die Nahversorgung betrifft – er ist bei der Wärmewende schwerer zu berücksichtigen. Nicht überall stehen dezentral Biogasanlagen, die mit einer Wärmeversorgung öffentliche Gebäude oder ganze Dörfer versorgen können.

Konkret stehen im ländlichen Raum nach Angaben des Deutschen Verbandes Flüssiggas (DVFG) noch 827.000 Gebäude mit alten Ölheizungen. Die Zahl der Ölheizungen wird mit 4,6 Millionen angegeben, die bei der Wärmewende berücksichtigt werden müssen. Die Klimaschutzvorgaben der Bundesregierung sehen bis 2035 einen Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energie vor, was nach einer aktuellen Studie des DVFG nur mit dem Einsatz von Flüssiggas erreicht werden kann.

Was ist Flüssiggas?

Flüssiggas (LPG) darf nicht mit verflüssigtem Erdgas (LNG) verwechselt werden. Die LNG-Terminals zur Substitution von russischem Erdgas basieren auf Methan. LPG ist vielen Autofahrern bekannt. Es besteht aus Propan und Butan sowie deren Gemischen und wird bereits bei geringen Drücken flüssig. Es verbrennt CO2-reduziert und kann in der erneuerbaren Variante als biogenes Flüssiggas und Dimethylether neben Kraftstoff auch zu Heiz- und Kühlzwecken eingesetzt werden. Flüssiggas kann auch aus Biogasanlagen gewonnen werden.

Der ländliche Raum

In vielen ländlichen Regionen fehlen Wärmenetze oder deren Errichtung gilt als unrentabel, weil die Abstände zwischen den Häusern zu groß sind. Ältere Häuser sind nur bedingt für einen Wechsel zu elektrischen Wärmepumpen geeignet und selbst bei ambitioniertem Umbau verbleibt ein Rest an Gebäuden, die anderweitig beheizt werden müssen. Die Umstellung der 827.000 Gebäude auf Heizungsanlagen mit Flüssiggas inklusive einem Anteil an regenerativem LPG kann nach einer aktuellen Studie gegenüber dem Ist-Zustand etwa 3,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente an Emissionen pro Jahr einsparen. Die Studie wurde vom Institut für technische Gebäudeausrüstung (ITG) Dresden erstellt.

Effekte

Aus der Studie lässt sich ableiten, dass gebäudebezogen bis zu 50 Prozent der Emissionen durch den Einsatz von LPG-Heizungen eingespart werden können. Das sei vergleichbar mit einer vollständigen Modernisierung der Gebäudehülle. Sowohl der Einbau als auch der Handwerkereinsatz senke die Kosten.

Förderung

Die ökologisch und ökonomisch sinnvolle Kombination einer Flüssiggas-Hybridheizung, also eine Wärmepumpe kombiniert mit einer Gasbrennwertheizung wird aktuell allerdings nicht durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gefördert, bedauert Jobst-Dietrich Diercks, DVFG-Vorstand am Montag bei der Vorlage der Studie.

Lesestoff:

Studie Flüssiggas (LPG) im Wärmemarkt des ländlichen Raums: https://www.dvfg.de/

Roland Krieg

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