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Waren leergefischt

Handel

Friedrichs gibt Standort Waren auf

Erst im Jahr 2014 hat die Feinfisch-Manufactur Gottfried Friedrichs KG aus Hamburg seine Produktionsstätte in Waren an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern auf 2.000 Quadratmeter nach neuesten technischen und hygienischen Standards umgebaut. Die 1908 in Hamburg gegründete Fischverarbeitung fühlt sich dem Gedanken der Manufactur verpflichtet und veredelt Fisch in Handarbeit. Rohwaren für den Graved Lachs wurden in Waren über die Dauer von fünf Tagen handgebeizt. Dennoch entstand für 140 Mitarbeiter eine der Feinfisch-Veredlungsstätten mit, nach eigenen Aussagen, Europas modernsten Schneide- und Legemaschinen. Die Produktion ist IFS-, MSC- und Naturland-zertifiziert. Kunden und Touristen können im Werksverkauf die Produkte erstehen.

Umzug nach Doble

Damit ist Schluss. Der Anbieter von Premium-Fisch muss seine Produktion verschlanken und will den Standort Waren schließen. Die Produktion geht ins polnische Doble, südlich von Koszalin. Dort hat Friedrichs 2003 die Senne Forelle mitsamt Produktionsstätte übernommen und erzeugt derzeit Forellen- und Matjes-Produkte – ebenfalls vielfach in Handarbeit. Der Standort Doble weist die gleichen Zertifizierungen auf. Mit dem Hauptsitz in Hamburg weist die Fischmanufactur drei Standorte auf, die derzeit alle im Einschichtbetrieb arbeiten.

Alle Produktionsarbeiten sollen künftig an einem einzigen Standort in einem Mehrschichtbetrieb gebündelt werden. Damit soll für den Wettbewerb eine hohe Wertschöpfung generiert werden. Im direkten Vergleich schnitt Doble besser ab als Waren. „Die hohen strukturellen Fixkosten, die uns durch mehrere Standorte entstehen, sind für uns langfristig nicht tragbar. Hinzu kommt, dass unser Geschäft sehr personalintensiv ist“, erklärt zum Standortwechsel Friedrichs-Gesellschafter Horst-Otto Gerberding. Die Handarbeit solle weitergeführt werden, es gebe kaum Automatisierungsmöglichkeiten. Die Nachfrage nach Premium-Produkten bleibe hoch.

Backhaus tief enttäuscht

Die Firma hat Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen. Über die Ankündigung, den Standort Waren zu schließen, zeigte sich Landwirtschaftsminister Till Backhaus „zu tiefst enttäuscht. Ein moderner Produktionsstandort wird wegen Lohndumpings aufgegeben“, kritisiert Backhaus die Firmenleitung. Friedrichs hat sich bei nahezu allen Waren-Events in regionaler Verbundenheit gezeigt.

Die Modernisierung des Betriebes 2014 wurde zudem mit 700.000 Euro gefördert. Backhaus: „Wir werden jetzt prüfen, ob wir wenigstens einen Teil des Geldes zurückholen können.“

Nächster Abgang

Backhaus war nach der Wende erfolgreich, Verarbeitungsbetriebe nach Mecklenburg-Vorpommern zu holen. Jetzt kommt der nächste Rückschlag. Erst vor einem Jahr hat Danish Crown die Schweineschlachtung in Teterow eingestellt.

Roland Krieg

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