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Welche Hilfe für die Milch?

Handel

Milch ist zentrales Thema der AMK

Heute Mittag geht die Agrarministerkonferenz (AMK) in Magdeburg zu Ende. Das zentrale Thema ist die Milch, bei der Erzeuger in den letzten Wochen Preissenkungen bis auf unter 20 Cent je Kilogramm Milch hinnehmen mussten. Verschiedne Aktionen und Varianten, den Milchmarkt zu stabilisieren sind im letzten Jahr fehlgeschlagen. Nun wollen die Bundesländer mit vereinten Kräften die von der EU zugesagten 90 Millionen Euro in den Milchmarkt stecken – Ende offen.

Fair MilkWenig Spielraum
Zu Wochenbeginn hatte EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel deutlich gemacht, dass es keine Neuverhandlungen des Health Check gibt. Fischer Boel sagte, dass Problem resultiere nicht von der Angebotsseite her, weil die Milchquoten europaweit nicht ausgeschöpft werde, sondern von der Nachfrageseite her – es wird zu wenig konsumiert. Das Milchschulprogramm können zwar helfen, werde jedoch keine Lösung des Gesamtproblems sein.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner war erwartungsgemäß mit den Vorschlägen gescheitert, die Erhöhung der Milchquote auszusetzen und die für 2010 versprochene Marktanalyse vorzuziehen.

Kein rein deutsches Problem
Auch in Österreich gibt es massive Probleme. Nach Aussage der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter haben die Molkereien der Alpenrepublik insgesamt Verluste gemacht. Während die Tirolmilch 2007 noch 150 Mio. Euro Umsatzplus machte rutschen die Zahlen im letzten Jahr auf drei Millionen ins Minus. In ganz Österreich haben 400 Milchbauern ihre Lieferverträge verloren. Auch Biomilchbauern wurden vor die Tür gesetzt. Der Discounter Hofer hat mit der Eigenmarke „zurück zum Ursprung“ auf Bio umgestellt und entlässt die Biobauern aus Niederösterreich aus ihren Verträgen. In Österreich wird an die Molkereien zu viel Milch geliefert.
Hingegen liefern die britischen Milchbauern zu wenig. Bis Ende März soll die Unterlieferung zehn Prozent betragen und jetzt hat der Milchpreisverfall auch die Insel erreicht. Der britische Bauernverband zeichnet ein extrem düsteres Zukunftsbild und mahnt die Bauern, auf ihre Kosten zu achten. Sie sollen nach Vorlage eines Notfallplans auf bessere Kontraktgestaltung achten, die Kostenstrukturen überdenken und sich besser fortbilden. Die Molkereien sollen ihre Kostenrechnungen für die Milchpreisbildung offen legen. Allerdings ist der britische Markt importabhängig. So kauft Tesco seinen Cheddar in Irland ein.
Am Weltmarkt dominiert Fonterra aus Neuseeland. Im Vorjahr senkte der Milchriese den „Weltleitmilchpreis“ um 27 Eurocent, hat aber in dieser Woche bei Veröffentlichung der Halbjahreszahlen angekündet, den aktuellen Preis bei 18 Eurocent zu halten. Im letzten Halbjahr hat Fonterra seinen Umsatz um 9,6 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro steigern können.

Was tun?
Der Wille, Geld zu geben ist da. Petra Wernicke, Landwirtschaftsministerin aus Sachsen-Anhalt will Geld aus der ländlichen Entwicklung an die Milchbauern geben. Ilse Aigner will die Investitionsförderung verstärken, Geld für die Ausgleichszahlung in benachteiligten Gebieten erhöhen oder eine Weideprämie einführen. Der Deutsche Bauernverband möchte die Exporterstattung noch einmal erhöhen und die im Juni auslaufenden Beihilfen für Milchaustauscher und Bäckerbutter für mindestens ein weiteres Jahr aufrechterhalten.
Doch wenn so viel Geld in den Milchsektor fließen soll, wird das Begehrlichkeiten und Missmut in anderen Bereichen wecken.
Doch wie genau der Milchbauernhof der Zukunft aussehen soll, darüber gibt es keine Einigkeit. Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger sagte am 20. März auf der Tagung „Milchwirtschaft 2015“: „Wir haben Verständnis dafür, dass gerade in der aktuellen Situation viele Landwirte, die bisher für einen staatlich reglementierten Markt produziert haben, den Markt mit Skepsis sehen, Wir müssen uns aber für die Zukunft ausrichten und unsere Stärken und Chancen nutzen. Dazu brauchen wir leistungsfähige und wettbewerbsfähige landwirtschaftliche Betriebe, die ihr Einkommen vor allem am Markt erwirtschaften.“
Am 18.03. sagte Dr. Till Backhaus, Agrarminister aus Mecklenburg-Vorpommern beim Treffen mit dem Milchindustrieverbands: „Die Herausforderungen, vor denen die Milchwirtschaft steht, haben globalen Charakter erreicht. … Die Wucht der Turbulenzen des aus dem Gleichgewicht geratenen Weltmarktes schlägt weitgehend ungebremst durch und trifft natürlich den exportorientierten Wirtschaftszweig, zudem auch die Milchwirtschaft gehört, besonders hart.“

Wohin der Markt die Betriebe treibt
Die Marktexperten des Informations- und Forschungszentrums für Ernährungswirtschaft in Kiel sehen für den Norden einen Produktionszuwachs im Milchmarkt von bis zu 65 Prozent voraus. In den beiden letzten Jahren hat sich dort die Milchquote um 2,3 und 4,3 Prozent erhöht und wird im neune Quotenjahr 2009/2010 auf vergleichbarem Zuwachsniveau liegen. Der Expansionskurs im Norden schlägt sich in der Betriebsstruktur nieder. Um fast ein Drittel nahem die Betriebe zu, die mehr als 100 Kühe halten. Rund 80 Prozent der Milchbetriebe in Schleswig-Holstein sind in den letzen Jahren gewachsen und zwei Drittel wollen weiter aufstocken. Wie viel Geld ist nötig, diesen Trend rückgängig zu machen?

Heute Nachmittag folgt ein Bericht von der Ergebnispressekonferenz der AMK.

Roland Krieg (Text und Foto)

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