Menü

Was kostet die Energie ohne Wende?

Handel

Die Kosten der Energiewende

Eine Woche lang wurde die Höhe der EEG-Umlage intensiv diskutiert. Seit Anfang der Woche wissen die Verbraucher, Ihnen fehlen zusätzlich je Kilowattstunde 5,277 Cent in der Geldbörse. Gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit gewinnt die Frage nach der EEG-Umlage an emotionaler Bedeutung. Doch welche wirtschaftliche Gewichtung haben die 5,277 Cent wirklich und was kostet die Energie ohne Wende? Das hat Dr. Joachim Nitsch, Hauptautor der „Leitstudien“ für das Bundesumweltministerium, Fachjournalisten in Berlin beschrieben.

Energiewende ist mehr als Strom

Die Diskussion um die EEG-Umlage verzerrt das Gesamtbild der Energiewende. Bei der Energiewende geht es um die Umstellung des Strom-, Wärme- und Kraftstoffbedarfs auf erneuerbare Energieträger, um die Folgen des Klimawandels einzugrenzen. Die EEG-Umlage ist darin nur ein kleines Mosaiksteinchen.
Die Energierechnung aller Verbraucher in Deutschland zusammen betrug im Jahr 2011 rund 200 Milliarden Euro – ohne Steuern. Das ist der gleiche Betrag, den Industrie, Behörden und Verbraucher im Jahr 2000 mit Steuern bezahlt haben.
40 Prozent der Ausgaben werden für die Stromrechnung fällig. Das sind 80 Milliarden Euro im Jahr. Weitere 67 Milliarden kostet die Wärmeversorgung und für 50 Milliarden Euro werden die Kraftstofftanks befüllt. Die Stromkosten sind in den letzten zehn Jahren auch ohne Energiewende um 30 Prozent nach oben geklettert. Einen großen Teil der Mehrkosten wurde durch Energieimporte verursacht. Der Bedarf an fossilen Brenn- und Kraftstoffen hat die Importrechnung von 37 auf 86 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Demgegenüber nehmen sich die Kosten und deren Steigerungen bei den erneuerbaren Energien von zwei auf 14 Milliarden Euro schon eher winzig aus.

Was ist das Referenzsystem?

Für eine gewichtete Aussage, ob die erneuerbaren Energien Kostentreiber sind, muss das richtige Referenzsystem gewählt werden. Doch während bei den neuen Energien die Kostenanalysen bis ins Detail vorliegen, sind die wirklichen Kosten der fossilen Energieträger kaum zu berechnen. Nach dem OECD-Bericht „Deutschland 2012“ zahlt die Bundesrepublik jährlich 42 Milliarden Euro an „umweltschädlichen“ Subventionen für die fossilen Energien. Darunter zählen Steuererleichterungen für die Industrie, Vergünstigungen im Straßenverkehr oder die kostenfreie Zuteilung der Kohlendioxid-Emissionsberechtigungen.
Dr. Nitsch nähert sich dieser Zahl auf andere Weise und hat die „nicht sichtbaren Schäden des Klimawandels“ berechnet. Nitsch kommt so auf 53 Milliarden Euro im Jahr, die den Kosten der fossilen Energien angerechnet werden müssten.
Vielleicht sichtbar gemacht über eine „fossile Energie-Umlage“?
Selbst die Erschließung neuer Erdölreserven und die Gewinnung von Schiefergasen wird den Trend steigender Kosten für fossiler Energien nicht mehr umkehren lassen. Deshalb werden die Energiekosten für die Haushalte zunächst weiter steigen.

Die Energie-Gesamtrechnung zeigt ein ganz anderes Bild als die Wahrnehmung der Umlagenerhöhung.

Verbraucher haben sich nach Dr. Nitsch über einen langen Zeitraum an die hohen Kosten für Kraftstoffe gewöhnt und nehmen zunächst einmal das „Neue“ wahr. Die Benzinpreisdiskussion flamme auch immer wieder nur zur Urlaubszeit auf. Aktuell sind die Benzinpreise wieder deutlich gesunken und der Kunde zahlt.

Kostensenkung

Rational gesehen werden die Energiekosten sinken. In den Berechnungen von Dr. Nitsch sind Effizienzeffekte nicht enthalten. Die steigende EEG-Umlage ist die Investition in die Zukunft. Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien werde schon 2020 die Kosten im Mix der neuen Energien auf neun Cent je Kilowattstunde senken. Für das Jahr 2050 prognostiziert er sogar nur sechs Cent je kWh.
Verbraucher haben jedoch eine andere Wahrnehmung als Akademiker und Politiker. Sie spüren den Anstieg und sehen nicht das Preistal dahinter. Bislang ist den Politikern nur die Möglichkeit eingefallen, ab 2013 eine kostenlose Energieberatung für alle Haushalte einzuführen.

Roland Krieg; Grafik: roRo

Zurück