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Wer verdient bei O+G?

Handel

Wer verdient bei O+G?

Der weltgrößte Lebensmitteleinzelhändler, Wal Mart aus Amerika, macht rund 400 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr. Die Gewinnmarge liegt bei 3,5 Prozent. Die Menge erhöht den Gewinn. In Deutschland liegt die Gewinnmarge bei knapp der Hälfte, so dass nach Angaben von Prof. David Hughes vom Imperial College London, der Lebensmittelhandel an Obst und Gemüse nicht viel verdient. Die Erzeuger aber auch nicht. Wer dann?

Das ideale Produktimage
„Hohe Gewinne erzielen Produkte, die süchtig machen“, so Hughes. Die amerikanische Altria Gruppe, die Muttergesellschaft von Philipp Morris, Morris selbst und Britsh Tobacco erzielen zwischen 35 und 45 Prozent Gewinnemargen. Coca Cola ist der einzige Lebensmittelhändler, der mit 22 Prozent Gewinnmargen in den Top Ten auftaucht. Frischeprodukthändler sind in der Liste von Hughes gar nicht vorhanden.
Zum einen liege das an der fehlenden Lagerfähigkeit der Produkte, aber auch an der kulturspezifischen Einstellung zu Obst und Gemüse. Der Wunsch, weiße Wäsche zu haben, ist universell und erreicht die Hausfrau in Vietnam, genauso wie auf Sizilien, in den USA oder in Berlin. Aber Obst und Gemüse? Nach Hughes fände man eher einen Schotten, der häkelt, als einen, der Gemüse isst. „Millionen von Kindern weltweit essen nichts, was grün ist.“ Dabei hat die Branche gute Partner: Regierungen, die Verzehrprogramme auflegen und Mütter, die ihren Kindern etwas Gutes tun wollen. Obst und Gemüse trage perfekt das Image von Gesundheit und Natürlichkeit.

„Wir kennen unsere Kunden nicht!“
Programme zur Steigerung des Verzehrs sind erfolgreich. Der Verzehr von Beerenfrüchte ist in England zwischen 2004 und 2009 um 87 Prozent angestiegen. Brombeeren wurden sogar zu 700 Prozent mehr gegessen. Auch bei Kohl gebe es ein leichtes Plus zu verzeichnen – auch wenn nur jeder vierte englische Haushalt einmal im Jahr Rosenkohl kauft. Hughes kann viele Nischen aufzeigen, wo die Branche noch deutlich wachsen kann.
Die Industrie macht es den Erzeugern vor. Sie nutzt die Megatrends Convenience und Fertiggerichte und bringt ständig neue Produkte auf den Markt. „Die Welt versucht uns nachzumachen“, so Hughes. Alle werben mit Natürlichkeit und Gesundheit. Obst und Gemüse ist es schon pur. Doch die Industrie kennt ihre Kunden genau und es gibt nur wenige mutige Händler, die mit einem Werbeetat von drei Millionen englischen Pfund eine neue Kartoffel im Fernsehen bewerben.

Nach Hughes erfüllen Boomprodukte wie Smoothies Convenience und Gesundheit. Manche können auch die geforderten fünf Portionen Obst und Gemüse ersetzen. „Für sieben Euro am Tag.“ Doch: Wie viel Obst und Gemüse können Sie einkaufen, wenn sie täglich sieben Euro investieren?
roRo

Mehr zusammenarbeiten
Seit einigen Jahren versucht die Branche mit „Club-Äpfeln“ dem Verbraucher einen bestimmten Markenapfel näher zu bringen. Damit würden die Erzeuger ihre Gewinne steigern. Hughes sieht darin ein Paradebeispiel, wie eine Zusammenarbeit von Erzeugern, Logistik und Vermarktung bis hin zum Lebensmittelhandel funktionieren kann. Doch statt dessen gibt der Handel derzeit viel Geld für Marketing aus, dass vor allem einen niedrigen preis bewirbt – Werbung für Qualität findet kaum statt

Roland Krieg

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