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Weltverbrauchertag: Save the money

Handel

Die Evolution des Finanzsektors in Afrika

Der Weltverbrauchertag steht im Fokus fairer Finanzdienstleistungen. Zum 50-jährigen Jubiläums des Weltverbrauchertages widmet sich die Internationale Verbraucherorganisation auch dem afrikanischen Finanzdienstsektor: Dort sind Märkte und Finanzdienstleistungen für die Kunden unterentwickelt.

Sparen bei kleinem Einkommen
Armut und Hemmnisse der ländlichen Entwicklung resultieren aus mangelndem Zugang zu Land, Maschinen, Betriebsmittel und Kapital. Die Integration der Armen in den Finanzsektor ist nach Kofi Annan einer der großen Herausforderungen, wie er im Jahr der Mikro-Kredite 2005 sagte. Auch in Afrika sind die Menschen gewillt und in der Lage, Finanzdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Dass sie es nicht könnten, sein ein Mythos, den die Weltverbraucherorganisation am Weltverbrauchertag ausräumen will.
Afrikanische Länder mit mittlerem Einkommen haben nach einer Analyse aus dem Jahr 2003 mit 26 Prozent eine höhere Sparquote als Länder mit hohem Einkommen. In den Ländern südlich der Sahara liegt sie bei 15 Prozent, weist aber große Unterschiede auf. So lag die Sparquote in Uganda im Jahr 2000 lediglich bei 3,5 Prozent, im ost- und südafrikanischen Markt COMESA lag sie bei 18 Prozent. Banken erreichen in Kenia und Sambia nur jeden fünften Haushalt, in Süd-Afrika und Namibia jeden zweiten.

Arme sind kein Finanzrisiko
Mikro-Kredite dienen in Afrika meist der Produktion und nicht dem Konsum. Die Rückzahlungen sind mit 95 bis 98 Prozent außerordentlich hoch – auch wenn die International Finance Corporation (IFC) der Weltbank in der Wirtschaftskrise ausgemacht hat, dass die Zahl der Kunden, die mit ihren Raten mehr als 30 Tage zurücklagen, von 1,2 auf 3 Prozent angestiegen ist.
Das macht die Kleinfinanzierungen nicht unattraktiv. Allein das IFC vergab 2006 rund zwei Milliarden US-Dollar an Mikrokrediten. In Südafrika hat sich die Vergabe von Mikro-Krediten zwischen 1995 und 1997 verdreifacht und nahm 2005 die Hälfte aller Kreditvergaben ein. Die Hälfte an Händler und Geldverleiher.

SOCREMO Banco de Microfinancas – Mosambik
Bis Dezember 2012 läuft noch ein Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Stärkung des Mikrofinanzwesens in Mosambik. Der Zugang der Bevölkerung zu adäquaten Finanzdienstleitungen verbesserte sich erst, nachdem einige Mikrofinanzinstitutionen (MFI) expandierten und die Lizenz der Bankenaufsicht bekamen. Im Rahmen des Projekts hat sich SOCREMO entwickelt. Darin befinden sich finanzielle Dienstleister, die als Sprachrohr des Mikrofinanzwesens dienen und innovative und kundengerechte Serviceleistungen anbieten. Seit Dezember 2007 gibt es einen Mikrofinanzverband, der durch Training, Experteneinsätze und Sachgüter langfristig unterstützt und begleitet wird. Bislang zeigen die Ergebnisse, dass sich die wirtschaftliche Situation der Zielgruppe verbessert und der Mikrofinanzsektor leistungsfähiger wird.
Q: GTZ

Investment statt Kredite
Die Vergabe von Krediten ist aber längst nicht alles, wohl aber vielfach das einzige, was angeboten wird. Die Weltbank forderte schon 2000, dass Investmentmöglichkeiten und Sparguthaben bei Privatkunden von größerem Interesse seien, als die Kreditaufnahme. Aber es gibt kaum Möglichkeiten.
Doch dazu fehlt es noch an Basisarbeit, denn die afrikanischen Verbraucher müssen informiert und aufgeklärt werden und oft fehlt es noch an Aufsichtsbehörden, die diesen Kapitalmarkt überwachen.
Die Finanzkrise hat auch Afrika getroffen. Südlich der Sahara ist der Kapitalmarkt um 30 bis 40 Prozent zusammengefallen – aber die schlimmsten Auswirkungen sind an dem Kontinent vorbeigegangen. Nur 17 von 53 afrikanischen Staaten haben eine Börse. Nach Bankenexperte Simon Heliso (Africa: to integrate or to delink? In Global Future, no1, 2009) resultierten die Auswirkungen vielfach von den ausbleibenden Überweisungen der im Ausland Beschäftigten Afrikaner. Dieses Volumen beträgt rund 10 Milliarden US-Dollar. Nur ein Drittel davon geht durch formale Kanäle, weil die Empfänger kein Bankkonto haben. Das hänge mit hohen Konto- und Überweisungsgebühren zusammen. Western Union beispielsweise hat im frankophonen Afrika einen Marktanteil von bis zu 100 Prozent.

Faire Banken für alle
Der Weltverbrauchertag hat mit dem Thema „Our money, our rights“ in Europa die Bestverdiener im Fokus, die ihr Erspartes nicht durch ominöse Finanzwetten verlieren wollen. 2006 hatte die UN in ihrem „Blue Book: Building Inclusive Financial Sectors for Development“ geschrieben: Die beiden Ziele eine vernünftigen Kontrolle sind: Die Sicherheit der Einlagen in geregelten Finanzinstitutionen und die Stabilität des Finanzsystems als Ganzes, sollte durch ein drittes Ziel ergänzt werden: Der allgemeine Zugang zum Finanzsystem weltweit.“ Faire Banken muss es auch für die Armen geben.

Lesestoff:
www.consumersinternational.org
www.portfoliosofthepoor.com
Kota, I: Microfinance: banking fort he poor; Finance & Development, Juni 2007 www.imf.org/fandd
www.gtz.de

Roland Krieg

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