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Weltwasserforum Istanbul

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Weltwasserforum Istanbul

Wasserholen in NepalSeit Montag trifft sich die internationale Wasserwelt bis zum Weltwassertag am 22. März auf dem alle drei Jahre stattfindenden Weltwasserforum. Diesmal in Istanbul. Das Motto: „Für Wasser Klüfte überbrücken“. Ziel soll sein, die verschiedenen Kulturansätze im Umgang mit Wasser zwischen Nord und Süd, Ost und West, Entwicklungsländern und Industrieländern zu verbinden. Die Hauptthemen: „Globale Veränderung und Wassermanagement“, „Die menschliche Entwicklung und Millenniumsziele voranbringen“, Wasserressourcen für Umwelt und Mensch schützen“, Regierung und Wassermanagement“, „Finanzierung“ und „Ausbildung und Wissenstransfer“.
Die Ressource Wasser soll auf der politischen und ökonomischen Agenda weiter nach oben rücken, das Forum will zu einer breiten Diskussion über das Thema Wasser anregen und vor allem die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren.

Wasser bewegt die Welt
Auf dem letzten Forum in Mexiko bestand zumindest die Übereinstimmung, dass Wasser die Basis für sozialen und ökonomischen Wohlstand ist. Katherina Sierra, Vizepräsidentin für Infrastruktur der Weltbank: „Das Wasserparadox besteht darin, dass die ärmsten Länder der Welt, die Wasser am nötigsten hätten und unter dem Klimawandel am meisten leiden, die wenigste Wasserinfrastruktur und Erfahrung beim Wassermanagement aufweisen.“

Pro Jahr fallen rund 110.000 km3 Niederschlag. 70.000 km3 werden als so genanntes „grünes Wasser“ von den Pflanzen wieder verdunstet. 40.000 km3 gelten als wiederverwendbares „blaues Wasser“. Davon fließen etwa drei Viertel unkontrolliert zurück ins Meer. knapp 14.000 km3 gelten als Wasserressource für die Gewinnung von Frischwasser.
Von dem Niederschlag, der über Land niedergeht, werden 40 Prozent von Wäldern genutzt, 36 Prozent erreicht wieder den Ozean, 15 Prozent geht auf Weideland nieder, sieben Prozent werden von der Regenfeldbewässerung genutzt. Jeweils 0,9 Prozent werden von Pflanzen in Bewässerungsgebieten direkt genutzt und sickern in den Grundwasserspeicher der Böden. Jeweils 0,1 Prozent verdunsten aus Seen und Flüssen und werden für die städtische Nutzung daraus entnommen.
Q: Unesco

Rund 800 Millionen Menschen sind als Kleinbauern von der Regenfeldbewässerung abhängig.

Nahrung verbrennt Wasser
Weltweit wurden im Jahr 1900 etwa 1.000 km3 Wasser für die Landwirtschaft, die Industrie und in Städten verbraucht. Die International Commission on Irrigation and Drainage hat den Wasserverbrauch für das Jahr 2020 mit mehr als 5.000 km3 voraus geschätzt und in Mexiko gemahnt, dass ein Nutzungsaustausch zwischen den Sektoren keine Option ist. Früher oder später werde der hohe Verbrauch unausweichlich zu Nahrungsmittelunsicherheit und Schäden in der Umwelt führen. Der Rahmen des Wasserverbrauchs ist vorgegeben: Finden von ausreichend Wasser und Land für das Wachstum der Weltbevölkerung, Arbeitsplätze schaffen und Ökosysteme vor dem Ausufern der Städte zu bewahren. Die menschliche Ernährung wird immer wasserintensiver und Ansatzpunkte für die nachhaltige Nutzung muss erst noch gefunden werden.
Über das so genannte „virtuelle Wasser“, den der Konsum der westlichen Welt generiert, hat das Institut für ökologische Forschung in der letzten Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ geschrieben. So verbraucht eine Tasse Frühstückskaffee insgesamt 140 Liter Wasser.

Fehlstart in Istanbul
Der am 22. März begangene Weltwassertag trägt das Motto „Grenzüberschreitendes Wasser”. Mehr als 263 grenzüberschreitende Seen und Flüsse zählt das Weltwasserkomitee und will daran erinnern, dass eine Eigennutzung meist mit Konflikten für andere Regionen und Staaten verbunden ist. Derzeit hält sich die Weltgemeinschaft noch in Balance. In den letzten 60 Jahren hat es mehr als 200 internationale Wasserabkommen gegeben und nur 37 gewalttätige Konflikte. Doch ist das grenzüberschreitende Wasser nicht nur eine Frage der Grenzen, sondern viel mehr die Grundsatzfrage, wem das Wasser gehört.
So wollte die UNESCO auf dem Weltwasserforum in der Türkei unter dem Programmpunkt „Wasser und Kultur“ die in der Kritik stehenden Staudammprojekte Allianoi und Ilisu und deren Folgen auf Kulturgüter darstellen – musste jedoch auf Druck der türkischen Regierung die Präsentation zurückziehen.

In Berlin organisieren die Akteure Nils Sautter und Christian Pommerehne am 22. März die Diskussion „Die Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe und ihre Geheimnisse". 12:00 bis 16:30 Uhr, Am Hafenplatz im „Blauen Salon“, Köthener Straße 28 in 10963 Berlin (Nähe Potsdamer Platz) www.weltwassertag.net

Kritik an der Türkei übt auch der WWF. Das Land gehe nicht sorgfältig mit seinen Wasserressourcen um. Infolge dessen habe sich der Grundwasserspiegel in den letzten drei Jahrzehnten um 14 Meter abgesenkt, was angesichts von bis zu 43 Prozent zurückgegangenen Niederschlägen bedrohlich sei. Die Lage verschärfe sich durch die Ausdehnung bewässerter Landwirtschaft und dem Ausbau von Golfplätzen in den Urlaubsregionen. Eine Anlage verschlinge bereits den Wasserbedarf einer Kleinstadt. Zudem importiert Deutschland mit 158.000 Tonnen Schalen- und Trockenfrüchten sowie 113.000 Tonnen Gemüse aus der Türkei nicht nur deren knappes Wasser, sondern wäre auch direkt betroffen, könnten die Früchte nicht mehr angebaut werden, erklärte Dorothea August WWF-Expertin für die Mittelmeerregion am Sonntag.

Lesestoff:
Mehr zum Thema Wasser gibt es auf der Seite www.worldwatercouncil.org mit einem Link zum Istanbuler Forum.
Mehr zum Weltwassertag International gibt es auf www.worldwaterday.org. Im letzten Jahr stand das Thema Abwasser auf der Agenda.
Wie Wasserabfluss und Wasserverfügbarkeit zusammenhängen, hatte Ende 2008 das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung ermittelt.
Moderne Bewässerungssysteme finden auch in Deutschland ihre Anwendung, wie beispielsweise die Tröpfchenbewässerung fränkischen Weins.

Roland Krieg; Foto: Action against Hunger

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